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Obama reicht den Evangelikalen die Hand

Von Michael Meier. Aktualisiert am 22.12.2008 21 Kommentare

Der neue US-Präsident wird in Washington mit Bedacht eine Hauskirche auswählen müssen. Sein erster religiöser Entscheid hat die liberalen Christen aufgeschreckt.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes liess sich Barack Obama im August 2008 von Pastor Rick Warren zu sozialpolitischen Themen befragen.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes liess sich Barack Obama im August 2008 von Pastor Rick Warren zu sozialpolitischen Themen befragen. (Bild: Keystone)

Zu Barack Obamas geistlichen Beratern gehörte auch ein schwuler Bischof.

Zu Barack Obamas geistlichen Beratern gehörte auch ein schwuler Bischof. (Bild: Keystone)

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In den religiösen Kreisen von Washington wird heftig darüber spekuliert, in welche Kirchgemeinde Barack Obama dereinst gehen wird. Dutzende Kirchen der Hauptstadt wetteifern um die Gunst der Ersten Familie: Die St. Johns Church am Lafayette Square, die sich schon immer als Kirche der Präsidenten verstanden hat. Oder die Metropolitan Church, welche die Obamas mit ihrer afroamerikanischen Tradition gewinnen will. Auch die liberale Foundry United Methodist Church, in der die Clintons zu beten pflegten, käme in Frage.

Obama, der den Sonntagmorgen seit seinem Wahlsieg angeblich am liebsten im Fitnessstudio verbringt, lässt sich Zeit. Die Wahl der Kirche will gut überlegt sein, wird sie doch als gesellschaftliches Signal für seine religiöse Vorliebe verstanden: Entscheidet er sich für eine afroamerikanische Gemeinde oder für eine gemischt-rassische Kirche? Oder gar für die United Church of Christ, die ihn ebenfalls als Kirchgänger umwirbt?

Zu dieser Megakirche gehört auch die Trinity United Church of Christ in Chicago, in der Obama zwanzig Jahre lang Mitglied war. Fasziniert von den religiösen Wurzeln der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, hatte er in dieser liberalen und mehrheitlich schwarzen Kirche eine Art Bekehrung erlebt. Im Wahlkampf verliess Obama die Gemeinde, weil ihr Pastor, Jeremiah Wright, mit populistischen Äusserungen zu Rassismus und Terrorismus die weisse Mehrheit provozierte.

Einen religiösen Entscheid hat Obama bereits gefällt: Bei der feierlichen Amtseinsetzung am 20. Januar wird der evangelikale Pastor Rick Warren die sogenannte Invocation, die Bitte um den Beistand Gottes, sprechen. Liberale Gläubige sind über die Wahl Warrens verärgert, weil der Gründer der Saddleback-Kirche in Kalifornien gegen Homoehe und Abtreibung kämpft und damit nicht auf Obamas politischer Linie liegt. Kritiker vermuten, dass Obama Warren für die Invocation gewählt hat, um die religiöse Rechte zu besänftigen.

Denn diese zeigt sich seit dem Wahlsieg sehr besorgt, dass Obama dem Land auch einen geistlichen Wandel diktieren könnte. Zu seinen geistlichen Beratern im Wahlkampf gehörte unter anderem Bischof Gene Robinson aus dem Bundesstaat New Hampshire, der als bekennender Homosexueller die anglikanische Kirche zu spalten droht. Gemäss der Londoner «Times» traf sich Obama dreimal mit dem Bischof – frei nach dem Motto: «Erster schwarzer Präsident lässt sich von erstem schwulem Bischof beraten».

Kritische Töne der Katholiken

Die Mehrheit der bibeltreuen Christen bleibt für Barack Obama unerreichbar, weil er sich klar gegen das bundesweite Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe und der Abtreibung ausgesprochen hat und wieder Steuergelder in die embryonale Stammzellenforschung fliessen lassen will. Wenn schon, punktet er bei der jungen Generation der Evangelikalen, die sich auch für Themen wie die globale Erwärmung, Armut und soziale Gerechtigkeit engagieren.

