«In Port-au-Prince steht praktisch kein Spital mehr»
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 16.01.2010
Rolf Maibach (67) arbeitet seit 14 Jahren regelmässig im albert-Schweitzer-spital in Haiti, seit 2006 als medizihnischer Leiter.
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Herr Maibach, wo sind Sie im Augenblick?
Ich bin in der Dominikanischen Republik. Wir sind kurz vor der Grenze nach Haiti.
Werden Sie nach Deschappelles reisen, wo Ihr Spital steht?
Das weiss ich noch nicht. Ich bin Teil einer Deza-Mission. Wir werden dort eingesetzt, wo die Not am grössten ist. Aber ich werde sicher versuchen, das Spital zu erreichen.
Was wissen Sie über die Zustände im Spital?
Der Betrieb funktioniert. Doch das Spital ist total überfüllt. Seit Donnerstag sind 150, zum teil schwer verletzte Patienten aufgenommen worden. Sie werden auf Pick-ups oder mit Taxis herangefahren. Man muss sie in den Gängen unterbringen und verarzten. Meine Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr und sind am Anschlag. Vor dem Spital sammeln sich Hunderte von Angehörigen.
Verzichtet man darauf, Schwerverletzte zu behandeln, wenn deren Überleben praktisch aussichtslos ist?
Nein, es wird noch keine Kriegschirurgie betrieben. Ich hoffe, dass das so bleibt, auch wenn weiterhin viele Schwerverletzte zu uns gebracht werden. Alle werden behandelt. Unser Spital ist eines der wenigen, das nicht zerstört wurde. Wir können die Patienten nicht weiterschicken. In der Hauptstadt Port-au-Prince steht praktisch kein Spital mehr.
Was benötigt Haiti jetzt besonders?
Zunächst geht es darum, eine minimale Infrastruktur aufzubauen. Nur dann können die Hilfskräfte auch eingesetzt werden. Doch es fehlt an allem.
Was bedeutet das Erdbeben für Haitis Zukunft?
Das ist das schlimmste Erdbeben seit 200 Jahren in der Region. Es ist verheerend für dieses Land. Zahlreiche Infrastrukturen, die man in jahrelanger Arbeit mit ausländischer Hilfe aufgebaut hat, sind zerstört. Haiti wird um Jahrzehnte zurückgeworfen.
Sie selber haben schon manche Naturkatastrophe in Haiti erlebt. Wie gehen Sie damit um, dass es immer wieder Haiti trifft?
Solche Gedanken macht man sich in der gegenwärtigen Lage nicht. Dafür hat man schlicht keine Zeit. Man muss einfach akzeptieren, dass es immer wieder die Ärmsten der Armen trifft. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.01.2010, 12:03 Uhr











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