In Kalifornien sollen Scheidungen verboten werden

Nach dem Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen will ein Kalifornier nun Scheidungen verbieten - weil sie die traditionelle Ehe gefährden. Er findet immer mehr Anhänger.

Gegen Scheidungen: Werbe-T-Shirt des Kaliforniers John Marcotte.

Gegen Scheidungen: Werbe-T-Shirt des Kaliforniers John Marcotte.

Vor einem Jahr ist in Kalifornien die Ehe von Schwulen und Lesben durch eine Volksabstimmung wieder abgeschafft worden. Damit wurde ein Entscheid des Obersten Gerichts, das wenige Monate zuvor den Weg für gleichgeschlechtliche Ehen frei gemacht hatte, umgestossen. John Marcotte hat nun den Volksentscheid satirisch weitergedacht. Der Webdesigner aus Sacramento, der auch eine Comedy-Webseite betreibt, fordert, dass Scheidungen in Kalifornien verboten werden sollen.

«Seit Kalifornien entschieden hat, dass die traditionelle Ehe geschützt werden soll, wäre es heuchlerisch von uns, nicht einige Rechte zu opfern, um die traditionelle Ehe noch mehr zu schützen», sagt der 38-Jährige. Der angestrebte «2010 California Marriage Protection Act» (Kalifornisches Eheschutzgesetz 2010) sei die logische Weiterführung des im November 2008 gefallenen Volksentscheids, der gleichgeschlechtliche Ehen verbietet.

Immer mehr Sympathisanten

Der Katholik und Vater von zwei Kindern hat inzwischen eine Webseite aufgeschaltet, die das Scheidungsverbot propagiert. Zu dieser ungewöhnlichen Initiative hat er passende T-Shirts und Slogans entwickelt. Zum Beispiel: «Du sagtest, ‹bis dass der Tod uns scheidet›. Du bist noch nicht tot.» Oder auch: «Jesus liebt dich auch, wenn du dich scheiden lässt – bloss nicht mehr so sehr». Das Bild einer Frau und eines Mannes, die aneinander gekettet sind, ziert das T-Shirt, das Sympathisanten kaufen können. Ihre Zahl nimmt laufend zu. Einer Fan-Gruppe auf Facebook haben sich bereits mehr als 17'000 Personen angeschlossen.

694'354 Unterschriften müssten bis am 22. März 2010 gesammelt werden, damit die Initiative zum Scheidungsverbot zustande kommt und dem kalifornischen Volk zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Marcotte sagt, er meine es wirklich ernst mit seiner Forderung. Er glaubt, bis zu 700'000 Unterschriften zusammenzubekommen. Die Idee ist jedenfalls Thema der politischen Diskussion in Kalifornien geworden, grosse nationale Medien berichten über den «2010 California Marriage Protection Act» des Webdesigners.

Skeptische Traditionalisten

Interessanterweise stösst das Scheidungsverbot bei Traditionalisten nicht nur auf Zustimmung. Weniger Scheidungen seien zwar zu begrüssen, sagt Ron Prentice, Direktor des kalifornischen Familienrats. Scheidungen zu verbieten, sei allerdings nicht praktikabel, erklärt der Mann, der die gleichgeschlechtlichen Ehen bekämpfte. Kein anderer Bundesstaat der USA kenne ein Scheidungsverbot. Nur in wenigen Ländern, etwa den Philippinen und Malta, gebe es ein solches Verbot, sagt Prentice weiter. Die katholische Kirche verbiete zwar Scheidungen, erlaube aber die Annullierung von Ehen. Laut Prentice braucht es in erster Linie Massnahmen, um die Ehen zu stärken.

In den USA liegt die Scheidungsrate bei 47,9 Prozent. Wie hoch die Rate in Kalifornien ist, ist nicht genau bekannt. Seit der «Golden State» mit Finanzproblemen kämpft, wird die Scheidungsrate nicht mehr erhoben. Je nach Quelle liegt sie aber zwischen 50 und 80 Prozent.

(vin)

Erstellt: 02.12.2009, 14:28 Uhr

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