Kurz vor der Explosion regnete es schwarzen Dreck
Aktualisiert am 12.05.2010 22 Kommentare
Bildstrecke
Dossiers
Artikel zum Thema
- Transocean mit weniger Umsatz
- Das Imagedesaster von BP
- «BP zahlt? Das ist doch Quatsch!»
- BP fordert 20 Milliarden Dollar Entschädigung
- Ungestillter Durst nach Tiefseeöl
- BP erklärt Konzernkrise für beendet
Stichworte
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Elf Tote: Der Bohrturm Deepwater Horizon kurz nach der Explosion. (Bild: Keystone )
Ein «schwarzer Regen» und ein lautes Getöse von entweichendem Gas sei unmittelbar vor der Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon vorausgegangen. Das bezeugte gestern der Schiffskapitän Alwin Landry vor dem Energieausschuss des US-Senats. Die Anhörung vor dem Senat zur Aufklärung der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko wird heute fortgesetzt werden.
Alwin Landrys Versorgungsschiff Damon Bankston befand sich zum Zeitpunkt der Explosion in unmittelbarer Nähe der Bohrinsel. Landry sagte, das erste Anzeichen der Katastrophe sei eine «dreckige» Bohrflüssigkeit gewesen, die auf sein Schiff fiel. «Wir haben sofort alle Türen in der Steuerkabine geschlossen. Ich ging zur Backbordseite und sah, wie die Flüssigkeit aus der Spitze des Bohrturms spritzte.»
Landry nahm sofort Kontakt zur Deepwater Horizon auf. Dort habe man ihm gesagt, es gebe Probleme und er solle sein Schiff so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen. Sekunden später «blitzte es grün» und der Bohrturm explodierte. Elf Personen wurden dabei getötet. Das Versorgungsschiff hat die Überlebenden aufgelesen, darunter auch den Kapitän der Bohrinsel, Curt Kutcha.
Mit Sandsäcken gegen Ölteppich
Im Kampf gegen die Ölpest haben die Rettungskräfte weitere verzweifelte Versuche zum Schutz der Küsten unternommen. Von Militärhelikoptern aus warfen sie tonnenweise Sandsäcke vor der Küste in den Golf, um den Ölteppich zu stoppen. Im nahe gelegenen Port Fourchon stellten Experten des britischen Ölkonzerns BP (BPAM 5.859 -0.61%) unterdessen eine kleine Stahlglocke fertig, die sie über das Ölleck in 1500 Metern Tiefe stülpen wollen.
Es handelt sich um eine kleinere Version der riesigen Stahlkuppel, mit der die Experten am Wochenende gescheitert waren. BP hofft, dass sich in der kleineren Konstruktion nicht wie in der zunächst eingesetzten Stahlglocke Eiskristalle bilden, die das Abpumpen des Öls verhinderten.
Die Zeit wird knapp
BP arbeitet zudem weiter mit Hochdruck daran, den Ölteppich auf dem Wasser in Schach zu halten. So wurden bis rund 15 kontrollierte Brände zum Abfackeln von Teilen des schmierigen Films gelegt. Ausserdem schoss ein Roboter-Fahrzeug Chemikalien zum Aufbrechen des Öls direkt in das Hauptleck am Meeresboden. Auch das Abschöpfen des Öls auf dem Wasser geht weiter. Dabei wird die Zeit immer knapper: Heftige Winde könnten in den kommenden Tagen Teile des Ölteppichs in Richtung Mississippi-Delta drücken. Bislang waren die Küsten der südlichen Bundesstaaten am Golf vom Ölteppich verschont geblieben.
Ungeachtet der Umweltkatastrophe sieht ein neuer Gesetzentwurf weitere Ölbohrungen vor der US-Küste vor. Allerdings plant die Gesetzesinitiative des demokratischen Senators John Kerry und seines unabhängigen Kollegen Joe Lieberman zusätzliche Schutzmassnahmen, wie US-Medien berichteten. Unter anderem sollen Bundesstaaten ein Vetorecht bei Bohrungen vor ihren Küsten erhalten.
Streit voll entbrannt
Inzwischen ist der Streit über die Schuld an der Katastrophe voll entbrannt. Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen schoben sich am Dienstag die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe. Bei der Anhörung des US-Senats griff der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, den Eigner der Ölplattform Transocean an, von dem BP die Bohrinsel geleast hatte.
