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Tausende US-Firmen sollen mit Geheimdiensten kooperieren

Der Überwachungsskandal weitet sich aus: Zahlreiche US-Firmen erleichtern Geheimdiensten angeblich den Zugriff auf Software und Geräte. So soll Microsoft Sicherheitslücken verraten.

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Die Zusammenarbeit zwischen US-Geheimdiensten und US-Unternehmen ist laut einem neuen Medienbericht breiter, als es die bisherigen Enthüllungen vermuten liessen. Tausende Firmen würden die Geheimdienste mit Informationen versorgen und bekämen dafür Zugang zu Spionage-Erkenntnissen, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Die Unternehmen gäben dabei Informationen wie Gerätespezifikationen weiter, um Kundendaten gehe es nicht. Mit solchem Wissen könnten die Geheimdienste zum Beispiel fremde Computer leichter ausspähen.

An diesen Kooperationen beteiligten sich verschiedenste US-Unternehmen wie Hersteller von Software und Geräten, Banken, Anbieter von Satellitenkommunikation und Spezialisten für Internetsicherheit, schrieb Bloomberg am Donnerstag.

Schwachstellen in Software

So liefere der Softwareriese Microsoft Geheimdiensten Informationen über Fehler in seiner Software, bevor die Schwachstellen mit Updates geschlossen wurden. Ein Konzernsprecher sagte Bloomberg, solche Vorabhinweise sollten der Regierung einen Vorsprung für die Risikoeinschätzung geben.

Die Bloomberg-Quellen betonten zugleich, solche Unterstützung durch Microsoft und andere Unternehmen erlaube es den US-Diensten, Schwachstellen in der Software auszunutzen, die an Regierungen anderer Länder verkauft werde.

Als Gegenleistung versorgen die Geheimdienste die Firmen laut dem Bericht unter anderem mit Warnungen und Zugang zu geheimen Informationen. So sollen Firmen vor gefährlichen Internetattacken gewarnt worden sein.

Im Bericht heisst es zudem, dass Google-Gründer Sergey Brin nach einem Hackerangriff auf Google an einer vertraulichen Sitzung teilgenommen habe und dabei unterrichtet worden sei, dass eine Einheit der chinesischen Armee hinter den Angriffen stecke.

Kleine Zahl von Vertrauten

Der Bericht von Bloomberg schildert auch, wie die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und den Geheimdiensten vor sich geht. Demnach sind in jedem Unternehmen nur jeweils ein hochrangiger Unternehmensvertreter sowie soweit nötig technische Angestellte involviert. Dem Unternehmensvertreter werde jeweils schriftlich Immunität vor Schadenersatzklagen zugesichert.

Besonders eng soll die Zusammenarbeit zwischen dem Sicherheitssoftware-Hersteller McAfee und den Behörden sein. Dabei soll es um den Austausch von Informationen über Hackerangriffe gehen, aber auch um Informationen über die Funktionsweise von Netzwerken. (mw/sda)

(Erstellt: 14.06.2013, 09:44 Uhr)

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Ausländische Anbieter nicht betroffen

Die Deutsche Telekom ist in den USA mit ihrer Mobilfunk-Tochter T-Mobile USA einem Medienbericht zufolge vom Daten-Spähprogramm der US-Regierung verschont geblieben. Der US-Geheimdienst NSA habe verhindern wollen, dass ausländische Konzerneigner von dem Überwachungsprogramm erfahren, berichtete die deutsche Online-Ausgabe des «Wall Street Journal» unter Berufung auf gut unterrichtete Personen. Anträge zur Datenüberwachung, welche die US-Regierung bei Gerichten eingereicht habe, seien unter anderem mit dem Codewort «noforn» versehen gewesen - im Geheimdienstjargon kurz für «no foreign» (nicht ausländisch). Auch beim T-Mobile-Konkurrenten Verizon Wireless seien gezielt keine Gesprächsdaten abgegriffen worden, berichtete das «WSJ Deutschland» unter Berufung auf Insider. An Verizon Wireless ist der britische Mobilfunkkonzern Vodafone zu 45 Prozent beteiligt. Die Telekom hält an T-Mobile USA 74 Prozent. (AFP)

Snowden in Grossbritanien unerwünscht

Die britische Regierung hat den NSA-Enthüller Edward Snowden zur unerwünschten Person erklärt. Sollte der 29-Jährige in Grossbritannien landen, werde ihm «mit hoher Wahrscheinlichkeit die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert», heisst es in einem Schreiben des Innenministeriums, das der Nachrichtenagentur AP vorlag. Darin werden internationale Airlines aufgefordert, Snowden nicht nach Grossbritannien zu befördern.

Ein britischer Diplomat bestätigte die Echtheit des Dokuments. Demnach ging der Brief an sämtliche Fluggesellschaften, die Ziele in Grossbritannien anfliegen. Sollten sie Snowden dennoch dorthin befördern, sei ein Bussgeld von 2000 Pfund (rund 2300 Euro) fällig, sagte der Diplomat. Offensichtlich betrachte das Innenministerium in London den Amerikaner als Gefahr für das «Gemeinwohl».

Informant im Überwachungsskandal

Zuletzt veröffentlichten amerikanische und britische Medien mehrere Berichte über Spionageaktionen der US-Geheimdienste. Dabei ging es unter anderem um die geheime Sammlung von Internet- und Telefondaten über Privatpersonen rund um den Globus.

Der ehemalige Geheimdienstler Edward Snowden hatte mit seinen Enthüllungen den Spionage-Skandal ins Rollen gebracht. Er floh in die chinesische Sonderverwaltungsregion Hongkong und hält sich derzeit an einem unbekannten Ort auf. (sda/AP)

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