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«So wie unser ganzes Land verweichlicht ist»

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump wettert über den Lieblingssport seines Landes. Dahinter steckt Kalkül.

Zu weich: Donald Trump wettert über American Football.

Zu weich: Donald Trump wettert über American Football. Bild: Keystone

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Donald Trump ist so richtig in Fahrt. Nach Beleidigungen gegen Mexikaner («Vergewaltiger») und «fette Frauen» hat sich der schwerreiche Immobilienmogul ein gefährliches Ziel ausgesucht: den American Football.

In einer Wahlkampfveranstaltung in Reno im Nordwesten des Bundesstaates Nevada schimpfte er: «Das ganze Spiel geht den Bach runter. Football ist ein Spiel für Softies geworden, so wie unser ganzes Land verweichlicht ist.» Das Gefährliche daran: Trump legt sich gerade mit Amerikas Lieblingssport an. Und mitten in den Playoffs, keine drei Wochen vor der Superbowl, die am 7. Februar stattfindet, ist der Hype traditionell besonders gross.

Gehirne, so löchrig wie alte Spülschwämme

Es ist auch ein indirekter Angriff auf die neuen Regelungen und insbesondere gegen den aktuellen US-Präsidenten Barack Obama. Dieser bezeichnete American Football jüngst als derart gefährlich, dass er seinen Sohn – vorausgesetzt, er hätte einen – nicht zum Football schicken würde. Dem Beispiel folgen immer mehr Eltern und melden ihre Kids beim Soccer an.

Seit Studien belegt haben, dass der Sport schwere Hirnerkrankungen fördert, ist in Nordamerika eine grosse Diskussion entbrannt. Tacklings, bei denen der Gegner meist mit dem Kopf voran und aus vollem Lauf gestoppt werden soll, können auf Dauer und mit zunehmender Anzahl von oftmals unvermeidbaren Hirnerschütterungen beispielsweise zu Parkinson, Alzheimer oder Hirntumoren führen. Forscher, die einige der geistig verwirrten, debilen oder depressiven NFL-Profis nach ihrem Tod untersuchten, fanden einige Gehirne vor, die so löchrig wie alte Spülschwämme waren.

Dies scheint den republikanischen Präsidentschaftsanwärter nur wenig zu kümmern. Vielmehr beklagt er sich über neue Regeln wie beispielsweise die 15-Yard-Strafe für gefährliche Tacklings. «Das Spiel wird vermasselt. Da krachen mal zwei Köpfe gegeneinander, du denkst ‹Wow, was für ein Tackle!›, und bing, Flagge – Strafe», ätzte Trump. Der 69-Jährige ging noch weiter und schimpfte: «Ohne die brutalen Tacklings wird der Sport langweilig. Wer zur Hölle möchte diese miesen Matchs noch sehen?»

Wer schon wegen Kopfschmerzen beim Football herumjammert...

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn diese Kritik nur beim Sport bleiben würde. Für ihn spiegelt sich die «Verweichlichung» des Nationalsports auch in der Aussenpolitik unter Obama: «Der militärische Abzug aus dem Irak war sehr dumm. Man hätte das Land nicht zurückgeben dürfen, aber ich werde das ändern – versprochen.»

Mit seiner Kritik am American Football untermauert Trump damit seine Gegensätze zu Obama. Dieser sagte einst: «Wir müssen diese Kultur ändern, die uns vorschreibt, den Schmerz einfach zu ignorieren. Eine Gehirnerschütterung zu verhindern, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Wir bleiben trotzdem wettbewerbsfähig.» Für Trump hingegen gilt: Wer schon wegen Kopfschmerzen beim Football herumjammert, kann erst recht nicht erfolgreich in andere Länder einmarschieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.01.2016, 11:25 Uhr)

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