In einer für die Senatsanhörung vorbereiteten Stellungnahme, von der AFP eine Kopie erhielt, wirft BP Transocean vor, sie sei für die Sicherungsventile verantwortlich gewesen. Transocean hat seinen Sitz in Zug und ist an der Schweizer Börse kotiert.
Transocean versichert wiederum, der Fehler liege in einer Betonkonstruktion von Öldienstleister Halliburton, die die Ölquelle hätte verschliessen müssen. Auch Vertreter von Halliburton sind zu den Anhörungen geladen. (bru)
Erstellt: 12.05.2010, 10:29 Uhr
WRITE A COMMENT
22 Kommentare
Meine Verschwörungstheorie ist folgende: Die Sowietunion hat sich nur zum Schein aufgelöst. Absichtlich versucht sie unseren Ölnachschub für ihre grosse Invasion zu stören. Sie hat riesige unteridische Hallen gebaut in denen sie tausende Panzer parkiert hat. Am Tag X fahren die heraus Richtung West. Die Sowjetunion wird wieder ausgerufen. Und wir haben kein Öl + keine Armeen mehr um uns zu wehren. Antworten
@PeterGasser und @MichaelMeier: Ich hatte das mit einem zusätzlichen Dreh aus den Medien mitgekriegt: Kaum hatte man mit TransOcean endlich wieder einen Neuzugang an der Schweizer Börse gefeiert und sogleich angekündigt - das die eigentliche Ironie dieses Nebenaspekts - TransOcean noch im Sommer in den SMI aufzunehmen, da flog schon die Plattform in die Luft. Das war alles innert Tagen. Dig it. Antworten
@Jonas Hunziker: 'Die Natur rächt sich?' soll Quark sein? Es wäre gut, wenn es so wäre. Leider fehlt mir die nötige Gelassenheit angesichts diesem Desaster weltweit. Oder können Sie mir glaubhaft beweisen, dass eine Ölbohrung in 1,5 km Tiefe und neu eine in 2,5 km keine Erdbeben verursachen können? Reiner Unsinn und Hirngespinste? Überzeugen Sie mich vom Gegenteil und vielleicht noch andere hier!! Antworten
Was soll dieser Quark zum Thema "Die Natur rächt sich?" Wenn dem so wäre, gäbe es den Menschen schon lange nicht mehr!! Mich würde viel mehr interessieren warum es immer noch erlaubt ist, dass Unternehmen wie BP solche Risikoarbeiten auf "Postfach"-Unternehmen wie TransOcean auslagern dürfen. Wir wissen doch alle, dass Transocean einfach Konkurs gehen wird. Wer zahlt dann? Genau: WIR!! Antworten
Es ist eine der grössten Ölplattform-Katastrophen und wird das äusserst sensible Ökosystem in den Mangrovenwäldern nachhaltig zerstören. Es ist nach den verheerenden Erdbeben anfangs des Jahres 2010 und dem jüngsten Vulkanausbruch in Island nicht mehr zu übersehen, dass die Erde leidet. Die Ignoranz der Mächtigen dieser Welt der Natur gegenüber zeigt Wirkung: die Natur hat Plan B hervor geholt...! Antworten
@MichaelMeier: "...jedesmal das mit der Börse zu erwähnen ist doch sowas von irrelevant, oder nicht?" Mit diesem Einwand scheinen Sie die eigentliche Quintessenz der Thematik, nämlich der heutzutage teuflisch zerstörerischen, verbrecherischen Börsengeschäfte zu übersehen! Oder habe etwa ich Ihren Wink mit dem Zaunpfahl übersehen? Antworten
@HMüller: G E N A U !!! Sie sagen es!!! Solarenergie, und: sämtliche Abwassersysteme in den Häusern, Gemeinden und Metropolen, der Landwirtschaft sowieso, zur Biogas-Gewinnung um-/aufbauen! Fäkalien- und Kompostverwertung... Kreislauf... Das ist doch die natürlichste Form der Energiegewinnung!? Fitness- und Sport-Center an Generatoren-Speiser anschliessen, Generator-Velos in jedes Haus *;) Antworten
Das verantwortliche Trio zeigt sich wenig schuldbewusst, diese wird geschoben: BP-Mann McKay schiebt die Sicherheitserantwortung auf Transocean, die wiederum - so Herr Newmann - schiebt die Verantwortung auf die Betreiber, und Halliburton-Sprecher Tim Probert behauptet, dass seine Leute genau nach Vorschrift gearbeitet haben. Von Schuld keine Spur, ist doch klar, wer die Zeche bezahlen wird ! Antworten
