Obamas turbulenter Ferienbeginn
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 30.07.2009
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Barack Obamas Umfragewerte sinken und seine politische Agenda ist ins Stocken geraten – was den republikanischen Gegnern des demokratischen Präsidenten und ihre medialen Hilfstruppen wiederum einigen Auftrieb verschafft. Er mache zu viele Schulden und setze insgesamt zu sehr auf den Staat, werfen sie Obama vor und verweisen dabei unter anderem auf seine Reform des maroden amerikanischen Gesundheitswesens.
Der Trommelwirbel seiner Kontrahenten zeigt inzwischen Wirkung: Statt die Generalüberholung des Gesundheitswesens wie vom Präsidenten erwünscht vor dem Beginn der parlamentarischen Sommerpause Anfang August abzuschliessen, ist ein Votum im Kongress auf den Herbst vertagt worden. Ausserdem hat die Debatte tiefe Gräben in Obamas Demokratischer Partei offenbart – woran der Präsident nicht ganz unschuldig ist: Anstatt den demokratischen Parlamentariern Vorgaben für die Reform zu machen, liess der Präsident den Senatoren und Abgeordnete den Vortritt. Prompt geriet sich der demokratische Haufen in die Haare und wurde die Reform zerredet.
Ein allseits gehegtes Vorurteil bestätigt
Ein weiteres Eigentor schoss der Präsident, als er sich etwas vorschnell in die Debatte um die Festnahme des renommierten Harvard-Professors Henry Louis Gates einmischte. Der schwarze Gelehrte war vor zwei Wochen von einem weissen Polizisten abgeführt worden, nachdem er mit Hilfe eines Taxifahreres versucht hatte, die sperrige Eingangstür zu seinem Haus in Cambridge nahe Boston zu öffnen. Der Vorfall geriet umgehend zu einem Lehrstück über die schwelenden amerikanischen Rassenprobleme: War Gates wegen seiner Hautfarbe verhaftet worden oder hatte sich der Professor ungebührlich aufgeregt und war deshalb festgenommen worden, wie der Polizist James Crowley behauptete?
Statt abzuwarten, bis weitere Details bekannt waren, gab Obama nur Tage nach dem weithin debattierten Vorfall eine Stellungnahme ab: «Dumm gehandelt» habe die Polizei, befand der Präsident – worauf ein Sturm losbrach und Gates’ Festnahme erst recht zu einem brisanten Politikum mutierte: Nicht nur hatte der schwarze Präsident die Partei des gleichfalls schwarzen Professors ergriffen, sondern er hatte überdies einen allseits beliebten weissen Cop abgebürstet und damit das latente Vorurteil mancher Weisser bestätigt, nicht über den Hautfarben zu stehen, sondern im Zweifelsfall stets auf der Seite Afroamerikas.
«Tiefsitzender Hass gegenüber weissen Menschen»
Gegen Abend wird sich Obama heute im Garten des Weissen Hauses mit Gates und dem inzwischen ebenfalls berühmten Polizisten zu einem Bier treffen und versuchen, die leidige Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Die politischen Feinde des Präsidenten aber werden sich damit kaum zufrieden geben: Hier habe ein schwarzer Präsident versucht, einen weissen Polizisten zu «zerstören», giftete der rechte Radio-Talker Rush Limbaugh.
Sein Kollege Glenn Beck vom konservativen TV-Sender Fox gewahrte sogar noch Schlimmeres: Obama habe sich «wieder und wieder als ein Typ zu erkennen gegeben, der gegenüber weissen Menschen und weisser Kultur einen tiefsitzenden Hass empfindet», verunglimpfte Beck den Präsidenten. Der dürfte mittlerweile froh sein, in die Ferien zu gehen und Washington für ein paar Wochen zu verlassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.07.2009, 19:58 Uhr












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