Ausland

Obamas bittere Begegnung mit Bushs kriegerischem Erbe

Aktualisiert am 04.01.2010

Der neue US-Präsident war angetreten, die Welt mit Frieden zu beglücken. Nun ist er dort angelangt, wo auch einst sein Vorgänger stand. Beim «Krieg gegen den Terror». Seine Gegner jubeln.

Übergross drückt das Bild des Helms eines toten Soldaten Obama aufs Gemüt: Der US-Präsident sieht sich an allen Fronten mit dem Terror konfrontiert (hier an der Beerdigung von Opfern beim Amoklauf in Fort Hood).

Übergross drückt das Bild des Helms eines toten Soldaten Obama aufs Gemüt: Der US-Präsident sieht sich an allen Fronten mit dem Terror konfrontiert (hier an der Beerdigung von Opfern beim Amoklauf in Fort Hood).
Bild: Reuters

Zum ersten Mal muss US-Präsident Obama auf einen - wenn auch vereitelten - Terroranschlag gegen sein Land reagieren. Der «Krieg gegen den Terror» seines Vorgängers George W. Bush ist nun sein eigener Krieg geworden.

Erstmals hat Obama dies in seiner jüngsten Radiobotschaft an die Amerikaner beim Namen genannt. Die Nation sei im Krieg gegen ein weit verzweigtes Netzwerk. «Lasst uns die notwendigen Veränderungen bewerkstelligen. Lasst uns darüber diskutieren, wie wir das Land, das wir lieben, am besten schützen können», forderte der Präsident - und steht vor der Frage: wie?

Republikaner fühlen sich bestätigt

Die Republikaner fühlen sich bestätigt und frohlocken. So hat der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney Obama stets dafür kritisiert, dass er den «Krieg gegen den Terror» verleugne und das Land unsicherer mache, indem er Massnahmen der Bush-Regierung mit Blick auf die Menschenrechte rückgängig gemacht hat.

Der Irak-Krieg ist fast beendet. Die Terrorgefahr gemindert hat er nicht. In Afghanistan kämpfen mehr amerikanische Truppen als je zuvor - der Konflikt hat sich über die Grenze nach Pakistan ausgeweitet. Das Terrornetzwerk Al-Kaida haben die Amerikaner dort längst nicht im Griff.

Stattdessen konzentriert sich das Interesse nun wieder auf den Jemen - der Kreis schliesst sich: Im Heimatland seines Vaters hat Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden schon in den 1990er Jahren Unterschlupf gefunden und Pläne gegen den Westen geschmiedet. Viele seiner Kämpfer kommen von dort.

In dem arabischen Land sind die USA bereits mehrfach angegriffen worden. Am 12. Oktober 2000 kamen beim Anschlag auf das Kriegsschiff «USS Cole» im Hafen von Aden 17 Matrosen ums Leben. 16 Menschen starben bei einem Anschlag auf die US-Botschaft dort im September 2008.

Kontakte zu Amokschützen von Fort Hood

Im Jemen fand auch der fanatische US-stämmige Prediger Anwar al-Awlaki eine Zuflucht. Er soll mit dem Amokschützen von Fort Hood, US- Major Nidal Malik Hasan, der im November in der texanischen Militärbasis 13 Soldaten erschoss, einen regen E-Mail-Verkehr gehabt haben. Auch mit dem mutmasslichen Flugzeugterroristen Umar Farouk Abdulmutallab soll der Hassprediger in Verbindung gestanden haben.

Für zahlreiche Experten steht fest: Wäre dem Nigerianer der Anschlag auf die amerikanische Passagiermaschine beim Landeanflug auf Detroit geglückt, wäre Obama um eine offene Intervention in dem instabilen arabischen Land kaum herumgekommen.

Doch ähnlich wie in Pakistan kann es sich Washington mit der dortigen Regierung nicht verscherzen, die wiederum ihr Gesicht vor der arabischen Welt wahren muss. Das heisst: Intervention im Stillen.

US-Militär längst im Land

Nach amerikanischen Medienberichten nimmt das US-Militär beim Kampf der jemenitischen Regierung gegen Aufständische seit längerem eine zentrale Rolle ein: Jüngste Angriffe auf mutmassliche Al-Kaida- Stellungen im Jemen fanden demnach unter Führung der USA statt. Die jemenitische Regierung unterstützte sie dabei lediglich.

Laut dem Sender US-CNN beraten jemenitische und amerikanische Offizielle derzeit, welche Ziele sich für Vergeltungsschläge eignen könnten.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 kreuzen im Rahmen der Operation «Enduring Freedom» modernste amerikanische Aufklärungsschiffe durch den Golf von Aden, um den Transitverkehr von Terroristen und Waffen zwischen dem Jemen und dem mindestens ebenso instabilen Somalia zu unterbinden.

Hier, am Horn von Afrika, hat der Terrorkrieg begonnen: Nach dem Abschuss ihrer «Black Hawk»-Helikopter und den schockierenden Fernsehbildern getöteter und durch die Strassen Mogadischus geschleifter US-Soldaten gelang es den Extremisten 1993, die Amerikaner aus Somalia zu vertreiben.

Hier brüteten sie die verheerenden Anschläge auf die US- Botschaften in Kenya und Tansania 1998 aus.

Kehrtwende bei Guantánamo

Immer wieder gab es seitdem Pläne, die Region ins Visier des Anti- Terrorkampfes zu nehmen. Doch mit der Konzentration auf Irak und Afghanistan blieb dafür keine Kapazität. Nun steht Präsident Obama vor diesem Problem - auch mit Blick auf sein Versprechen, das Gefangenenlager Guantánamo zu schliessen. Dort nämlich sitzen noch zahlreiche Häftlinge aus dem Jemen ein, von denen in naher Zukunft mindestens sechs zurück in ihre Heimat entlassen werden sollen. (cpm/sda)

Erstellt: 04.01.2010, 20:35 Uhr

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