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«In Moskau werden sie sich ärgern»

Aktualisiert am 29.06.2010

Unsichtbare Tinte, falsche Identitäten und Geheimcodes: Auch 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs ist die Spionageabwehr ausreichend beschäftigt.

1/6 Sicherheitskräfte haben ein Anwesen in Yonkers, New York, abgesperrt, wo zwei mutmassliche Agenten verhaftet worden sind.
Bild: Keystone

   

Obama war schon länger im Bild

US-Präsident Barack Obama hat während des Treffens mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew vergangene Woche von dem russischen Agentenring gewusst, der kurz darauf zerschlagen wurde. Das erklärte der Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs, am Dienstag. Die beiden Staatsoberhäupter hätten aber nicht über den Fall gesprochen. Die Festnahme der mutmasslichen Spione werde die Beziehungen zu Russland nicht beeinträchtigen. Zuvor hatte sich die russische Regierung über die Aktion der US-Behörden beschwert.

Das US-Justizministerium hatte am Montag die Festnahme von zehn mutmasslichen Spionen bekanntgegeben. Am Dienstag wurde ein weiterer Verdächtiger in Zypern gefasst. Die Ermittler hätten vollkommen angemessen gehandelt, sagte Gibbs.

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Und die aus den USA gemeldete Zerschlagung eines russischen Agentenrings belegt für Experten, dass die Spionageabwehr auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch lange nicht ausgedient hat.

«In Moskau werden sie sich ärgern», beschreibt der zu den Briten übergelaufene frühere KGB-Oberst Oleg Gordijewski die Reaktion der russischen Geheimdienstler auf die Enttarnung ihrer mutmasslichen Langzeitagenten in den USA.

Ehemalige Regierungsmitarbeiter im Visier

Die russischen Schlapphüte würden vor allem darüber rätseln, wie viele und welche der in den USA gesammelten Informationen von der Bundespolizei FBI stammten und damit für die Auswerter wertlos seien, ergänzt der frühere US-Geheimdienstler Robert Ayers.

Ins Visier der Fahnder gerieten jetzt die von den mutmasslichen Agenten als Quellen angezapften US-Amerikaner. Viele von ihnen seien ehemalige Regierungsmitarbeiter, und es sei unklar, ob das FBI sie darüber informiert habe, dass ihre Gesprächspartner unter Beobachtung gestanden hätten.

Ein Warnschuss?

Den elf in den USA und auf Zypern festgenommenen mutmasslichen Spionen wird der Versuch vorgeworfen, politische Entscheidungsträger als Informanten gewonnen und so Erkenntnisse über die Vereinigten Staaten gesammelt zu haben.

Gemäss Gordijewski hat Russland Dutzende von Agenten in den USA platziert. Über die Jahre sei die Geheimdienstführung in Moskau zu dem Schluss gekommen, dass ihre Spione im Westen nicht aufzuspüren seien. Entsprechend sei die Zahl der Agenten auch in Grossbritannien, Frankreich und Deutschland erhöht worden.

«Das ist jetzt ein Fall, in dem die Amerikaner den Russen sagen, '20 Jahre lang haben wir euer Treiben in unserem Land geduldet und nun lassen wir euch wissen, dass wir euch beobachten und handeln werden, wenn ihr nicht aufhört'», beschreibt der frühere sowjetische Geheimdienstoberst das jüngste Vorgehen der USA.

Eine «Lachnummer»?

Der frühere Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB nannte die Spionage-Vorwürfe aus den USA indes eine politische «Lachnummer». Die Geschichte rufe bei jedem professionellen Geheimdienstler nur Gelächter hervor, sagte Ex-FSB-Chef Nikolai Kowaljow am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Dass insgesamt zehn oder elf «Illegale», wie Spione in russischer Geheimdienstsprache heissen, zusammengearbeitet haben sollen, sei «absoluter Blödsinn».

Der regierungskritische Moskauer Politologe Mark Urnow sprach von einem «beispiellosen Fall mit so vielen Festnahmen auf einmal». Sonst sei es aber nichts Aussergewöhnliches, dass Staaten Geheimdienste einsetzten. «Diesmal hat es eben unsere Agenten erwischt», sagte Urnow. Er glaubt nicht, dass der Skandal den Neustart im Verhältnis zwischen den USA und Russland gefährdet. (jak/sda)

Erstellt: 29.06.2010, 22:00 Uhr

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