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USA: Steht der Rassismus vor einem Comeback?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 22.03.2010 18 Kommentare
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Winston Churchill pflegte zu sagen: «Die Amerikaner machen am Schluss immer das Richtige – nachdem sie alles andere ausprobiert haben.» Das hat sich einmal mehr bewahrheitet. Bevor es zum historischen Sieg in der US-Gesundheitsreform gekommen ist, wurde ein Jahr lang gestritten – mit absurden Zügen. Alten Menschen würde einfach der Stecker herausgezogen, wurde da behauptet. Oder junge Frauen würden massenweise auf Staatskosten ihre Kinder abtreiben lassen.
Doch letztlich ging es um etwas, das in den USA noch längst nicht überwunden ist: um Rassismus. «Die endlosen Diskussionen um das Gesundheitswesen sind rassistisch geprägt. Die Schwarzen erhalten alle Vergünstigungen und die Weissen zahlen dafür. Das war das unterschwellige Argument dagegen», sagt etwa Barbara Ehrenreich, die grosse alte Dame des US-Journalismus.
Hysterischer Leitartikel
Die jetzt beschlossene Gesundheitsreform ist nicht der erste Schritt auf dem Weg zum Sozialismus, so wie es das «Wall Street Journal» in einem hysterischen Leitartikel am Wochenende beschwörte. Im Grunde genommen erreicht die Reform ein Ziel, das beispielsweise in der Schweiz längst umgesetzt wurde: Jedermann besitzt eine Krankenkasse und niemand darf wegen einer schweren Krankheit von dieser Versicherung ausgeschlossen oder mit höheren Prämien bestraft werden.
Dass diese Lösung nicht schon längst verwirklicht wurde, beispielsweise mit der Einführung der Sozialgesetze, hing schon immer mit Rassismus zusammen: Weisse Amerikaner wollten nicht mit schwarzen im gleichen Spital behandelt werden. Auch in der Kampagne gegen die Gesundheitsreform waren immer wieder unterschwellig rassistische Töne zu hören. So wurde sie beispielsweise als «gedopte affirmative Aktion» bezeichnet.
Explosives politisches Klima
Vor einem guten Jahr wurde der Wahlsieg von Barack Obama auch als ein Sieg über den Rassismus gefeiert. Zu Recht, aber die Diskussionen um die Gesundheitsreform haben diesen Eindruck wieder stark relativiert. Daran ändert jetzt auch der hauchdünne Sieg der Demokraten bei der Gesundheitsreform nichts. Das politische Klima in den USA bleibt nicht nur explosiv, es wird auch zunehmend rassistischer. Ultraliberale Wirrköpfe wie Glenn Beck von Fox News sind die neuen Stars der rechtskonservativen Szene. Beck sieht hinter jedem Umweltschützer einen gefährlichen Staatsfeind und bezeichnet neuerdings China als neue Gefahr für den Weltfrieden.
In der so genannten Tea Party versammeln sich ultrakonservative Fundamentalisten und Anarchisten zu einer Bewegung der gefährlichen Art. Alle hassen den Staat und sind in der Regel weiss. Im letzten Sommer wurden die Mitglieder der Tea-Party-Bewegung noch als harmlose Spinner belächelt. Inzwischen wird die Bewegung als eine bedeutende Grassroot-Gruppe ernst genommen. Die Radikalisierung der rechten Szene bringt immer bizzarere Blüten an den Tag und lässt einen zweifeln, ob die Amerikaner auch künftig am Schluss wieder das Richtige tun werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.03.2010, 14:24 Uhr
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18 Kommentare
'Die Schwarzen erhalten alle Vergünstigungen und die Weissen zahlen dafür'. Diese Aussage ist zumindest teilweise richtig, aber noch lange kein Grund auf die längst überfällige Gesundheitsreform zu verzichten. Asylbewerber können in der Schweiz auf Staatskosten zum Zahnarzt gehen, während Schweizer mit kleinem Einkommen sich oft keinen Zahnarzt leisten können, das finde ich viel fragwürdiger. Antworten
Nicht zu vergessen ist, dass der Rassismusvorwurf auch missbraucht wird. Wenn etwa jemand aus einem Lokal hinausgewiesen wird, weil er sich daneben benommen hat, muss er dies akzeptieren. Ist er jedoch z.B. dunkelhäutig, kann er ausrufen, das sei Rassismus, worauf gleich eine riesige Sache daraus wird und sich sogenannte Menschenrechtsgruppen und die Medien um den Fall kümmern (schon passiert). Antworten
pardon nicht Stefan Brunner - Severin Brunner. Ich kann Steffen Martens nur recht geben: Die SVP ist extrem rechts und polarisiert gerne zu diesem Thema um Wahlstimmen zu haben... Die Sündenbocktheorien, die keine Probleme lösen, ziehen "das Volk" leider an. Es ist eben einfacher als nach Lösungen zu suchen.... Antworten
