Ausland

«Friede sei mit euch!»

Am Hauptsitz der Uno in New York treffen sich die Staatschefs zur Zeit an der Vollversammlung. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live.

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Qadhafi tritt zur Ansprache an. Seine Rede gerät zu einem historischen Rückblick über die Willkür der internationalen Organisationen, die von Supermächten geprägt seien. Der Libyer fordert eine Reform.
Bild: Reuters

   

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Begrüssung:



Schweinegrippe als militärische Waffe:



Die Uno lebt nicht der Präambel nach:



Qadhafi lobt Obama:

18:37: Tatsächlich: «Friede sei mit euch!» Qadhafi beendet seine Rede. Der Präsident der Vollversammlung, Ali Abdussalam Treki, dankt ihm.

Jetzt tritt der Präsident von Uganda auf und schliesst gleich an mit der Forderung einer Reform der Uno. Tagesanzeiger.ch/Newsnet verlässt New York.

18:36: Qadhafi scheint zum Schluss zu kommen: Libyen werde als präsidierendes Land an der vollversammlung dafür sorgen helfen, dass sich die Welt von einem zerschlagenen Planeten zu einer friedlichen Welt entwickle.

18:33: Thema Palästina. Was es in Israel brauche, sei ein arabischer Staat. Die Araber seien keine Feinde der Juden. Sie hätten ihnen eine Heimat gegeben, sich gastrfreundlich gezeigt. «Ihr seid jene, die sie verbrannt haben, ihr seid jene, die sie getötet haben».

18:30: All diese Themen bringe er hiermit auf die Agenda der Vollversammlung.

Die Uno wechselt den Übersetzer aus. Qadhafi spricht seit 90 Minuten.

18:28: Jetzt kommt Qadhafi wieder zum Thema Schweinegrippe, das er bereits zu Anfang seines Auftritts ganz kurz erwähnt hat. Sie sei kreiert worden, damit kapitalistische Firmen mit Impfungen mehr Geld machen können. «Lesen Sie das Grüne Buch – Impfungen sollten nicht Geld kosten.»

18:26: Qadhafi nutzt offenbar seinen Auftritt, um all jene Themen anzusprechen, die er als ungerecht empfindet. Sp sagt er nun, Somali seien keine Piraten, sondern all jene Länder, die die Küste vor Somalia für sich beanspruchen. Dazu gehöre auch Libyen, gibt Qadhafi zu. «Sie sind Piraten geworden, weil wir ihre Ressourcen stehlen.»

18:20: Qadhafi driftet in Verschwürungsgeschichten ab. Die Uno müsse auch untersuchen, warum ein Israeli Lee Harvey umgebracht habe, der John F. Kennedy umgebracht haben soll. Sie müsse auch untersuchen, wer Martin Luther King umgebracht hat.

Die Uno müsse all diese Vergehen gegen andere Staaten untersuchen. Erwähnt Qadhafi nun auch die Schweiz, die keine Rüge für ihr Verhalten gegenüber Hannibal al-Qadhafi erhalten hat?

18:17: «Jeder, der nicht die Wahrheit spricht, ist ein schweigender Teufel.» Die Uno solle nach Frieden streben. Sie müsse alle diese Vorfälle untersuchen.

18:09: Inzwischen spricht Qadhafi seit 69 Minuten. Erlaubt wären nach Uno-Regeln 15 Minuten. Bisher ist niemand eingeschritten.

Qadhafi spricht über die Eingriffe in die Souveränität verschiedener Länder. «Wer hat den Präsidenten des Irak zum Tod verurteilt? Diese Leute tragen eine Maske.»

Die Uno-Vollversammlung müsse untersuchen, warum in Afghanistan Krieg geführt werde. «Überlasst Afghanistan den Afghanen, wenn sie einander bekämpfen wollen, lasst sie. In den USA gab es ebenfalls Bürgerkrieg, und keiner hat sich eingemischt.»

