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In der Haut des «Vertilgers»

Von Laszlo Molnar, Le Matin. Aktualisiert am 02.02.2012 179 Kommentare

Ein GI schreibt mit seinen Memoiren in den USA einen Bestseller. Der Mann ist mit mindestens 160 getöteten Feinden der erfolgreichste Scharfschütze in der Geschichte der Navy Seals.

«Teufel» und «Legende»: Chris Kyle.

«Teufel» und «Legende»: Chris Kyle.

«American Sniper» erschien im HarperCollins-Verlag.

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Der Sniper Chris Kyle hat offiziell 160 Personen erschossen, sogar 255, wenn man die Opfer mitzählt, die seine Vorgesetzten nicht aufführen. Seine Kriegstaten im Dienst von Onkel Sam werden vom Grossteil der amerikanischen Presse begrüsst. Andere Medien hingegen sprechen von einem «Serienmörder» im Dienst der USA.

Er selbst ist stolz auf seine Taten und würde wieder töten, wenn sein Vaterland ihn darum bitten würde, erklärt er zu Beginn von «American Sniper», den Memoiren des Scharfschützen, der offiziell am meisten Feinde in der Geschichte der Vereinigten Staaten getötet hat. Sein Buch wurde während drei Wochen im Handel bereits 200'000-mal verkauft, es zeichnet die Stimmungen dieser «Mordmaschine» nach, wie ihn gewisse Medien nennen.

Der 37-jährige Texaner hatte als Landwirt gearbeitet, bevor er mit 26 Jahren zur amerikanischen Marine kam. Er wurde bei der Spezialeinheit der Navy Seals eingegliedert und stand ab 2003 an der Front im Irak. Er war noch kein offizieller Sniper, als seine Einheit die Stadt Nasiriya absichern sollte, die ein Grossteil der amerikanischen Armee durchqueren musste, um in Bagdad einzufallen.

Sein Vorgesetzter befahl ihm, sich mit dem Scharfschützengewehr seiner Patrouille am Fenster eines dreistöckigen verlassenen Hauses aufzustellen, um die Hauptstrasse der Stadt zu überwachen. «Wie er mir befohlen hatte, beobachtete ich durch das Visier meines Scharfschützengewehrs, was zu meinen Füssen vorging. Aber alles, was ich sah, war eine Frau mit einem Kleinkind und zwei weitere Kinder, die auf der Strasse herumlungerten», schreibt Kyle. Kurz darauf begann das Haus zu zittern. Die amerikanischen Tankwagen waren in die Stadt eingefahren. In diesem Moment hörte er seinen Leutnant schreien:«Die Frau hat eine Granate in der Hand. Schiess!» «Ich zögerte bevor ich meinen Finger an den Abzug legte und abdrückte. Der Schuss ging los und ich sah die Granate zu Boden fallen. Ich schoss noch einmal und die Granate explodierte.»

Wie Kyle diesen Moment erlebte beschreibt er so: «Es war das erste Mal, dass ich jemanden tötete. Ich bedauere nichts. Es war meine Pflicht zu schiessen. Das Leben der amerikanischen Soldaten war eindeutig viel mehr wert als die vom Teufel verdorbene Seele dieser Frau. »

Der «Vertilger»

Seine Erfolge trugen ihm die Übernamen «Teufel» und «Vertilger» in den feindlichen Rängen und «Legende» unter den Seinen ein. Dieser Spitzname wurde ihm verliehen, nachdem er 2007 im Gefecht um Ramadi im Westen Iraks in wenigen Stunden 24 Iraker erschossen hatte. Der Soldat gibt gern zu, dass er Cowboys bewundert und behauptet, er bedauere nichts, «ausser nicht mehr getötet zu haben, denn der Welt geht es viel besser ohne die Wilden, die den Amerikanern das Leben wegnehmen».

Seine Frau sagte dagegen einst, ihr Mann schrecke mitten in der Nacht voller Angst auf, seit er Ende 2010 die Armee verlassen hat. Leidet der Kriegsheld möglicherweise unter posttraumatischer Belastung wegen des Kriegshorrors, den er erlebt hat? Er selbst weist das zurück und erinnert daran, dass er laut der Armee zwar der Beste, aber nicht der Einzige sei. Im Jahr 2005 gab es der Fachpresse zufolge über 3000 Sniper in Irak und Afghanistan.

Übersetzung: Sibylle Bühler Beltran. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2012, 20:32 Uhr

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179 Kommentare

Theo Sprecher

01.02.2012, 21:11 Uhr
Melden 184 Empfehlung

"Die vom Teufel verdorbene Seele dieser Frau..."
Was für eine Formulierung für eine Frau, die offenbar nur ihr Vaterland gegen Besatzungstruppen zu vertiedigen versucht. Kommt es nicht immer darauf an, auf welcher Seite der Front man steht? Ein Soldat sollte dies eigentlich verstehen und seine Feinde respektieren, auch wenn er auf sie schiesst.
Antworten


Jutta Maier

02.02.2012, 08:07 Uhr
Melden 72 Empfehlung

Da ist es wieder, das Nazi-Gedankengut des minderwertigen Lebens, nur diesmal in Gestalt eines gutgläubigen Christenmenschen, der sich das Recht ausnimmt, zu entscheiden, wer mehr wert ist. Und wieder wird es blind gefeiert, und wer es kritisiert, wird mundtot gemacht. Diese möchtegern Cowboys widern mich zutiefst an. Antworten



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