Vielen Dank Herr Stefan Brunner, aber das wissen wohl die Meisten hier. Rassismus äussert sich nicht nur in klar erkannbaren Aussagen - sondern auch in nicht immer gleich leicht nachzuweisender Benachteiligung bestimmter "Rassen", die per se keine Rassen sind, Andersfarbiger z.B. Was kaum nachzuweisen ist, ist umso leichter abzustreiten und für die Betroffenen entsprechend schwierig sich zu wehren Antworten
@alle. Beim Rassismus geht es darum, dass verallgemeinernde Aussagen zu Volksgruppen gleicher Hautfarbe bzw. gleicher Herkunft gemacht werden, wie z.B. alle Schwarzen sind faul bzw. alle Asiaten sind geldgierig. Der Rassismus besagt, dass es verschiedene "Rassen" bzw. "Arten" von Mensch gibt, die jeweils ähnliche bzw. dieselben Eigenschaften haben, wie z.B. alle Weissen sind intelligent. Antworten
@ Roman Meier Sie sollten nur über Sachverhalte Meinungen äussern, die Sie auch vollkommen verstehen. Rassismus in O-Dtl. ist eine Folge von zwei diktatorischen Regimes und daraus folgender demokratischer Verkümmerung und einer furchtbaren Wiedervereinigungspolitik, die einige radikalisiert hat. Das hat nichts mit Sozialismus/links zu tun. By the way... die SVP ist extrem rechts, Punkt. Antworten
Typisch! Kaum wird dieses Thema diskutiert, nehmen bestimmte Leute gleich wieder die SVP ins Visier. Dabei sind es doch wohl eher die Linken, die für die Zunahme des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit verantwortlich sind, weil sie ständig Probleme unter den Teppich kehren. Bezeichnend ist, dass im ehemals sozialistischen Ostdeutschland die Fremdenfeindlichkeit viel besser gedieh als im Westen. Antworten
Männer wie Barak Obama (selbstsicher, intelligent, smart, gutaussehend, bei Frauen beliebt usw.) ziehen auch den Arger verwirrter Männer, die "ach so nicht mehr wissen, was sie als Mann denn nun ausmachen soll" auf sich. Es erstaunt absolut nicht, dass gerade jetzt auch der Rassismus zunimmt. Und: Krisenzeiten sind verunsichernde Zeiten. Da zeigen manche ihr wahres Gesicht. Antworten
Die Teaparty definiert sich selbst als Verfassungsanhänger gegen das gewählte staatliche Personal in den höheren Chargen, Staatsidealisten marktliberaler Ausprägung also, die sich nun zum Handlanger der Interessen gegen eine einheitliche Krankenversicherung machen lassen. Mit Staatsfeind soviel zu tun wie ein Katholik für einen Protestanten mit Gottesfeindlichkeit, Herr Löpfe! Antworten
Ich habe jahrelang in den USA gelebt, rassistische Probleme habe ich eher nur im sogenannten "Bible Belt" erlebt. Die Tendenz in der Schweiz jedoch ist viel erschreckender, genau so wie es Frau Märki geschrieben hat. Der Umgangston und die Angstmacherei à la SVP ist politisch und schlussendlich wirtschaftlich extrem gefährlich für die Schweiz. Antworten
"Steht der Rassismus in den USA vor einem Comeback?"... war er denn jemals verschwunden??? Rassismus ist ein menschliches Phänomen und existiert weltweit, in allen Kulturen und Religionen! Die Frage ist lediglich, wie weit lässt eine Gesellschaft diese Tendenz zu! @ Philipp Löpfe: Es klingt so als wäre das ein amerikanisches Problem ; -) Antworten
Was Vorschreiber Mounir erlebt ist leider kein Einzelfall in einer Gesellschaft die den Spruch oft gutheisst, dass man nicht CH werden kann sondern halt ist. Was wenig bekannt ist über die USA ist das Formular ee0-5 wo Angaben zu den Mitarbeitern erhoben werden und dann iVgl gestellt wird zur demagogischen Sollstellung. Oft versuchen US Arbeitgeber diese Infos in den CH zu erheben, mE fragwürdig. Antworten
Radikalisierung in der Politik gibt es auch in der Schweiz immer mehr, will man etwas für die Benachteiligten tun wird man gleich als Sozialist oder als Gutmensch beschimpft, der SVP und ihrem Umgangston in der Ära Blocher sei dank. Schöne Schweiz... Antworten
Ich habe jahrelang in den USA gearbeitet. Die erste Annahme bei einem Vorstellungsgespraech oder wenn man neue Leute kennengelernet hat, war dass ich auch Amerikaner war und wie jedermann dazugehoere. In der Schweiz dagegegen, werde ich rassistisch behandelt, und wegen meinem Namen diskrimineirt, und dies obwohl ich den Schweizer Pass besitze und hier aufgewachsen bin. Waere ne bessere Tagi-Story Antworten


Die Welt in Bildern
Anlonso Mosley
Rassismus hin oder her. Ich habe es letzens versucht den offenen Dialog mit Tea Party Leuten zu suchen. Im Web gibt es dafür genug offene Schnittstellen. Leider ist rationales Argumentieren den meisten Individuen die ich in diesem Zusammenhang gesprochen habe fremd. Zeitweise kam es mir vor als würde ich versuchen ein paar Kleinkindern ihren Lolli unschmackhaft zu machen. Gruss Antworten