18:04: Qadhafi zählt Kriege auf von Vietnam über Somalia und Irak bis Grenada. «Woher sollen wir wissen, dass die Uno vertrauenswürdig ist?»

«Aha, eine faszinierende Geschichtslektion», bemerkt der Kommentator von CNN. Der Sender blendet weg. Wir bleiben dran.

17:58: «Also, darüber wird abgestimmt: Die Verlegung der Uno.» Als Vorschlag nennt Qadhafi Peking oder Delhi.

«Das ist ein etwas heikler Punkt. Kann ich Ihre Aufmerksamkeit haben? Sie alle kamen her, warum? Sie haben Asien überflogen, Afrika, um herzukommen. Sie sind alle müde, erschöpft. Warum? Sie sollten alle schlafen. Ihre biologischen Uhren sind auf die Nacht eingerichtet. Ich bin um 4 Uhr morgens aufgewacht, vor Tagesanbruch, weil in Libyen 11 Uhr ist. Warum? Weil Amerika Gastgeber der Uno ist. (...) Ich will Amerika von dieser Last befreien, wir wollen Amerika helfen, es sollte nicht diese Last übernehmen müssen. Stellt euch vor, dieses Gebäude hier wird ein Ziel von al-Qaida.

Nach 50 Jahren im Westen solle die Uno verlegt werden in den Osten oder in die Mitte der Welt. Das sei keine Beleidigung der USA, sondern ein Angebot. «Auch darüber werden wir abstimmen, in der Vollversammlung.» An dem neuen Sitz werde niemand solch restriktiven Sicherheitssystem ausgesetzt.

17:46: Jetzt wird es spannend – und historisch einzigartig: Moammar al-Qadhafi schwärmt von Barack Obama. «Unseren Sohn» nennt er ihn jetzt. Er freue sich, dass ein Sohn Afrikas jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika regiere. «Obama ist ein Lichtstrahl im Dunkeln.» Applaus.

Qadhafi gerät ins Schwärmen: «Wir sind glücklich, wenn Obama für immer Präsident sein könnte. Habt ihr seine Rede gehört? Er ist komplett anders als alle Präsidenten vor ihm.» Die anderen hätten Sandstürme und Donner gesandt und vergiftete Rosen für die Kinder, wie in Vietnam.

Die Delegierten der USA schauen sprachlos. Es ist still im Saal.

17:44: Qadhafi leert sein Wasserglas. Viele Stühle sind inzwischen verlassen. Der libysche Revolutionsführer spricht jetzt seit 45 Minuten. Erlaubt wären 15 Minuten.

17:40: Qadhafi hat noch einen Vorschlag für eine Abstimmung: Darüber, dass die ehemaligen Kolonialstaaten entschädigt werden müsse. «Wieso gehen alle jungen Menschen nach Europa? Weil sie ihre wohlverdienten Ressourcen zurückholen wollen.»

Keine Libyer gingen nach Italien, obwohl es so nah liege. Warum? Weil Italien Libyen entschädige für das, was es ihm angetan habe. Italien (die ehemalige Kolonialmacht) habe sich entschuldigt und versprochen, es werde nie mehr so etwas tun. Der italienische Delegierte klatscht nach diesen Worten.

17:31: «Wir stimmen darüber ab, Brüder. Oder wir teilen uns auf, die einen bilden eine wirkliche Vollversammlung mit wahrer Gleichheit, und die anderen können weitermachen wie bisher.» Pause. Blättern. Der Übersetzer hat Mühe, mitzukommen. Doch es geht weiter. Qadhafi spricht jetzt seit 35 Minuten.

17:28: Qadhafi holt Luft. Er ruht sich aus. Vager Applaus, Raunen. Spricht zwei Sätze. Trinkt Wasser. Beginnt nochmal von vorne: «Supermächte haben Interessen, und sie nutzen ihren Sicherheitsratssitz um sie durchzusetzen.» Die Delegationen fangen an, unruhig zu werden. Qadhafi überzieht die Zeit.