BP fügt der Welt den größten Umweltschaden der Geschichte zu - und die Autofahrer sollen dafür bezahlen. BP gehört dem englischen Königshaus, der City of London und dem Haus Rothschild. Bezahlen wird der Endverbraucher durch Preiserhöhungen an der Zapfsäule: Die Trilateral Commission hat in Dublin eine Verknappung des Rohoels für den Markt beschlossen. Antworten
Hans Weber, da liegt doch das grosse Drama dieser gigantischen Naturkatastrophe, dazu ist es äusserst zweifelhaft ob mit dieser, offenbar unerprobten Glocke, der Ausfluss nur einigermassen gestoppt werden kann. Wetten kann man auch darauf dass sich BP aus der Verantwortung stehlen wird. Antworten
Ich bin sicher, dass alle Verantwortlichen und generell alle Befürworter von Ölbohrungen, noch einen Tag vor der Explosion, 'ihre Hand ins Feuer gelegt hätten' dass mit der fortschrittl. Technologie dem Meer nie und nimmer etwas geschehen kann. Wer dagegen spricht wird als unwissend und ängstlich belächelt. Und doch haben die Kritiker gegenüber den Technofreaks schlussendlich immer Recht behalten. Antworten
Wieso wird jedesmal geschrieben, dass Transocean an der schweizer Börse kotiert ist? Zu erwähnen, dass sie ihren Sitz in Zug haben, finde ich ok - wir können ruhig wissen, was "unsere" Firmen (derer Steuergelder wir schliesslich auch gerne nehmen) so alles anstellen. Aber jedesmal das mit der Börse zu erwähnen ist doch sowas von irrelevant, oder nicht? Antworten
Schon komisch: In den sog. Entwicklungs/Schwellenländern Brasilien/Mexiko wäre eine solche Bohrung ohne zusätzliche Sicherheitsmassnahmen die das unkontrollierte Ausfliessen verhindern sollen gar nie erlaubt gewesen. Nur in den USA ist das gesetzlich nicht vorgeschrieben... Antworten
Anscheinend hat Goldmann Sachs einen Tag vor der Explosion auf der Bohrinsel eine grösser Finanz-Wette "gegen den Golf von Mexico" am Markt plaziert (laut Artikel von Andy Borowitz bei der Huffington Post). Wusste Goldmann Sachs, dass die Plattform explodieren wird? Antworten
Es ist wirklich Zeit, mit der Ausbeutung der Erde aufzuhören. Wenn das so weiter geht, vernichten wir uns selbst. Es gibt andere Lösungen - und das schon seit langem. Und das wird systematisch verhindert - weil Geld die Welt regiert und nicht Menschen, die achtsam sind. Antworten
@ E. Braun: bis in ca. 60 Jahren wird das Öl aufgebraucht sein. Bis dann hat sich die Weltbevölke. mind. verdoppelt. Wenn nicht einmal in der kleinen CH die Bevölk. auf einem Niveau von 6 Mio. gehalten wird, weil immer von nötigem Wirtschaftswachstum usw. gelogen wird, wie wollen Sie die Erdbevölkerung auf 7 Mill. behalten, um diese mit Solarenergie zu versorgen? Versorgung unmöglich für 14 Millia Antworten
Die Erde befindet sich in einem Geburtsprozess. Oel ist das Blut der Erde. Ich denke keiner von jenen die Oel bohren, wäre bereit non stop sich Blut abzapfen zu lassen. Die Sonne stellt gratis Energie für alle zur Verfügung. Zeit für einen Bewusstseinsquantensprung. Die Zeit ist vorbei, wo Regierungen, Finanzinstitute, Private, Firmen auf Kosten und Wohlbefindens aller, Geschäfte tätigen können Antworten







Bernhard Huber
Interessant, dass einige Forenbeiträge im Erdöl nur den Energieträger sehen. Dass aus Erdöl auch Kunststoff, Baumaterialien und vieles mehr hergestellt wird, geht dabei unter. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass wir mit dem "Schwarzen Gold" sparsamer umgehen und auf andere, umweltschonende Arten der Energiegewinnung setzen sollten. Antworten