Ausland
Steht Kuba vor einer Invasion von US-Touristen?
Von Sandro Benini, Mexico City. Aktualisiert am 07.04.2009 8 Kommentare
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Bisher durften Exilkubaner, die in den USA leben, ihre Familienangehörigen auf der Insel lediglich alle drei Jahre besuchen. Die Massnahme gehörte zum Handelsembargo, das 1964 in Kraft trat und unter George W. Bush massiv verschärft wurde. Der neue Präsident Barack Obama scheint nun entschlossen, die Beziehungen zum ideologischen Erzfeind zu entkrampfen. Künftig ist Kubanoamerikanern eine Reise pro Jahr erlaubt. Beobachter gehen davon aus, dass Obama die Einschränkung bald vollständig aufheben könnte.
Zur Förderung des Tauwetters besuchten in den letzten Tage sieben demokratische Kongressabgeordnete die Insel. Drei unter ihnen empfing Fidel Castro sogar am Dienstag. Ausserdem zirkulieren in Washington zwei Gesetzesvorlagen, um die Reiserestriktionen für alle US-Bürger zu streichen. Denn wer heute als amerikanischer Tourist Kuba bereist, kann nach seiner Rückkehr mit einer Busse von bis zu 50'000 Dollar oder gar Gefängnis bestraft werden. Die wenigen Amerikaner, die sich über das Verbot hinwegsetzen, fliegen die Insel über Mexiko oder Kanada an.
1 Million amerikanischer Touristen
«Die Beziehungen zu Kuba durch Handel und Tourismus zu verbessern, fördert die Demokratie», sagt der demokratische Senator Byron Dorgan. Laut Studien würden schon im ersten Jahr nach der Reiseliberalisierung rund 1 Million amerikanischer Touristen die Insel besuchen – eine Zahl, die in den folgenden Jahren auf bis zu drei Millionen steigen könnte. Derzeit verzeichnet Kuba jährlich etwas mehr als 2 Millionen ausländische Gäste.
Die Möglichkeit einer Touristeninvasion aus den USA weckt bei kubanischen Funktionären gemischte Gefühle. Laut dem historischen Revolutionsführer Armando Hart, der nach Castros Machtergreifung Bildungsminister und später Kulturminister war, käme es zu «einer neuen Phase im ideologischen Kampf zwischen der kubanischen Revolution und dem Imperialismus. Falls eine Welle amerikanischer Touristen über uns hereinbricht, müssen wir kulturell vorbereitet sein.» Weniger dramatisch sieht es die Vizeministerin für Tourismus, MarÃa Elena Pérez: «Wir würden die Besucher aus den USA empfangen wie alle anderen auch. Aber noch hat Barack Obama das Embargo nicht aufgehoben.»
Auch Fidel mischt sich ein
Ob der Tourismus tatsächlich zur Demokratisierung beitragen würde, ist aber fraglich. «Noch nie in der Geschichte hat der Tourismus eine Diktatur besiegt», sagt James Cason, der ehemalige amerikanische Interessenvertreter in Havanna – und weist darauf hin, dass Millionen kanadischer, europäischer und lateinamerikanischer Gäste nichts bewirkten. «Ausserdem können die meisten Amerikaner zu wenig Spanisch, um mit Einheimischen ein politisches Gespräch zu führen.»
In einem seiner regelmässig erscheinenden Zeitungsartikel ging am Montag auch Fidel Castro auf das Thema ein. «Wir brauchen keine Konfrontation mit den USA, um zu überleben – auch wenn einige Dummköpfe das Gegenteil behaupten.» Gemeint sind damit die zahlreichen Kuba-Experten, die davon ausgehen, dass das Handelsembargo dem Máximo LÃder eher genutzt als geschadet hat. Immerhin konnte er es stets als Rechtfertigung für die miserable Versorgungslage der kubanischen Bevölkerung verwenden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.04.2009, 23:18 Uhr
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8 Kommentare
@Andrea, das hast du vermutlich im Internet rausgelesen, aber noch nie gesehen, wie sich es dort leben lässt! Sehe es in Venezuela, wie es ist in einer krassen Diktatur zu leben, und absolut keine Meinungsfreiheit mehr zu haben!! Natürlich ists auch übertrieben, Kuba mit westlichem Gedankengut zu überschwemmen.Zumindest der Clown Chavez wird sich früher oder später selber stürzen..Hoffentlich bald Antworten
Endlich herrscht frischer Wind für die US-Demokratie. Menschen knechten, Embargos gegen irgendwelche ideologischen Feinde aus dem letzten Jahrtausend weiterführen, das gehört hoffentlich in den Museum. Immer einen Feind in jedem sehen, der eine andere Meinung hat, finde ich sowas von fanatisch. Yes we can: Die Schwarz-Weiss Politik muss aufhören. Endlich ein President mit Intelligenz. Congrats! Antworten
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