Trumps bissige Schimpftirade

Eigentlich wollte Trump nur seinen Arbeitsminister vorstellen – dann holte er zu einem denkwürdigen Rundumschlag gegen Medien, Geheimdienste und Kritiker aus.

Findet, er habe «ein Chaos geerbt»: Donald Trump an der Pressekonferenz in Washington DC. (16. Februar 2017) (Bild: Mario Tama/Getty Images)

Findet, er habe «ein Chaos geerbt»: Donald Trump an der Pressekonferenz in Washington DC. (16. Februar 2017) (Bild: Mario Tama/Getty Images)

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Eigentlich hätte der US-Präsident auf der Pressekonferenz nur seinen neuen Arbeitsminister Alexander Acosta vorstellen sollen, doch es wurde ein denkwürdiger, 76-minütiger Auftritt.

Die vergangenen Tage waren turbulent: Gerichte hatten Trumps Einreisebann gestoppt, der Präsident seinen Sicherheitsberater Michael Flynn gefeuert, sein Wunsch-Kandidat für das Arbeitsministerium war in letzter Minute abgesprungen. Vor allem aber drangen ständig neue Interna über Machtkämpfe und problematische Entscheidungsfindungen innerhalb der neuen US-Regierung an die Öffentlichkeit.

«Die Presse ist so unehrlich geworden»: Donald Trump kritisiert die Berichterstattung der Medien an seiner Pressekonferenz. (Video: Tamedia)

Wenn er den Fernseher anmache oder die Zeitung aufschlage, sehe er nur negative Berichte, so Trump. «Doch es ist exakt das Gegenteil. Diese Regierung läuft wie eine gut geölte Maschine, trotz der Tatsache, dass ich mein Kabinett nicht genehmigt bekomme.»

Er habe allerdings «ein Chaos geerbt – im Ausland und daheim», sagte Trump und rechtfertigte damit die Probleme, die es angeblich gar nicht gibt. Jobs und Firmen würden das Land verlassen. Um dem beizukommen, habe er in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit so viel erledigt wie «kein Präsident vor mir, glaube ich».

«Unehrlichkeit ist ausser Kontrolle»

Seine Anhänger wüssten all das, sagte Trump, die Medien wüssten es auch, schrieben es aber nicht, wiederholte der 70-Jährige die bekannte Kritik. «Das Level an Unehrlichkeit ist ausser Kontrolle.» Viele der amerikanischen Reporter würden nicht die Wahrheit erzählen.

Die «angeschlagene New York Times» hätte auf der ersten Seite einen grossen Bericht über die Verwicklungen seiner Regierung mit Russland veröffentlicht. «Es ist ein Witz.» Und, an anderer Stelle: «Die falschen Berichte von den Medien, von euch, die falschen, schlimmen Berichte, erschweren einen Deal mit Russland.»

Umfragen zufolge sind nur 40 Prozent der Amerikaner mit Trumps Amtsführung zufrieden, seine Negativwerte liegen um ein Vielfaches höher als die seiner Vorgänger in dieser Phase seiner Amtszeit. Trumps Auftritt, erzählten seine Berater später, sei seine eigene Idee gewesen. Der Präsident hält es offenbar für angebracht, seine Perspektive höchstpersönlich unter das Volk und vor allem unter die eigenen Anhänger zu bringen, bei denen er weiterhin hohe Anerkennung geniesst.

Trump steht von vielen Seiten in der Kritik, doch zahlreiche Fragen bleiben unbeantwortet. Die Demokraten fordern angesichts der russisch-amerikanischen Verwicklungen eine Untersuchung. Auf die Entlassung seines Sicherheitsberaters Mike Flynn angesprochen, versicherte der US-Präsident, dieser sei eine «gute Person». Flynn habe nicht falsch gehandelt, als er Kontakt mit den Russen aufgenommen habe. Zum Verhängnis sei ihm aber seine Unehrlichkeit geworden.

«Er hat dem Vizepräsidenten der USA nicht die Tatsachen erzählt», sagte Trump. «Und dann hat er sich nicht erinnert. Das war für mich einfach inakzeptabel.» Berichte, dass Mitglieder seines Wahlkampfteams mit russischen Geheimdienst-Mitarbeitern gesprochen hätten, versuchte Trump zu entkräften. «Ich habe nichts mit Russland zu tun», sagte er. Soweit er wisse, gelte dies auch für sein Team.

Die Berichte falsch, die Leaks aber «absolut echt»

Trump kündigte an, dass das Justizministerium die Leaks aus dem Weissen Haus und der Verwaltung genau untersuchen werde. «Wir werden dort bald unsere Leute haben», erklärte er. Die Leaks aus den eigenen Reihen seien «absolut echt» und «kriminell», bestätigte er. Es gebe viele Falschmeldungen, aber die Lecks in der Regierung, die Infos an die Presse weitergebe, seien echt.

Zudem hatte Trump noch eine erstaunliche Ankündigung im Gepäck: Er werde kommende Woche eine neue Version des umstrittenen Einreisebannes erlassen, man habe es mit «schlechten Gerichten und einer schlechten Entscheidung» zu tun gehabt. «Wir werden nächste Woche eine neue Exekutiv-Anordnung ausstellen, die unser Land umfassend schützen wird», sagte Trump.

Doch eigentlich gehe es ihm, dem Präsidenten, nur um eines: Die Partei und das Land wieder zu vereinen. «Das ist sehr, sehr wichtig für mich.»

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 08:47 Uhr

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