17:26 «Vielleicht sollten wir darüber abstimmen?», fragt Qadhafi. Er meint seinen zuvor geäusserten Vorschlag, den Sicherheitsrat abzuschaffen. Die dortige Diktatur der Supermächte sei reiner Terrorismus, nichts als Terrorismus, nicht nur al-Qaida sei Terrorismus. «Wenn Ihr das wollt, bitte, dann werden wir eine Welt voller Krieg haben.»

Qadhafis Rede zielt darauf ab aufzuzeigen, dass die verschiedenen Pole der Welt zu wenig in den Machtgremien der Uno vertreten sind. Dabei erwähnt er nicht nur Afrika und die Arabische Liga, sondern auch Südamerika, die EU, Indonesien, Brasilien und weitere.

17:20: Qadhafi spricht seit Beginn seiner Rede über die unfaire Zusammensetzung des Sicherheitsrats und über das Ungleichgewicht innerhalb der Uno zwischen kleinen und grossen Staaten. Klares Votum jetzt: «Der Sicherheitsrat darf nur noch ein kleines ausführendes Organ sein. Die Macht muss demokratisch bei der Vollversammlung liegen.»

17:16: Italien, Deutschland...«äh, Indonesien, Indien, Pakistan, Philippinen, Japan, Brasilien, Argentinien, Tanzania, Türkei, Iran, Griechenland...» Alle diese Staaten würden im Sicherheitsrat dabei sein wollen. «Was also ist die Lösung?» Der Sicherheitsrat dürfe nicht mehr grösser werden. Stattdessen müsse man demokratisch entscheiden, also die Macht auf die Vollversammlung übertragen.

17:15: «Ich weiss nicht, wie dies übersetzt wird, aber wir sagen: Wenn man mehr Wasser beigibt, wird alles noch schmutziger.» Werden mehr grosse Staaten beitreten, werde alles noch schlimmer. Libyen werde nicht zustimmen, dass zusätzliche Sitze für grosse Staaten geschaffen würden.

17:14: «Wir haben hier mitgemacht, weil wir dachten, wir wären gleich. Aber wie ist es? Ein einziges Land kann mit seinem Veto alles zerstören.» Der Sicherheitsrat sei diktatorisch besetzt worden, mit Ausnahme von China, das gewählt worden sei.

17:11: Qadhafi blättert immer wieder konzentriert in der Charta. «Hier steht nichts darüber drin, dass ein Staat das Recht hat, sich in die Regierung eines anderen Landes einzumischen.» Dabei spiele es keine Rolle, ob diese Regierung sozialistisch oder wie auch immer sei. Das sei rein die Verantwortung der betreffenden Gesellschaft.

17:10: Wenn ein Land, beispielsweise Libyen, ein anderes, beispielsweise Frankreich, angreife, müsse die Uno handeln. Aber 65 brutale Kriege seien geschehen, ohne, dass die Uno eingegriffen habe. «Diese Kriege wurden von den Ländern initiiert, die einen festen Sitz im Sicherheitsrat haben.»

17:06: «Es heisst in der Präambel, alle Staaten, ob gross oder klein, seien gleich. Sind wir gleich? Nein, sind wir nicht.» «Wir», sagt Qadhafi, und es wird nicht klar, ob er für Libyen, die arabische Welt oder für Afrika spricht. Nach eigenen anfänglichen Angaben für Afrika.

Sie hätten keine Repräsentation im Sicherheitsrat, die Kriege würden nicht in ihrem Interesse geführt. Was passiert sei in den letzten Jahren, sei nur im Interesse eines oder drei Länder gewesen. «Diese Kriege alle zusammen waren schlimmer als der Zweite Weltkrieg.» Wenn die Uno nicht nach ihrer eigenen Präambel handle, werde Libyen sich nicht dazu bekennen: «Wir haben keine Angst, wir werden zu niemandem nett sein.»

