Streik zur Unzeit
Aktualisiert am 10.02.2012 1 Kommentar
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Ein Streik von Polizei und Feuerwehr bedroht das weltberühmte Karnevalsfest in Rio de Janeiro. Kurz vor dem Auftakt des weltberühmten Spektakels traten am Freitag Polizisten der Region in den Streik. Damit wollen sie ihrer Forderung nach deutlich besserer Bezahlung Nachdruck verleihen.
Mit dem Arbeitsboykott der Gesetzeshüter steht der geregelte Ablauf oder gar die Durchführung des am 17. Februar beginnenden Karnevals auf der Kippe. Jedes Jahr kommen rund 800'000 Touristen in die Metropole, das bunte Treiben spült rund 500 Millionen Dollar in die Kassen.
Der Feuerwehrmann Laercio Soares sagte am Donnerstagabend jedoch, es werde keine Zivilpolizei und keine Militärpolizei auf den Strassen geben. Demnach wollten die Beamten nur ausrücken, falls Menschenleben in Gefahr sind.
Ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte rief die Menschen in Rio auf, am Freitag nicht auf die Strassen zu gehen, die Kinder nicht zur Schule zu schicken und die Geschäfte geschlossen zu lassen. Durch den Streik könnte die Kriminalitätsrate kurzfristig ansteigen.
Angebot abgelehnt
Die Polizisten des Staates Rio hatten am Donnerstagabend für den Streik votiert. Sie lehnten ein Angebot des Regionalparlaments ab, das der Polizei, dem Gefängnispersonal und den Feuerwehrleuten eine 39-prozentige Lohnerhöhung und eine weitere Steigerung für 2014 zugesichert hätte.
Die Sicherheitskräfte fordern jedoch das Doppelte und machen geltend, dass ihre Gehälter seit Jahrzehnten nicht mit den steigenden Preisen Schritt gehalten hätten. In kaum einem brasilianischen Staat werden Polizisten schlechter bezahlt.
Appell an Verantwortung
Gemeinsam mit den anderen betroffenen Berufsgruppen traten die Polizisten am Freitag in den Ausstand. «Wir wollten nicht streiken», sagte ein Feuerwehrmann. «Wir machen Gouverneur Sergio Cabral dafür verantwortlich.»
Dieser appellierte an die Sicherheitskräfte, ihre Verantwortung wahrzunehmen. «Man kann nicht in so lebenswichtigen Bereichen wie der öffentlichen Sicherheit streiken», sagte er. «Rio de Janeiro hat dies nicht verdient.»
In Salvador, wo das zweitgrösste Karnevalsspektakel Brasiliens über die Bühne geht, hat ein neuntägiger Streik von Polizisten bereits zu einer Zunahme der Gewalt geführt. Nach Angaben der Behörden des Bundesstaats Bahia wurden in Salvador und Umgebung mindestens 120 Morde verübt. Viele Touristen haben ihren Besuch abgesagt.
Brasilien ist zudem 2014 Gastgeber der Fussball- Weltmeisterschaft. Präsidentin Dilma Rousseff warnte die Streikenden, eine mögliche Erhöhung der Kriminalitätsrate sei nicht der richtige Weg, um Forderungen durchzusetzen.
(mrs/sda)
Erstellt: 10.02.2012, 20:40 Uhr
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