Spass und Schrecken in Haiti

Aktualisiert am 03.02.2010

Bei Facebook sind Bilder aufgetaucht, welche helfende Ärzte in fragwürdiger Pose zeigen. Die Empörung ist gross. Verständnis gibt es aber auch.

1/3 Operieren und Feiern
Ärzte aus Puerto Rico amüsieren sich mit Soldaten der Dominikanischen Republik.
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Grinsende Ärzte, die sich mit Gewehren in der Hand ablichten lassen. Nachdem in Haiti beim Jahrhundert-Erdbeben weit über 100'000 Menschen starben, ist es nicht gerade das, was man von Helfern erwarten würde. Solche und weitere für die Opfer kompromittierende Bilder kursieren derzeit im Internet. Viele tauchen bei Facebook ( 34.03 -10.99%) auf.

Die meisten der Bilder stammen den Berichten zufolge von Ärzten aus Puerto Rico. In vielen Fällen arbeiten diese auf dem Staatsgebiet der Dominikanischen Republik. Und wenn dann auf den Bildern zusätzlich noch die in Haiti so gehassten dominikanischen Soldaten posieren, ist der Skandal perfekt.

Anprangern

Die Reaktion bleibt nicht aus. Nachdem amerikanische Medien darüber berichteten, melden sich Vertreter von Ärztevereinigungen. Sie erwägen eine Untersuchung zu veranlassen, um die fehlbaren Mediziner zu identifizieren und sie allenfalls zu bestrafen.

Auch der Vorsitzende des Senats von Puerto Rico, Thomas Rivera Schatz, äusserte seine Empörung über die Fotos und bezeichnete sie als «roh und gefühllos». Rivera zeigte sich verlegen und teilte mit, dass er die Namen der Beteiligten, ihre Anschrift sowie die Telefonnummern der Presse übergeben werde. Ebenso werde er die Regierung der Dominikanischen Republik über dieses unglaubliche und menschenverachtende Verhalten informieren.

Menschen unter enormem Druck

Allerdings melden sich auch Stimmen, die Verständnis fordern. Eine Ärztin, die bei den Hilfsarbeiten dabei war, zeigt sich zwar betroffen, sagt aber auch, dass ihre Leute «200 Prozent Einsatz» gegeben hätten. Und absolut exzellente Arbeit geleistet. Gemeint hat sie wohl, dass Menschen, die unter enormem Druck arbeiten, irgendwie über ein Ventil Dampf ablassen müssen. Auch in Online-Foren wird die Angelegenheit rege diskutiert. Und nicht wenige Stimmen machen auf diesen Umstand aufmerksam.

Die Bilder erinnern im Entfernten auch an Abu Ghraib, das Folter-Gefängnis im Irak. In beiden Fällen gibt es einen grossen Unterschied zwischen denjenen, die aus überlegener Position einen Auftrag zu erfüllen haben und Menschen, die ebendiesen ausgeliefert sind. Geht der Arzt respektvoll mit dem Patienten um? Verhält sich der Gefängnisaufseher gegenüber dem Insassen moralisch korrekt? Unter extremen Bedingungen scheint es nicht jedem gegeben, sich hier im Griff zu haben. (cpm)

Erstellt: 03.02.2010, 12:06 Uhr

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