17:04: Die Siegerstaaten des Zweiten Weltkriegs hätten den Sicherheitsrat gegründet. Libyen sei nicht dabei gewesen – ebenso wie 165 andere Staaten. Die Uno hätte sich eine Charta gegeben – Qadhafi hält das Dokument in die Höhe. Aber die Ausarbeitung der Präambel hätten die Staaten anderen überlassen. «Alles, was danach passiert ist, widersprach der Präambel.» Das komme alles vom Zweiten Weltkrieg her. Pause. Der Übersetzer ist nervös, flüstert Unverständliches.

17:00: Qadhafi ordnet umständlich seine Papiere. «Im Namen der Afrikanischen Union möchte ich Sie willkommen heissen», beginnt Qadhafi. Dies werde ein historisches Treffen werden. Libyen präsidiere diese Union als Vertreter Afrikas und seiner 1000 Königtümer. «Wir begrüssen unseren Sohn Obama», der als Afrikaner erstmals hier für die USA gesprochen habe. Sie seien die Gastgeber, darum begrüsse er Obama.

16:59: Qadhafi hat endlich seinen Platz verlassen, er winkt und legt die Hand aufs Herz.

16:54: Qadhafi sitzt auf seinem Platz, lächelt und plaudert. Um ihn herum diskutieren verschiedene Teilnehmer. Die Organisatoren werden nervös. Nochmals Klopfen. Zweiergruppen unterhalten sich, manche Delegationen haben den Saal verlassen. Am Platz der USA sitzen nach wie vor Vertreter. Die Vertreter von Grossbritannien blicken, so scheint es, genervt.

Qadhafi tritt nach wie vor nicht ans Pult.

16:51: Der Präsident der Generalversammlung ruft die Teilnehmer auf, sich zu setzen. Erst auf Englisch, dann auf Französich. Es herrscht Aufregung. «Bitte, setzen Sie sich.» Klopfen aufs Pult. Die Staatschefs reagieren nicht.

«Nochmals, bitte setzen Sie sich endlich hin!»

16:49: Obama verlässt die Vollversammlung, bevor Qadhafi ans Podium betritt. Dies sei so gewünscht worden, erklärt die Moderatorin, da Obama nicht mit Qadhafi zusammentreffen wolle. Michelle Obama geht mit ihrem Mann.

16:48: «Wir rufen alle Nationen auf, uns zu folgen. Danke.» Heftiger Applaus rundum. Standing Ovations jedoch, wie erwartet, gibt es nicht.

16:42: Obama endet langsam, mit motivierenden Sätzen – alle sollten am selben Strick ziehen. Er lobt Meinungsfreiheit, Frauenrechte, Religionsfreiheit. Die Vollversammlung scheint still und gepackt von der Rede des amerikanischen Präsidenten. Gleich spricht Moammar al-Qadhafi.

«Als ein Afroamerikaner werde ich nie vergessen, dass ich hier nicht wäre ohne den unermüdlichen Kampf für mehr Einheit in meinem Land.» Amerika werde immer mit jenen sei, die für ihre Würde kämpfen. «Es gibt Grundprinzipien und Wahrheiten, die universell sind.» Starker Applaus. Obama überzieht seine Zeit.

16:24: Obama nennt vier Säulen, auf denen seiner Meinung nach die Weltpolitik ruhen sollte:

  • Der Verzicht auf eine Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen
  • «Die USA werden sich an diese Abmachung halten.» Wer sich nicht daran halte, müsse bestraft werden. Obama nennt explizit Nordkorea und Iran. «Wenn sie das ignorieren und die Augen vor den Gefahren verschliessen, dann muss die Welt zusammenstehen und klarmachen, dass das internationale Recht kein leeres Versprechen ist.

  • Die Arbeit für Stabilität und Frieden
  • Noch gebe es zu viele Länder, in denen dies nicht gegeben sei. Gewalttätige Terroristen würden nichts als hasserfüllte Ideologien verbreiten. «Wir werden bei unseren Freunden stehen», sagt Obama – er meint damit insbesondere auch die Regierungen in Ländern wie Afghanistan und Pakistan, die gestärkt werden müssten.

