Im Amazonas wird weniger abgeholzt
Von Hans Moser, Recife. Aktualisiert am 14.11.2009
Lula hat Wort gehalten. Brasiliens populärer Staatschef hatte unter dem Druck von Umweltschutzorganisationen versprochen, energischer gegen den Raubbau im Amazonasgebiet vorzugehen. Jetzt, kurz vor Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen, konnte er bekannt geben, dass die Entwaldung zwischen August 2008 und Juli 2009 gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent zurückgegangen sei. Insgesamt wurden in dieser Periode 7000 km² Amazonasregenwald zerstört, ein Viertel des Höchststands von 1995 (29'000 km²).
Umweltverbände erfreut
Umweltverbände reagierten erfreut auf die Zahlen. «Das sind äusserst ermutigende Nachrichten für die Umwelt, die Menschen vor Ort und für das Weltklima», sagte Roberto Maldonado, Amazonasexperte und Projektkoordinator des WWF Deutschland für die Region. «Die Entwaldung des Amazonas ist zwar immer noch dramatisch, aber die neusten Daten können einen Meilenstein bei der Rettung des Amazonas sein.» Allerdings, so sagen die Umweltschützer, bestehe noch kein Anlass zur Entwarnung.
Sie fordern Brasiliens Regierung auf, den Schutz mit allen Kräften weiterzubetreiben, die Eigentumsverhältnisse im Amazonasgebiet zu klären, neue Schutzgebiete auszuweisen und die nachhaltige Forstwirtschaft stärker zu fördern.
Wald bremst Erwärmung
Brasilien hat mehrere Gesetze gegen die illegale Entwaldung erlassen, konnte damit aber bisher nur unzureichend verhindern, dass immer wieder grosse Gebiete den Motorsägen oder der Brandstiftung zum Opfer fielen. Viehzüchter und Sojabarone vernichten immer wieder illegal Wald, um neue Weiden für ihre Rinder oder zusätzliche Getreideanbauflächen zu gewinnen. Ursprünglich bedeckte der brasilianische Amazonas-Regenwald 4,1 Millionen km², heute sind es nur noch 3,4 Millionen km².
Der Walderhalt spielt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Die üppige Pflanzenwelt im Regenwald hat einen grossen Einfluss auf die CO²-Bilanz. Die Bäume binden Riesenmengen Kohlendioxid und bremsen so die globale Erwärmung. Die Umweltschutzorganisationen plädieren deshalb dafür, dass Waldnationen wie Brasilien für ihre Bemühungen um den Erhalt ihrer Wälder entschädigt werden. In Kopenhagen, verlangt der WWF, müsse die Grundlage für einen Finanzierungsmechanismus gelegt werden, «bei dem die Industrieländer den grossen Waldnationen helfen, eine wirtschaftliche Entwicklung ohne Waldzerstörung voranzutreiben». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.11.2009, 06:39 Uhr



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