Santorum macht den Weg für Romney frei

Der US-Republikaner Rick Santorum beendet das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Der Kampf um das Weisse Haus ist definitiv lanciert: Mitt Romney und Barack Obama bringen sich in Stellung.

Hatte Mitt Romney zweitweise arg in Bedrängnis gebracht: Rick Santorum, hier an einer Wahlveranstaltung in Pennsylvania. (3. April 2012)

Hatte Mitt Romney zweitweise arg in Bedrängnis gebracht: Rick Santorum, hier an einer Wahlveranstaltung in Pennsylvania. (3. April 2012) Bild: Keystone

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Nach dem Rückzug seines schärfsten Kontrahenten im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner hat der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, mit harschen Angriffen auf Präsident Barack Obama den unbarmherzigen Ton des anstehenden Wahlkampfes vorgegeben. Gestern hatte der frühere Senator Rick Santorum vor Anhängern in seinem Heimatstaat Pennsylvania erklärt, das Rennen sei für ihn nun beendet. Der Kampf gegen Obama aber gehe weiter. «Dieses Spiel ist noch lange nicht vorbei», sagte Santorum. «Wir werden weiter dafür kämpfen, dass Präsident Barack Obama geschlagen wird.»

Romney gratulierte seinem Parteifreund zur bisherigen Kampagne und bezeichnete ihn als einen «tüchtigen und würdigen Wettbewerber». Santorum werde weiter eine wichtige Rolle in der republikanischen Partei und der Politik des Landes spielen, sagte Romney, der aller Voraussicht nach auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner im August offiziell in den Kampf um das Weisse Haus geschickt wird.

Schwache Führungsfigur

Romney beschrieb Obama als schwache Führungsfigur, die sich für Amerikas Grösse entschuldige und einen europäisch geprägten Sozialismus dem freien Unternehmertum vorziehe. «Der richtige Kurs für Amerika ist es, Amerika nicht zu teilen», sagte Romney in Pennsylvania. Obamas Wahlkampf aber drehe sich nur darum, Amerikaner aufzuspüren, um sie anzugreifen und höher zu besteuern.

Obamas Wahlkampfteam bewertete den Rückzug Santorums als wenig überraschend, habe Romney seine Gegner doch mittels einer Lawine von Negativwerbung zermürbt. «Weder er noch seine Verbündeten aus den Interessenverbänden werden sich die Präsidentschaft mit ihren negativen Angriffen erkaufen können», sagte Obamas Wahlkampfleiter Jim Messina. «Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und vertrauen sie ihm.»

Entscheidung im Familienkreis

Santorum betonte in seiner Ansprache am Dienstag, dass er in dem zurückliegenden Jahr weiter gekommen sei, als es irgendjemand für möglich gehalten hätte. «Allen Widrigkeiten zum Trotz haben wir in elf Staaten gewonnen, Millionen Stimmen», sagte er. Romney habe zwar mehr Delegiertenstimmen für sich gewinnen können. Aber «wir haben in einer ganz anderen Art gewonnen. Wir haben die Herzen berührt», sagte Santorum, der gemeinsam mit seiner Familie vor die Kameras trat. Die Entscheidung, sich aus dem Rennen zurückzuziehen, habe er am Wochenende gemeinsam mit seiner Familie getroffen, sage Santorum.

Der Rückzug Santorums erlaubt es Romney, seine Kampagne stärker gegen Amtsinhaber Obama auszurichten. Bereits zu Beginn des innerparteilichen Wahlkampfs hatte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts versucht, seine republikanischen Kontrahenten weitgehend zu ignorieren. Nach den Erfolgen von Santorum und dem ehemaligen Präsidenten des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, bei den Vorwahlen in einigen Staaten attackierte ein zunehmend nervöser Romney aber auch seine parteiinternen Rivalen. Nun könnte er sich als Kandidat präsentieren, der über den Flügelkämpfen innerhalb der republikanischen Partei schwebt.

Obama beschwört Richtungsentscheidung

Obama dürfte nun versuchen, sich als Präsident des ganzes Volkes zu positionieren, dem die Belange der einfachen Leute am Herzen liegen. «Wir müssen uns entscheiden, in welche Richtung sich das Land entwickeln soll», sagte er am Dienstag vor Studenten in Florida. «Wollen wir weiter Leuten wie mir Steuererleichterungen gewähren, die sie nicht brauchen?» Obama wirbt derzeit für die sogenannte Buffett-Regel, nach der Spitzenverdiener höhere Steuern zahlen sollen.

Nach dem Rückzug von Rick Santorum sind Gingrich und Ron Paul weiter im Rennen. Die Wähler hätten immer noch Zeit, eine Alternative zu wählen, hiess es am Dienstag aus den Wahlkampfzentralen von Romneys verbliebenen Kontrahenten. Nun stehe «das letzte Gefecht der Konservativen» bevor, schrieb Gingrich auf Twitter. Aus Pauls Lager hiess es, der texanische Abgeordnete sei «die letzte, echte konservative Alternative». Allerdings könnte beiden Kandidaten finanziell bald die Puste ausgehen. Zuletzt platze in Utah ein Scheck von Gingrich über 500 Dollar, der für die Einschreibung zur Vorwahl fällig geworden war. (rub/fko/bru/sda/dapd)

(Erstellt: 11.04.2012, 00:07 Uhr)

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Der Erzkonservative Rick Santorum setzt seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner aus. (Video: Reuters)

Obama beschwört Richtungsentscheidung

Für die Wahl im Herbst erwartet US-Präsident Barack Obama die wichtigste Richtungsentscheidung für das Land seit fast 50 Jahren. Die Auffassungen der demokratischen und republikanischen Kandidaten dürften so unterschiedlich sein wie seit der Präsidentschaftswahl 1964 nicht mehr, sagte Obama heute bei einer Spendengala im US-Staat Florida.

Damals hatte der Demokrat Lyndon Johnson einen Erdrutschsieg gegen den Republikaner Barry Goldwater erzielt. Johnson stellte seinen Kontrahenten als gefährlichen Extremisten dar, nachdem dieser in seiner Nominierungsrede erklärt hatte: «Bei der Verteidigung der Freiheit ist Extremismus kein Fehler.» Auch Obamas wahrscheinlicher Herausforderer Mitt Romney betont bei Wahlkampfauftritten immer wieder die Bedeutung der Freiheit. (dapd)

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