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«State of the union» – 4 denkwürdige Reden

Obamas Rede zur Lage der Nation ... na, ja. Viel bewegender war zum Beispiel am 25. Mai 1961 John F. Kennedy, oder Franklin D. Roosevelt 1941.

Ein grosser Präsident der USA, der auch bedeutende Reden hinterlassen hat: Franklin D. Roosevelt (1882–1945).(Bild: Wikimedia)

Ein grosser Präsident der USA, der auch bedeutende Reden hinterlassen hat: Franklin D. Roosevelt (1882–1945).(Bild: Wikimedia)

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In seiner letzten Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Barack Obama den Amerikanern Mut für die Zukunft gemacht. Und er betonte die Grossartigkeit der amerikanischen Nation, wie es sich für eine solche Rede auch gehört. «Alles Gerede von einem wirtschaftlichen Niedergang der USA ist heisse Luft», sagte Obama in der Nacht auf Mittwoch (MEZ). «Amerika ist die stärkste Nation der Welt.» Obama, der Mann des «change», des Wandels, beschwor in seiner letzten grossen Rede als US-Präsident den Optimismus, der für die Amerikaner typisch ist.

Optimismus ist ein Leitmotiv, das viele präsidiale Reden zur Lage der Nation durchzieht. Die State of the Union Message ist nie nur ein Rechenschaftsbericht mit Rück- und Ausblick, sondern auch ein Appell an die Nation, mit Überzeugung und Tatkraft in die Zukunft zu gehen. Schliesslich ist sie auch eine Botschaft an die Welt.

Die Tradition der State of the Union Message geht ins 18. Jahrhundert zurück. Es war der erste US-Präsident, George Washington, der am 8. Januar 1790 erstmals eine Rede zur Lage der Nation hielt. Seither haben viele der bislang 44 US-Präsidenten denkwürdige Reden gehalten. Manche Reden waren visionär und/oder prägend für den Gang der US- und der Weltgeschichte. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat vier herausragende Reden ausgewählt:

Amerika den Amerikanern: James Monroe, US-Präsident von 1817 bis 1825. (Bild: Wikimedia)

Präsident James Monroe verkündete in seiner Rede am 2. Dezember 1823 eine neue aussenpolitische Ära. Die sogenannte Monroe-Doktrin besagte, dass die USA auf jegliche politische und militärische Einmischungen in Europa verzichteten – und dass das auch umgekehrt gelte. Sollte aber ein anderer Staat Kolonialansprüche auf Gebiete der westlichen Hemisphäre haben, würden die USA dies als feindliche Handlung verstehen und auch bekämpfen. Mit westlicher Hemisphäre meinte die Monroe-Doktrin den Doppelkontinent Nord- und Südamerika («Amerika den Amerikanern»). Das Ziel war, Rekolonialisierungsversuche Lateinamerikas durch europäische Mächte zu verhindern. Die Monroe-Doktrin hatte eine aussergewöhnliche Langzeitwirkung bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Präsidenten wie John F. Kennedy und Ronald Reagan beriefen sich auf die Monroe-Doktrin, um gegen eine vermeintliche oder tatsächliche Einflussnahme der Sowjetunion in Lateinamerika vorzugehen.

Vier Freiheiten: Franklin D. Roosevelt, US-Präsident von 1933 bis 1945. (Video: Youtube)

In seiner Rede zur Lage der Nation am 6. Januar 1941 proklamierte Präsident Franklin D. Roosevelt die «vier Freiheiten» («four freedoms»): die Freiheit der Rede, die Freiheit der Religion, die Freiheit von Not und die Freiheit von Furcht. Die vier Freiheiten gingen in die Geschichte der Menschenrechtserklärungen ein, und sie spielten eine Rolle bei der Gründung der Vereinten Nationen vor 71 Jahren. Die State of the Union Message von Roosevelt gilt auch als eine ideelle Grundlage für die spätere Bildung einer Koalition gegen die Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan. Elf Monate nach Roosevelts Rede griffen die Japaner Pearl Harbor an, und die USA traten in den Zweiten Weltkrieg ein. Die Kapitulation von Nazideutschland und die Atombomben auf Japan erlebte Roosevelt nicht mehr, er starb im April 1945.

Vision einer bemannten Mondlandung: John F. Kennedy, US-Präsident von 1961 bis 1963. (Video: Youtube)

Präsident John F. Kennedy hielt am 25. Mai 1961 eine ausserordentliche Rede zur Lage der Nation («Special Message to the Congress on Urgent National Needs»). Dabei verkündete er seine Vision einer bemannten Mondlandung. «Ich glaube, dass sich die Vereinigten Staaten das Ziel setzen sollten, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. (...) Es sollte uns klar sein, dass nicht nur ein Mann zum Mond fliegen wird, sondern unsere ganze Nation.» Nur sechs Wochen vor dieser Rede war der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall geflogen – eine weitere Kränkung und Niederlage für die USA nach dem Sputnik-Schock von 1957. Die USA wollten einem Mondflug der UdSSR unbedingt zuvorkommen. Kennedys kühne Vision wurde – fünf Jahre und acht Monate nach seiner Ermordung – Realität. Am 21. Juli 1969 setzte der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuss auf den Mond.

«Achse des Bösen»: George W. Bush, US-Präsident von 2001 bis 2009. (Video: Youtube)

Am 29. Januar 2002 sprach Präsident George W. Bush zur Lage der Nation. Er tat dies unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington. Bush beschuldigte eine Reihe von Ländern, Terroristen zu unterstützen und nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Den Irak, den Iran und Nordkorea bezeichnete Bush als «Achse des Bösen» («axis of the evil»). Der amerikanische Kriegseinsatz gegen das Taliban-Regime in Afghanistan war bereits in Gang gewesen. Im Kampf gegen die «Achse des Bösen» nahm Bush vor allem den Irak ins Visier, weil Diktator Saddam Hussein angeblich Massenvernichtungswaffen besass und diese gegen die USA einsetzen wollte. Eine «Koalition der Willigen» unter Führung der USA führte ohne UNO-Mandat vom 20. März 2003 bis 1. Mai 2003 einen sogenannten Präventivkrieg gegen den Irak. Die Begründung der militärischen Intervention erwies sich als haltlos. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.01.2016, 20:35 Uhr)

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