Ausland

Kommt das Öl nach Europa?

Von Matthias Meili. Aktualisiert am 29.05.2010

Meeresströmungen und die Hurrikansaison verschlimmern die Situation im Golf von Mexiko. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Umweltkatastrophe.

Der schmierige Film lässt sich nur schwer aufhalten: Öl-Sperre im Golf von Mexiko.

Der schmierige Film lässt sich nur schwer aufhalten: Öl-Sperre im Golf von Mexiko.
Bild: Keystone

Jeden Tag fliessen nach neusten Schätzungen der US-Geologiebehörde USGS bis zu 3400 Tonnen Rohöl aus dem Leck im Golf von Mexiko. Seit dem Sinken der Bohrplattform Deepwater Horizon am 22. April sollen über 36'000 Tonnen ins Wasser gelangt sein. Doch möglicherweise ist nur der kleinste Teil davon an die Oberfläche gelangt.

Wie viel Öl ist unter Wasser?

Laut einer Studie könnten die Ölteppiche nur 2 Prozent der gesamten Menge ausmachen. Allerdings ist es ungleich schwieriger, das Unterwasseröl zu erfassen. Bisher haben Forschungsschiffe zwei riesige Unterwasserölwolken aus kleinsten Öltröpfchen oder auch in Wasser gelösten Kohlenwasserstoffen gefunden. Die Verwendung von Dispersionsmitteln, die das Öl «auflösen», könnte deren Bildung begünstigt haben. Eine grosse Wolke befindet sich unweit der Unglücksstelle, eine zweite näher am Festlandsockel. Diese reicht von knapp unter der Wasseroberfläche bis in 1000 Meter Tiefe, mit den höchsten Konzentrationen an Kohlenwasserstoffen in rund 400 Meter Tiefe. David Hollander, Ozeanograf an der Universität von Südflorida mahnt: «Die Gefahr dieser Unterwasserwolken ist, dass die Ölbestandteile direkt in die Nahrungskette gelangen.» Wohin diese Ölschwaden im Wasser strömen, ist schwer vorauszusehen. Möglich wäre, dass saisonale Kaltwasserströme das Öl an die Oberfläche bringen, wo es vom Golfstrom erfasst werden könnte.

Was bewirkt der Golfstrom?

Bereits vor einer Woche stellten Forscher fest, dass der Ölteppich an der Oberfläche von den Ausläufern des Golfstroms erfasst worden ist. Genauer gesagt, vom sogenannten Loop Current, einer Strömungsschlaufe, die im Uhrzeigersinn gegen das Mississippi-Delta und dann nach Osten Richtung Florida fliesst, wo sie zum Golfstrom wird. Wenn der Ölteppich so in den Golfstrom gelangt, könnte er innerhalb von zwei bis drei Monaten nach Europa gelangen. Das ist allerdings unwahrscheinlich. Der deutsche Meeresforscher Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel hält dieses Szenario für ausgeschlossen.

«Der Golfstrom ist keine Wasserautobahn nach Europa, sondern besteht aus vielen Teilströmen und heftigen Wirbeln.» Dadurch vermischen sich die Ölbestandteile mit dem Wasser, werden unendlich verdünnt, sinken ab, ein grosser Teil wird zudem mikrobiologisch abgebaut. Forscher der Universität von Miami haben mittlerweile festgestellt, dass sich der Loop Current derzeit verändert und gegen Westen tendiert. Die Ölschichten werden dann nicht mehr in Richtung Florida und Golfstrom getrieben, sondern nach Texas und Mexico. Das macht die Sache nicht besser, bewahrt aber die fragilen Korallenriffe in den Florida Keys vor grösseren Schäden.

Was bewirken die Hurrikane?

Die diesjährige Hurrikansaison beginnt bereits nächsten Dienstag. Die Experten vom US-Wetterdienst WSI erwarten im Golf von Mexiko dieses Jahr besonders viele Wirbelstürme. Die Wirkung der Hurrikane ist schwer vorauszusagen. Man weiss jedoch, dass sie die Wassermassen bis in 150 Meter Tiefe durcheinanderwirbeln können. Ölbestandteile, die unter Wasser treiben, gelangen an die Oberfläche und umgekehrt, die giftigen Kohlenwasserstoffe werden überall verteilt. Hurrikane, die sich von Südosten nach Nordwesten bewegen, können den Ölteppich schneller an die Küsten oder ins Mississippi-Delta treiben und die ökologischen Schäden potenzieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2010, 07:19 Uhr


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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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