    Ein Wort zu Palästina: Die Palästinenser müssten Israels Recht auf eine friedliche Existenz akzeptieren. «Amerika akzeptiert keine Legitimität von israelischen Siedlungen» – heftiger Applaus. Das Ziel sei klar: zwei unabhängige Staaten, die in Frieden leben können. Erneut heftiger Applaus. Er wisse, dass dies schwierig sei. Aber jeder müsse entscheiden, ob es ihm Ernst ist mit dem Willen zum Frieden im Nahen Osten.

    Der Preis für den Krieg werde nicht von den Politikern bezahlt, sondern von dem Mädchen in Israel, das aus Angst vor einer Rakete nicht schlafen könne. Und von dem Jungen in Gaza, der weder Wasser noch ein eigenes Land habe. «Sie sind alle Gottes Kinder.» Er werde nicht aufhören, für den Frieden zu arbeiten.

  • Der Einsatz für den Planeten
  • Die Zeit sei vorbei, in der die USA sich gleichgültig gegenüber der Umweltverschmutzung und dem Klimawandel gegeben habe. Die reichen Nationen, die im 20. Jahrhundert so viel zur Verschmutzung beigetragen hätten, müssten jetzt die führende Rolle übernehmen. «Lasst uns vor dem Treffen in Kopenhagen überlegen, was jeder von uns tun kann, um dem Klimawandel entgegen zu wirken.»

  • Das Engagement für eine weltweite wirtschaftliche Erholung
  • Es gelte, das Finanzsystem zu reformieren, so, dass eine Krise wie die aktuelle künftig vermieden werden könne. Wieder betont Obama, dass die USA bereit seien, hier voranzugehen: Sie hätten in den Kampf gegen HIV/Aids investiert und in die Entwicklung von Polio-Impfungen. Ein wichtiges Votum: «Die entwickelten Länder müssen ihre Märkte öffnen, um den ärmeren Ländern Zugang zu verschaffen.»

16:21: Es sei leicht, hier auf das Podium zu steigen, und anderen die Fehler zuzuschieben. «Jeder kann das tun.» Führungsqualität im 21. Jahrhundert verlange jedoch nach mehr. Weder könne eine Nation sich über alle erheben, noch eine Gruppe von Nationen. Die Aufspaltung zwischen südlichen und nördlichen Ländern sei ebenso unsinnig und irrelevant wie der frühere Graben des Kalten Krieges. «Die Zeit ist gekommen, diese Mauern einzureissen.»

Alle Staaten hätten Rechte, so Obama. Aber alle Staaten hätten auch Verpflichtungen. Das sei der Rahmen, in dem die Welt funktioniere.

16:19: Obama zeigt auch die andere Seite des Bekenntnisses zum Multilateralismus: «Diejenigen, die zuvor den USA vorgeworfen haben, im Alleingang zu handeln, könnten nun nicht zurückstehen und erwarten, dass Amerika alles löst.»

16:15: «Ich habe Folter verbannt, und ich lasse Guantanamo schliessen. Wir werden als Beispiel vorangehen.» Obama erntet Applaus, bereits zum dritten Mal. In der Ära Bush hatten sich die USA in multilateralen Organisationen stark zurückgezogen.

Obama nennt weitere Beispiele: Er habe einen Experten für Frieden im Nahen Osten einberufen, der sowohl Israel, als auch die Palästinenser anhöre. Gemeinsam mit Russland hätten die USA entschieden, in Osteuropa abzurüsten. Die USA investiere in Klima, in Welternährung. «Wir haben unsere Rechnungen bezahlt.»

16:13: Er wisse, dass er grossen Erwartungen gegenüber stehe, beginnt Barack Obama. Er wisse, dass sein Land die Weltgemeinschaft in der Vergangenheit enttäuscht habe. «Aber es ist meine tiefe Überzeugung, dass in diesem Jahr, mehr als je zuvor, die Interessen der Menschen auf der ganzen Welt dieselben sind.» Er sei hier, um ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus abzugeben.

