Südstaatler rufen den Iran um Hilfe
Will von den iranischen Kollegen lernen: Die Krankenschwester Angela Cousin von der Jackson Medical Mall bei einer Sitzung in Greenwood, Mississippi.
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Einst teilten die Bewohner der verarmten Gemeinden des Mississippi-Deltas das gleiche Schicksal wie die Landbevölkerung im Iran. An beiden Orten litten die Menschen unter einer schlechten Gesundheitsversorgung und einer hohen Kindersterblichkeit.
Bis sich die Situation im Iran verbesserte. Seit den 1980ern dienen Gesundheitshäuser der Landbevölkerung als erste Anlaufstelle für eine medizinische Behandlung. Ein System, das nach Ansicht amerikanischer Gesundheitsexperten auch die Lage im Süden der USA verbessern könnte.
Manche misstrauen weissen Ärzten
In den iranischen Gesundheitshäusern arbeiten keine Ärzte, sondern einfache Angestellte, die über eine medizinische Grundausbildung verfügen. Trotzdem ist seit Einführung dieser Anlaufstellen die Kindersterblichkeit von 200 Todesfällen bei 1000 Geburten auf 26 Fälle gesunken. Deshalb will nun eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer aus den USA in den Iran reisen, um herauszufinden, wie das erfolgreiche Gesundheitshaus-System auch in Mississippi angewendet werden kann.
«Warum auch nicht?», fragt Dr. Aaron Shirley, der seit 40 Jahren im Mississippi-Delta arbeitet und das ungewöhnliche Projekt leitet. In der überwiegend von Afro-Amerikanern bewohnten Region ist die Kindersterblichkeitsrate besonders hoch. Drei von zehn Neugeborenen sterben vorzeitig. Etwa 13 Prozent der Bevölkerung leiden an Diabetes. Für die 19'000 Einwohner des Verwaltungssitzes Greenwood gibt es nur ein Krankenhaus.
Auch kulturelle Unterschiede halten die Menschen davon ab, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. So würden einige Afro-Amerikaner weissen Ärzten noch immer misstrauen, sagt Angela Cousin. Die Afro-Amerikanerin arbeitete früher als Krankenschwester und wird auch an der Studienreise in den Iran teilnehmen.
Vertrauen zwischen den Ländern fördern
Das Projekt ist Teil einer Kooperation zwischen der Jackson-State-Universität, der iranischen Shiraz-Universität für Medizin, der Unternehmensberatung «Oxford International Development Group» und der von Shirley gegründeten Hilfsorganisation «Jackson Medical Mall.» Im Oktober 2009 nahmen fünf iranische Ärzte an einer von der «Medical Mall» organisierten Konferenz über Unterschiede in der Gesundheitsversorgung teil. Ausserdem konnten sie sich während ihres Besuchs ein Bild von der Notlage im Mississippi-Delta machen.
«Wir hoffen, dass das Projekt in gewisser Weise zu einer vertrauensvollen Beziehung zwischen unseren Ländern führt,» sagt der an der Jackson-State-Universität lehrende iranisch-amerikanische Professor Mohammed Shahbazi.
Nun gilt es, finanzielle Unterstützung für das Projekt zu bekommen. Die Einführung von Gesundheitshäusern würde pro Jahr 250'000 Dollar kosten, schätzt Shirley. Die Behandlung soll für Patienten kostenlos sein. Das Gesundheitshaus-Personal soll Patienten zum Beispiel Blut abnehmen, Diagnosen zu bestimmten Krankheiten stellen und dann entscheiden können, ob eine Einlieferung in eine Klinik oder in die Notaufnahme nötig ist.
Finanzierung wegen heikler Beziehungen schwierig
Der umtriebige Arzt wandte sich wegen der Finanzierung schon an den US-Kongress. Es sei aber schwierig, für etwas Interesse zu wecken, das mit heiklen Auslandsbeziehungen zu tun habe, erklärt Shirley. «Wir hoffen aber, dass wir schliesslich doch Gehör finden werden.»
Die von James Miller geleitete «Oxford International Development Group» hat schon geprüft, ob die unter US-Präsident Barack Obama verabschiedete Gesundheitsreform auch eine Finanzierung von solchen Projekten ermöglicht. Laut der staatlichen Gesundheitsbehörde ist dies jedoch nicht der Fall, da die Gesundheitshaus-Pläne nicht den formalen Kriterien für eine Finanzierung entsprechen.
Nach Angaben von Miller und Shirley könnten durch eine Umsetzung ihres Projekts Millionen Dollar eingespart werden, weil Kranke nicht zwangsläufig in die Notaufnahme eingeliefert werden müssten. Die in Gesundheitshäusern praktizierte Präventionsmedizin könnte zudem kostspielige Behandlungen chronischer Beschwerden vermeiden helfen. (oku/dapd)
Erstellt: 27.07.2010, 15:38 Uhr












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