Ausland
Homo-Ehen, Abtreibung und die Bibel
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 04.01.2012 57 Kommentare
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Mitt Romney hat die Primärwahlen in Iowa gewonnen, hauchdünn vor Rick Santorum und Ron Paul. Für welche Politik stehen diese drei Männer?
Die drei Fragezeichen
Romney ist ein sehr erfolgreicher Manager mit einem Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Er ist ein ebenso erfolgreicher Opportunist: Einst hat er Abtreibung gutgeheissen und die Klimaerwärmung als ernsthafte Bedrohung bezeichnet. Unter dem Druck der christlichen Fundamentalisten und der Tea Party hat er beides widerrufen. Zudem ist er Mormone und hat einmal seinen Hund auf einem Familientrip nach Alaska auf das Dach seines Autos gebunden.
Santorum ist der Enkel eines italienischen Einwanderers, der in einer Kohlemine geschuftet hat. Er vertritt damit grundsätzlich die wichtigste Wählergruppe der Republikaner: weiss, männlich, untere Mittelschicht. Santorum ist streng katholisch und kommt bei den christlichen Fundamentalisten gut an.
Paul galt bis vor kurzem noch als Spinner: keine Notenbank, eine minimale Armee und eine völlig abgespeckte Regierung. Das sind seine Forderungen. Fünf Ministerien will Paul gänzlich streichen, die anderen massiv verkleinern. Er will, dass sich die USA von der Aussenwelt praktisch wieder vollständig zurückziehen und auf Gold gestütztes Privatgeld einführen. Kurz: Paul will die Vereinigten Staaten in eine Art neoliberales Nordkorea verwandeln.
Ultrarechte bahnen sich den Weg
Die USA haben hohe Schulden, eine untragbar hohe Arbeitslosigkeit, eine zerfallende Infrastruktur und ein Bildungssystem, das sich international nur noch knapp im Mittelfeld befindet. Auch die Amerikaner müssen sich mit den Folgen der Klimaerwärmung befassen und sich auf ein digitales Zeitalter vorbereiten. Doch worüber streiten sich die Präsidentschaftskandidaten? Über Homo-Ehen, Abtreibung und die Bibel. Das ist, wie Thomas Friedman in der «New York Times» schreibt, zwar alles sehr unterhaltsam, aber völlig irrelevant. In der «Financial Times» bezeichnet Jeffrey Sachs die Ausmarchung der Republikaner als einer Art «USA sucht den Superstar» für Erwachsene, als eine bizarre TV-Show im Reality-Format.
Präsident Barack Obama hat derweil viel von seiner Popularität eingebüsst. Die Republikaner – einst eine gutbürgerliche Partei wie hierzulande die FDP – sind ins ultrarechte Eck gerückt. Das bedeutet, dass heute ein Mann, der noch vor kurzem als unwählbarer Extremist gegolten hätte, der nächste Präsident der USA werden könnte. Eine nicht sehr komfortable Aussicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.01.2012, 13:26 Uhr
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57 Kommentare
"Paul will die Vereinigten Staaten in eine Art neoliberales Nordkorea verwandeln." Was für eine tendenziöse und unobjektive Aussage! Ron Paul hat als Libertarier etwa gleichviel gemeinsam mit dem nordkoreanischen Stalinismus wie die SVP mit der SP! Des Weiteren sieht er, wie er in einem Interview sagte, in der Schweiz mit ihrer direkten und födarilisten Demokratie ein Vorbild für die USA. Antworten
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