16:10: Während Obama spricht, geht Qadhafi nach wie vor zwischen den Stühlen umher und grüsst.

16:08: Gleich spricht Barack Obama. Treki begrüsst ihn. Er erntet langen Applaus, auch von Michelle Obama, die im Raum sitzt.

16:05: Während Lula spricht, betreten Moammar al-Qadhafi, Barack Obama und Mahmoud Ahmadinejad getrennt das Uno-Gebäude. Qadhafi winkt in die Kamera, reckt die Finger im Victory-Zeichen in die Höhe.

16:02: Ein klares Votum von Brasiliens Präsident: «Wir fordern neue permanente Mitglieder im Sicherheitsrat.

Lula erwähnt den honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya, der in der brasilianischen Botschaft Zuflucht gesucht hat. Er fordert Unterstützung für den Schutz Zelayas. Danach folgen Zahlen, die zeigen sollen, dass Brasilien inzwischen nicht mehr zu den Entwicklungsländern gehört: Es investiere überdurchschnittlich in nachhaltige Energien, in Öko-Landwirtschaft. «Wir wollen eine Weltmacht der grünen Energie werden.»

(Brasilien gehört gemeinsam mit Russland, Indien und China zu den so genannten BRIC-Staaten, die angesichts ihrer Macht und Dynamik nicht zu den Entwicklungsländern gezählt werden können. Insbesondere Indien und Brasilien fordern seit Jahren mehr Mitbestimmung.)

15:58: Ein Wort zu Reformen: «Die Welt kann nicht mit denselben Werten regiert werden wie zu Zeiten Bretton Woods», so Lula. Auch der Sicherheitsrat könne nicht mehr nach denselben Regeln funktionieren. Heute lebten wir in einer multilateralen Welt, in einer multipolaren Welt. «Das könnte die Uno beleben.»

Es wäre gut, wenn auch Kräfte wie der Nahe Osten oder Südamerika im Sicherheitsrat vertreten wären. «Eine reformierte Uno könnte Probleme wie Terrorismus oder Bürgerkriege lösen, ohne in ethnischen Vorurteilen verhaftet zu sein.»

15:53: Thema Wirtschaftskrise: «Die Welt darf nicht arroganten Technokraten» überlassen werden, einer Clique von Neureichen, schimpft Lula da Silva. Die Welt brauche verantwortliche Politiker.

Die Tatsache, dass man viele Finanzfirmen gerettet habe, verleite zu leichtsinnigen Handlungen. So gebe es Regierungen, die Reformen einfach an internationale Gremien abschieben.

Andere Länder jedoch wählten einen anderen Weg – Brasilien beispielsweise: «Wir schützen unser Finanzsystem gegen den Virus der Spekulation.» Der Staat habe sich ausserdem bereit erklärt, dem Währungsfonds IMF Geld zur Verfügung zu stellen. Lula macht ein Votum für Keynesianismus: Brasilien habe sehr früh die Löhne erhöht und investiert, als die Wirtschaft zu schwächeln begonnen habe. «Selbst in Zeiten der Krise, müssen wir Entwicklungsprogramme lancieren.»

15:50 Brasiliens Luiz Inacio Lula da Silva spricht. Er nennt die seiner Meinung nach dringendsten Probleme der Welt: die Wirtschaftskrise, der Mangel an stabilen Demokratien und der Klimawandel. Er spricht in seiner Muttersprache Portugiesisch. Treki hatte in seiner Muttersprache Arabisch gesprochen. Die Voten werden auf Englisch übersetzt.

15:47: Ban Ki-Moon ruft Regeln in Erinnerung: Keine Rede in der Vollversammlung dürfe länger als 15 Minuten sein, und Gratulationen nach Reden seien unerwünscht. Die Redner möchten bitte gleich nach ihrem Votum den Saal verlassen.

