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«Ich habe von 30'000 bis 50'000 Toten gehört»
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FBI warnt vor betrügerischen Spenden-Aufrufen
Die US-Bundespolizei FBI hat nach dem Erdbeben in Haiti zur Vorsicht bei Spenden über das Internet aufgerufen. Wie schon bei Naturkatastrophen in der Vergangenheit müsse mit Betrügern gerechnet werden, die Not und Spendenbereitschaft ausnutzen.
Persönliche Daten oder Bankdaten sollten nicht preisgegeben werden, erklärte das FBI am Mittwoch. Internetnutzer sollten sich bemühen, die Rechtmässigkeit karitativer Organisationen und deren Spendenaufrufe möglichst genau zu prüfen.
Ausserdem warnte das FBI davor, Weblinks oder E-Mail-Anhänge zu öffnen, weil auf diese Weise Computerviren verbreitet werden könnten. Der Internetdienst Twitter etwa wurde am Mittwoch nach dem Erdbeben mit Spendenaufrufen für Haiti regelrecht überschwemmt.
Quelle: Reuters.
Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti nehmen die ersten internationalen Hilfsteams ihre Arbeit im Katastrophengebiet auf. Noch immer ist das ganze Ausmass der Schäden nicht absehbar.
Das erste Schweizer Soforteinsatzteam für die Hilfe nach dem Erdbeben in Haiti ist in der Nacht in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik eingetroffen. Eine Landung auf dem Flughafen von Port-au-Prince war nicht möglich, wie Toni Frisch, Chef der humanitären Hilfe des Bundes, in der Sendung «HeuteMorgen» von Schweizer Radio DRS sagte. Die sieben Experten reisten auf dem Landweg nach Haiti weiter und werden dort die dringendsten Hilfsbedürfnisse abklären.
Ein zweites Team von elf Experten wird heute ebenfalls nach Santo Domingo fliegen. Es handelt sich gemäss Frisch um Fachleute für die medizinische Versorgung, die Unterkünfte für die Obdachlosen sowie für die Wasser- und Abwasserversorgung. Für morgen ist ein Flug mit 40 bis 50 Tonnen Schweizer Hilfsgütern nach Haiti geplant.
Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist ein Drittel der neun Millionen Einwohner dringend auf Hilfe angewiesen. Die ersten Frachtflugzeuge mit Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten, Zelten und Spürhunden sind auf dem Weg nach Port-au-Prince. Heute wird die Ankunft des US-Flugzeugträgers «USS Carl Vinson» vor der Küste von Haiti erwartet. Die USA schicken 2000 Marineinfanteristen, zivile Helfer, Schiffe, Transportflugzeuge und Hubschrauber in den Karibikstaat.
Opferzahl bleibt Spekulation
Haitianische Regierungsmitglieder befürchten bis zu 100'000 Todesopfer. Tausende Menschen werden noch unter den Trümmern in der weitgehend zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince vermutet. Präsident Rene Préval sagte dem US-Sender CNN, er habe von 30'000 und auch 50'000 Toten gehört.
Der Botschafter Haitis bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Duly Brutus, hat Befürchtungen von bis zu 100'000 Toten nach dem Erdbeben in seinem Land zurückgewiesen. Mit realistischen Einschätzungen sei erst in zwei bis vier Tagen zu rechnen.
«Ich weigere mich, zu akzeptieren, dass wir mehr als 30'000 Tote haben», erklärte Brutus. Im Übrigen sei es zu früh, um über genaue Zahlen zu sprechen: «Wir müssen warten.»
Ministerpräsident Jean-Max Bellerive hatte die Zahl der Todesopfer dagegen mit «deutlich über 100'000» angegeben. Haitis Botschafter in den USA, Raymond Joseph, sprach ebenfalls von schätzungsweise 100'000 Menschen, die umgekommen seien oder vermisst würden.
Clinton bricht Reise ab
US-Aussenminister Hillary Clinton nannte das Erdbeben eine Katastrophe von «unvorstellbarem» Ausmass und verglich es mit dem Tsunami, der 2004 Asien heimgesucht hatte. Sie brach eine Auslandsreise ab, um die US-Hilfe in Washington zu koordinieren.
Die Weltbank sagte 100 Millionen Dollar Soforthilfe zu. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich beeindruckt von der internationalen Hilfsbereitschaft. Er kündigte an, mit Clintons Ehemann, dem früheren US-Präsidenten und Uno-Sondergesandten für Haiti, Bill Clinton, ins Erdbebengebiet reisen zu wollen.
Palast und Kathedrale beschädigt
Nach Angaben Bans kamen bei dem Beben mindestens 16 Uno- Mitarbeiter ums Leben. Berichte, wonach auch der Chef der Uno-Mission in Haiti unter den Toten sei, konnte er zunächst nicht bestätigen.
Unter den getöteten Uno-Mitarbeitern sind zehn Blauhelmsoldaten aus Brasilien, drei aus Jordanien und einer aus Haiti. 56 Mitarbeiter wurden verletzt, aber lebend aus den Trümmern geborgen. Weitere 150 Mitarbeiter der Vereinten Nationen werden noch vermisst.
Unter den zahlreichen Gebäuden, die bei dem Beben der Stärke 7,0 am Dienstagnachmittag in der Millionen-Stadt Port-au-Prince dem Erdboden gleichgemacht wurden, ist auch das Uno-Hauptquartier. Auch der Präsidentenpalast und die Kathedrale wurden schwer beschädigt.
In der Stadt herrschen chaotische Zustände. Vereinzelt wurden Plünderungen gemeldet. Überlebende versuchten am Mittwoch mit blossen Händen, Verschüttete aus den Trümmern zu retten. Auf den Strassen lagen Tote, die behelfsmässig mit Laken zugedeckt wurden.
Überlebende laufen wie betäubt auf den Strassen umher, vorbei an Leichen und Trümmern. Viele trauerten um Angehörige und Freunde. Einsatzkräfte suchten in eingestürzten Gebäuden nach Verschütteten. In der Vorstadt Petionville gruben sie sich mit Presslufthämmern oder auch mit blossen Händen durch die Trümmer eines Einkaufszentrums.
Schwerstes Erdbeben seit 1842
Die Bergungsarbeiten dürften aufgrund der desolaten Lage schwierig werden. Auch die medizinische Versorgung ist katastrophal. Viele Spitäler sind eingestürzt. Zahlreiche Länder darunter die USA, Frankreich und mehrere südamerikanische Länder entsandten Bergungsteams und Hilfslieferungen nach Haiti.
Das Rote Kreuz schätzte die Zahl der Betroffenen auf insgesamt drei Millionen Menschen. Die Vereinten Nationen haben nach eigenen Angaben etwa 30 internationale Hilfsteams mobilisiert. Aus der Schweiz reisen 18 Experten der Humanitären Hilfe ins Katastrophengebiet. Fünf Experten befinden sich bereits vor Ort.
Haiti liegt im kleineren westlichen Teil der zu den Grossen Antillen gehörenden Karibik-Insel Hispaniola. Im Osten liegt die Dominikanische Republik. Zuletzt war Haiti - das ärmste Land des gesamten amerikanischen Kontinents - am 7. Mai 1842 von einem ähnlich folgenschweren Beben heimgesucht worden. (bru/oku/sda/ap)
Erstellt: 14.01.2010, 08:26 Uhr
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