Kunstmesse Art Basel war Jagdrevier der UBS-Steuerspar-Agenten
Art Basel
Jahrelang hat die UBS amerikanische Kunden vor Ort besucht, obwohl es die SEC-Restriktionen der amerikanischen Börsenaufsicht Banken ohne Vertriebslizenz verbieten, in Amerika Produkte anzubieten oder Kunden zu beraten. Einer der Anlässe für Kundenbesuche war der von der UBS gesponserte Ableger der Kunstmesse Art Basel in Miami Beach.
Ohne die Besuche ging es nicht. Der Untersuchungsbericht des Senatsausschusses zur Steuerflucht zitiert den ehemaligen UBS-Kundenberater Bradley Birkenfeld, Ausflüge «hinaus ins Feld» seien «sehr, sehr wichtig» gewesen, um die Kunden zu beruhigen. «Sonst hätte der Kunde gefragt: Wieso kommen Sie nicht zu mir? Was läuft falsch?»
Die Wachstumsziele der Bank veranlassten die Berater auch dazu, vor Ort neue Kunden zu akquirieren. Mit Visitenkarten bewaffnet, besuchten sie die einschlägigen Partys der Reichen. «Die fragten dich, was du arbeitest, und du sagtest, ich arbeite für eine Schweizer Bank.» Sobald klar war, dass in der Schweiz keine Steuern bezahlt werden müssten, sei den Beratern das Geld nur so zugeflossen.
«Schwäne» statt Millionen. Die Berater reisten in geheimer Mission. Richtlinien der Bank gaben vor, welche Kommunikationsmittel sie zu verwenden hätten, welche Computer und welche Hotels. Sie durften keine Kundenunterlagen mit sich führen und im Gespräch mit Kunden galten spezielle Codes. So zeigen die Anklageunterlagen der Steuerbehörde (IRS), wie statt von Dollar und Euro von «Grünen» und «Orangen» die Rede war. Wollte ein Kunde eine Million, so bestellte er einen «Schwan».
An der Grenze sagten die Berater, sie reisten ferienhalber ein, so auch im Fall der Berater an der Art Basel Miami Beach. Von sechs UBS-Mitarbeitern, deren Einreisedokumente vom Senatsausschuss ausgewertet wurden, deklarierte nur gerade einer seine Reise als geschäftlich. «Die Reisen der Berater entsprachen jedoch den Daten der Art Basel und enthielten den Besuch privater Shows, zu denen man eine Einladung haben musste», heisst es im Bericht der IRS.
Die UBS wusste, dass diese Kundenbesuche heikel waren. Bereits 1999 hatte die New Yorker Rechtsabteilung ihr Basler Büro auf die Risiken hingewiesen: UBS-Mitarbeiter dürften bei Besuchen weder Kunden gewinnen noch Produkte an bestehende verkaufen, heisst es im Memo.
3800 Kundenbesuche. Doch auch vier Jahre später fanden noch zahlreiche Besuche statt, wie aus einem anderen UBS-Dokument hervorgeht. 32 Berater seien durchschnittlich während 30 Tagen in den USA unterwegs gewesen. 3800 Kunden seien besucht worden. Wichtige Berater seien praktisch jeden Monat über den Atlantik geflogen.
Der angeschlagene Ruf der UBS bringt auch die Kunstmesse in Verruf. Offenbar kontrollierten die Behörden zuletzt genau, wie viele UBS-Mitarbeiter noch an die Messe anreisen durften, und bei der letzten Ausgabe im Dezember 2008 waren die Banker gar nicht mehr zugegen. Inzwischen lief das Amtshilfeverfahren wegen Steuerbetrugs, Birkenfeld war verhaftet und der Bank drohte eine Strafanzeige. Offiziell verzichtete die Bank aus Kostengründen auf eine Präsenz in den USA. Man konzentriere sich künftig auf Asien und den arabischen Raum, sagte der Basler UBS-Art-Banker Karl Schweizer der «Bilanz». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.02.2009, 09:31 Uhr












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