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Schwere Vorwürfe gegen den Papst

Aktualisiert am 25.03.2010

In einen neu aufgedeckten Fall – ein US-Priester soll laut «New York Times» bis zu 200 gehörlose Jungen missbraucht haben – ist auch der Papst involviert.

Eisernes Schweigen: Papst Benedikt blieb als Kardinal 1996 untätig.

Eisernes Schweigen: Papst Benedikt blieb als Kardinal 1996 untätig.
Bild: Keystone

Auch der damalige Kardinal Joseph Ratzinger und heutige Papst Benedikt XVI. sei untätig geblieben. Dies, obwohl gleich mehrere US-Bischöfe gewarnt hätten, dass die Angelegenheit die Kirche in eine peinliche Lage bringen könne, berichtetet die «New York Times».

Die «New York Times» berief sich dabei auf Dokumente, die sie nach eigenen Angaben von Anwälten erhalten hat, die Kläger gegen das Erzbistum von Milwaukee (US-Staat Wisconsin) vertreten.

Daraus gehe hervor, dass sich Kirchenvertreter zwar mit der Frage auseinandergesetzt hätten, ob der Priester aus seinem Amt entfernt werden solle. Aber der Schutz der Kirche vor einem Skandal habe die höchste Priorität gehabt.

Keine Antwort von Ratzinger

Der Fall dreht sich laut «New York Times» um einen 1998 verstorbenen Priester, der von 1950 bis 1974 in einer bekannten Schule für gehörlose Kinder arbeitete. 1996 habe der damalige Kardinal Ratzinger auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee zu dem Fall nicht geantwortet, so die Zeitung.

Acht Monate später wurde ein geheimes kircheninternes Verfahren eingeleitet, das zur Entfernung des fehlbaren Priesters aus dem Amt hätte führen können. Die Prozedur wurde aber gestoppt, nachdem der Priester beim deutschen Kardinal Ratzinger schriftlich dagegen protestiert habe.

Er argumentierte demnach, er habe bereut, sei krank und der Fall ausserdem gemäss der Kirchenregeln bereits verjährt. In den ihr vorliegenden Unterlagen finde sich keine Antwort Ratzingers, heisst es in der «New York Times».

Insgesamt wurden nach dem Bericht der Zeitung drei hintereinander amtierende Erzbischöfe in Wisconsin über den mutmasslichen sexuellen Missbrauch in Kenntnis gesetzt, jedoch informierte keiner von ihnen die Behörden.

In aller Stille versetzt

Der Priester sei 1974 in aller Stille in eine Diözese im nördlichen Wisconsin versetzt worden. Dort habe er bis zu seinem Tod weiter in Gemeinden, Schulen und - laut einer Klageschrift - im Jugendstrafvollzug Umgang mit Kindern und Jugendlichen gehabt.

Vatikansprecher Federico Lombardi nannte es in der Zeitung einen «tragischen Fall». Der Vatikan habe erst 1996 von den Vorfällen Kenntnis erhalten. Die US-Behörden hätten den Fall untersucht und nicht weiterverfolgt. (jak/sda)

Erstellt: 25.03.2010, 08:25 Uhr

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