Obamas freiheitliche Haltung in Sachen Lebensschutz hat nach dem Wahlsieg insbesondere katholische Exponenten zu äusserst kritischen Tönen veranlasst. So warnte Kardinal Francis George, der Erzbischof von Chicago und Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Obamas Vision einer geeinten Nation sei eine Illusion, solange die Regierung dazu beitrage, die Zahl der Abtreibungen zu vergrössern.

Der amerikanische Kurienkardinal James Francis Stafford las Obama an einem Vortrag in Washington Ende November regelrecht die Leviten. Der Grosspönitentiar und damit oberste Richter der katholischen Kirche argwöhnte, wohl mit Zustimmung von Papst Benedikt, Amerika habe am 4. November ein «kulturelles Erdbeben» erlebt. Als extremer Verfechter der Kultur des Todes trete Obama «aggressiv, spaltend und apokalyptisch» auf. Die Zukunft Amerikas unter dem neuen Präsidenten verglich der Kardinal mit der «Agonie Jesu im Garten Gethsemane».

liberalen Politikern die Sakramente verwehren

Auf das Thema Schutz des Lebens fixiert, hatte sich die römische Kirche im Wahlkampf auch auf den katholischen Vize Joe Biden eingeschossen. Dessen moderat-liberale Haltung zur Abtreibung sei eines gläubigen Katholiken, der jeden Sonntag zur Messe gehe, nicht würdig. Bis heute rufen verschiedene amerikanische Bischöfe Biden dazu auf, nicht zur Kommunion zu gehen. Das passt zu der seit Jahren geführten Klerikerdebatte, Politikern mit einer liberalen Haltung zur Abtreibung die Sakramente zu verwehren.

Was die geistlichen Berater des Präsidenten anbelangt, wird Obama gezwungenermassen mit einer jahrzehntelangen Tradition brechen. Mehr als fünfzig Jahre lang hatte der Baptistenpastor Billy Graham als Seelsorger der republikanischen, aber auch der demokratischen Präsidenten fungiert. Mit seinen heute 90 Jahren fühlt sich der evangelikale Prediger zu alt und zu schwach für diese Aufgabe, er hatte aber den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, John McCain, empfangen.

Gemäss dem Harvard-Theologen Harvey Cox hat Obama grosse Sympathien für die Pfingstler. Sein Berater im Wahlkampf in religiösen Fragen, Joshua DuBois, war Pfingstler. Die weltweit am schnellsten wachsende Glaubensgemeinschaft der Pfingstler ist in den USA vor allem bei ethnischen Minderheiten, bei den Schwarzen und Hispanics, beliebt. Ende der Sechzigerjahre strömten pfingstliche Missionare aus den USA nach Lateinamerika, um dort ein Gegengewicht zur Befreiungstheologie zu bilden. Jetzt wandern viele lateinamerikanische Pfingstler, politisiert just durch diese linke Theologie, in die Vereinigten Staaten ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.12.2008, 22:12 Uhr

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21 Kommentare

ueli wittwer

22.12.2008, 23:01 Uhr
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es ist doch wirklich egal welche kirche obama besucht. auch wenn er keine kirche besucht ist dies i.o.. der glaube ist etwas persönliches und privates. wenn sich die kirchen um die gunst des zukünftigen us-p. streiten, wird es schwierig zu "glauben" dass diese institutionen etwas anderes als ein simples geschäft sind. gott / jesus stehen dieser kirche keinen cent näher welche obama besucht. Antworten


Samuel Alemann

22.12.2008, 23:57 Uhr
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Meine Güte, man sollte jedem Amerikaner ein Buch von Charles Darwin schenken, um sie endlich mal auf das 21. Jahrhundert einzustellen. Antworten



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