15:43: Ein paar Sätze zum heiklen Thema Palästina: «Die Inhaber von Macht, nicht nur Staaten, sondern auch von anderen Organisationen, müssen sich an das internationale Recht halten.» Der Palästina-Konflikt bleibt ungelöst. Die internationale Gemeinschaft müsse verschiedene Akteure zur Verantwortung ziehen. Diesen Satz sagt Treki mehrmals: «Die Menschenrechte müssen eingehalten werden.»

(Treki sagt dies nicht ausdrücklich, doch dieses Votum ist wohl gegen Israel gerichtet, das von arabischen Staaten wiederholt für Menschenrechtsverletzungen in Palästina kritisiert wird.)

15:40: Ein leichter Seitenhieb gegen die USA. Jeder Staat habe Menschenrechtsprobleme. «Rassismus und Fremdenfeindlichkeit müssen überwunden werden.»

15:37 Jetzt folgt das Bekenntnis zu Afrika: «Trotz internationaler Einigkeit und vieler Bekenntnisse sind die Meinungen darüber unterschiedlich, wie Sicherheit erzielt werden kann. Die meisten Einsätze richten sich nach Afrika. Wir brauchen Engagements, die die Wirklichkeit in Afrika besser berücksichtigen.» (Libyen sieht sich gerne als Vertreterin des Kontinents.)

15:29: Treki gibt ein Bekenntnis zur Uno ab: «Wir können diese Probleme nur lösen, wenn die Staaten zusammenarbeiten.» Sie können nur durch ein funktionierendes multinationales System angegangen werden.

Darüber spricht er länger und sagt dann: «Die Uno muss integrativer werden.» Sie müsse die unterschiedlichen Staaten berücksichtigen.

15:26: Treki dankt Ban Ki-Moon für «Unterstützung». Er hoffe, mit ihm zusammen eine Arbeit zu leisten, die besser auf die aktuellen Herausforderungen eingeht.

Die Welt sehe sich verschiedenen Gefahren konfrontiert, so Treki. Als erstes nennt er bezeichnenderweise die Probleme der «Sicherheit»: Bürgerkriege, Massenvernichtungswaffen, Terrorismus und internationale Kriminalität.

15:24: Jetzt spricht Ali Abdussalam Treki, der libysche Präsident der Vollversammlung.

15:13: Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon begrüsst die Staatschefs aus aller Welt. Viele stehen noch in den Gängen, so Venezuelas Präsident Hugo Chavez, der noch Interviews gibt.

Ban spricht über die aktuellen Herausforderungen – Klima, Armut – und über die Anstrengungen, die die Uno unternimmt, um ihnen zu begegnen. Viele Staatschefs scheinen abzuwarten, bis andere ans Rednerpult treten.

Die Welt blickt gebannt auf die 63. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Denn heute sprechen drei Redner, deren Auftritt Ungewöhnliches verspricht.

Um 16 Uhr MEZ tritt erstmals der amerikanische Präsident Barack Obama ans Rednerpult der Uno. Er hat bereits angekündigt, in seiner Rede einen Akzent auf den neuen Willen der USA zu multilateraler Zusammenarbeit zu setzen. «Wir haben uns in Worten und Taten für eine neue Ära des Engagements weltweit eingesetzt», lautet eine der vom Weissen Haus vorab freigegebenen Passagen.

Die Schweiz ist gespannt auf den libyschen Staatschef Moammar al-Qadhafi, der nach Obama und dem brasilianischen Präsidenten spricht. Nachdem Qadhafi angekündigt hatte, vor versammelter Weltgemeinschaft die Auflösung der Schweiz zu fordern, ist man gespannt, ob er die Drohung wahr macht.

