In der Not hält der Amerikaner Hühner
Sparen ist angesagt bei den US-Bürgern. Die Wirtschaftslage ist noch immer desolat, viele Menschen verlieren ihren Job. So besuchen sie immer weniger Restaurants, verbringen ihre Ferien zu Hause, verschieben den Kauf des neuen Autos auf später. Und manche halten sogar eigene Hühner im Garten.
In diesen schlechten Zeiten wollen sich die Amerikaner selber versorgen. Finden sie keine neue Stelle mehr, haben sie dank der Hühner immerhin etwas zu beissen. Hühner als Lebensversicherung sozusagen. Auch wenn sich das Aufziehen der Tiere unter dem Strich finanziell nicht lohnt – oder nur dann, wenn die Leute eine riesige Anzahl Hühner besitzen –, gibt es ihnen aber immerhin das Gefühl einer gewissen Eigenständigkeit.
Immer mehr Selbstversorger
Der Trend, eigene Hühner grosszuziehen, macht sich mittlerweile im ganzen Land bemerkbar, vor allem aber in den Städten. Hier ist das Halten von Hühnern ein Teil einer urbanen Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, in der Grossstadt möglichst gesund und umweltbewusst zu leben. Immer mehr Städter pflanzen deshalb auf dem Dach, im Hinterhof oder auf dem Balkon ihr eigenes Gemüse an, stellen selber Honig her und kaufen ausschliesslich Bio-Produkte, die aus der Region kommen.
Die Nachfrage nach jungen Küken ist landesweit so gross, dass Hühnerfarmen mit dem Liefern kaum nachkommen. Es gibt unzählige Bücher und Internetseiten mit Tipps für die Kleinzüchter. Auf www.backyardchickens.com etwa finden Hühnerfreunde Antworten auf Fragen wie: Wo kaufe ich meine Hühner? Wie füttere ich sie? Wie baue ich einen Stall? Und gibt es in meiner Stadt ein Hühner-Gesetz, welches das Halten von Tieren überhaupt erlaubt? In San Francisco etwa sind vier Hühner pro Haushalt zugelassen. In New York dagegen so viele, wie man will, vorausgesetzt, es sind Hennen. Gleiches gilt für Chicago. In Miami dagegen sind Hühner verboten.
Tiere mit Persönlichkeit
Auch Unerfahrenen, die erst Hühner-Freunde werden wollen, helfen die diversen Internetseiten weiter. Die Besitzer in spe erfahren, warum es sich lohnt, die Tiere anzuschaffen. Hühner sind einfach und günstig in der Haltung, heisst es da. Sie legen frische, nahrhafte Eier, bekämpfen Schädlinge. Und sie sind zudem «freundliche Haustiere mit Persönlichkeit».
Ganz so einfach ist es mit den Hühnern indes nicht, wie zahlreiche Einträge in Internetforen bezeugen. Manchmal legen die Tiere aus unerfindlichen Gründen keine Eier mehr. Oder sie fressen diese selber auf, werden krank und sterben gar. Oder sie stören die Nachbarn. Das passiert vor allem dann, wenn sich die Küken, einst süss und im Geschlecht noch undefinierbar, als Hähne entpuppen und morgens dementsprechend viel Lärm machen. Und auch die gackernden Hennen stören manche Nachbarn. Oft landen die Tiere dann im Heim. Oder sehr bald auf dem Teller. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.07.2010, 13:19 Uhr