Die Worte des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zum iranischen Atomprogramm wiederum sorgen für Aufregung weltweit. Und Deutschland macht sich gemeinsam mit den anderen Vertretern der EU bereit, den Saal allenfalls zu verlassen, falls Ahmadinejad den Holocaust leugnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2009, 18:45 Uhr

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10 Kommentare

markus sennheiser

24.09.2009, 15:19 Uhr
Melden

überaschend wenig kommentare. hatt der Qadhafi doch vieles wahres gesagt ? ist es richtig dass bei so einer versammlung staatsleute den saal verlassen ? ist es nicht arroganz pur wenn ein Obama unmittlebar nach seiner rede den saal verlässt, und demütigend für alle darauf folgenden redner ? wie ernst soll man danach diesen ganzen zirkus wahr nehmen ? Antworten


Daniel Schäffler

23.09.2009, 21:46 Uhr
Melden

Wäre es jetzt nicht DIE Gelegenheit, diesen Schauspieler festzunehmen? Und erst wieder freizulassen, wenn die beiden Schweizer freikommen? Antworten


Peter Engeler

23.09.2009, 20:45 Uhr
Melden

Einzelne Menschen sind echt "oberflächlich" wie es die Kritik an Qadhafi zeigt. Im Rahmen der westlichen "Doppelmoral und Scheinheilligkeit" arbeiten viele der westlichen Staaten munter mit Lybien zusammen. Wollte Präsident Obama dem Qadhafi aus dem Wege gehen, weil er eine Begegnung wegen dem von den USA abgeschossenen Zivilflugzeug mit Hunderten vom Moslempilgern scheute? Schande-welche Heuchler Antworten


Aschi Oiram

23.09.2009, 20:24 Uhr
Melden

Traurig ist, dass einer wie er, soviel Wahres sagen darf, andere sich aber zieren um das Geschäft nicht zu schmälern. Natürlich nehmen die Mächtigen diesen Aufschrei nicht zur Kenntnis. Die Schweiz muss sich weiterhin einsetzen um die Zusammensetzung des Sicherheitsrates zu verbessern. Deiss sollte aber den Vortritt einem Diplomaten überlassen, bei der Besetzung wichtiger UNO-Ämter. Genug gebohrt! Antworten


Tom Kuhn

23.09.2009, 19:40 Uhr
Melden

Der langen Rede kurzer Sinn! Vielleicht sollte Libyen anstatt Öl Libywood-Filme verkaufen. So eine selbstdarstellerische Leistung eines Staatspräsidenten ist vorbildlich für angehende Filmstars. In einem Punkt hat Qadhafi Recht. Es geht um viel Geld, ob Schweinegrippe oder irgendwelche Panikmacherei gegen Terroristen und Co. Es lässt sich besser begründen, wieso die Bevölkerung Geld geben müssen. Antworten


Peter Hinz

23.09.2009, 19:39 Uhr
Melden

Wo Quadhafi recht hat, hat er recht. punkt Antworten


Thomas Müller

23.09.2009, 19:37 Uhr
Melden

Ich finde die ganze Chose schon enorm witzig - da gibt es doch tatsächlich Leute, die den Spassfaktor bei dieser Vollversammlung herabwürdigen. Dieser Qadhafi gehört zur Truppe der Unterhaltungskünstlern und tut sein Bestes. Wir sollten ihm Beifall zollen und dass er etwas zu lange geplaudert hat, wird ihm glücklicherweise auch nicht übelgenommen. Der Inhalt seiner Worte ist nicht relevant. Antworten


Peter Meier

23.09.2009, 19:33 Uhr
Melden

I'm impressed. So viel Courage hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Ich hoffe, das ermutigt auch andere dazu, endlich mal Klartext zu reden. Antworten


Roland Mühlemann

23.09.2009, 19:21 Uhr
Melden

Ich bin keineswegs ein Freund von Ghadaffi, aber in Vielem hat er zweifellos Recht. Antworten


Walter Kuhn

23.09.2009, 19:00 Uhr
Melden

Heute will Merz den Unzurechnungsfähigen selber sprechen. Und ihn zum x-ten Mal um die Freilassung der Scheingeiseln bitten, die als illegale Einwanderer und Schwarzarbeiter in Libyen waren. Wird sich Merz nochmals für die Schweiz entschuldigen? Wofür eigentlich? Dass wir nicht zulassen, dass ein verdorbener Miliardärssohn seine Arbeitnehmer blau schlägt? Antworten



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