.

Trumps blonder Albtraum

Was seinen Konkurrenten nicht gelingt, schafft Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly: Sie demontiert Donald Trump gnadenlos.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt wohl niemanden, den Donald Trump mehr fürchtet als sie: Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly. Er hatte versucht, ihre Hartnäckigkeit bei ihrem ersten Aufeinandertreffen an einer TV-Debatte im letzten Sommer ihrem Menstruationszyklus zuzuschreiben. Dafür wurde er von Konkurrenten, Medien und Frauenverbänden als Sexist beschimpft. Dann blieb er Anfang Jahr einer Debatte fern, weil Kelly moderierte. Trump sei ein Feigling hiess es danach. Nun also betonte Höflichkeit:

«Mr. Trump. Hallo. Wie geht es Ihnen?»

«Schön, hier zu sein. Sie sehen gut aus.»

«Sie ebenfalls.»

Ein Sprichwort besagt: «Eine grössere Klugheit gibt es nicht, als Feinde durch Höflichkeit und Wohltun unter die Schar der Freunde zu versetzen.» Auch damit war ihr nicht beizukommen. Megyn Kelly führte Trump nach der kühlen Begrüssung zum gestrigen Fernsehduell der republikanischen Präsidentschaftskandidaten gnadenlos vor. In einem eingespielten Videoclip zeigte sie nacheinander, wie Trump im bisherigen Wahlkampf zum gleichen Thema unterschiedliche Standpunkte eingenommen hatte.

Widersprüchliche Aussagen: Megyn Kelly führt Trump in der TV-Debatte vor (Quelle: Business Insider).

«Die Leute mögen Sie, weil sie glauben, dass Sie es so sagen, wie es ist», startete Kelly ihre Attacke. «Aber wieder und wieder haben Sie den Wählern etwas gesagt, nur um es Wochen oder sogar Tage später zu widerrufen.» Etwa bei der Präsenz des US-Militärs in Afghanistan, die Trump in einem Interview erst befürwortete, nur um dann im nächsten Interview verlauten zu lassen, er habe nie so etwas gesagt. Oder in Bezug auf syrische Flüchtlinge, die der Immobilienmagnat erst «aus humanitären Gründen» aufnehmen wollte, später aber sagte, das gehe leider nicht, es seien zu viele. Trump wand sich, suchte Ausflüchte – und verlor gegen die entlarvenden Fragen der ausgebildeten Juristin.

«Wir sind die Presse, wir müssen die Kandidaten also auspressen, das ist unsere Arbeit», hat Kelly einmal ihr journalistisches Selbstverständnis in einer Talkshow beschrieben. Die Fox-News-Kommentatorin tut das nicht im gewohnt überdrehten Stil des republikanischen Haussenders. Sondern besonnen, sachbezogen, rhetorisch gewandt. Das brachte ihr auch bei politischen Beobachtern Lob ein.

Niveaulose TV-Debatte: Trump verteidigt seine Mannesehre (Quelle: Youtube/CNN Breaking News).

Im Gegensatz dazu konzentrierten sich die republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestern Abend auf Beleidigungen: Marco Rubio sprach von Trumps kleinen Händen und implizierte, anderen Körperteilen würde es ebenfalls an Volumen mangeln, worauf sich dieser genötigt fühlte, seine Mannesehre zu verteidigen: «Ich garantiere euch, da gibt es kein Problem. Ich garantiere es.» Trump bezeichnete seinerseits den Senator aus Florida als «Klein-Rubio» und den Texaner Cruz als «Lügner-Ted». Die gegenseitigen verbalen Tiefschläge veranlassten schliesslich den vierten Anwärter, Gouverneur John Kasich, sich als «einzigen Erwachsenen» hervorzuheben – sicherlich nicht ganz zu Unrecht.

In der Sache überliessen es Trumps Gegner also der TV-Moderatorin, den Anführer des republikanischen Anwärterfelds mit seinen eigenen Aussagen zu konfrontieren. Und es zeigte sich: Trump verliert gegen Trump. Besonders in Form der klugen Megyn Kelly. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.03.2016, 12:20 Uhr)

Artikel zum Thema

Alle gegen Trump – oder doch nicht?

Video Die Republikaner Cruz, Rubio und Kasich attackierten Donald Trump bei der jüngsten TV-Debatte hart – machten dann allerdings ein überraschendes Eingeständnis. Mehr...

Blond, schön und allen überlegen

Porträt Die amerikanische Fernsehjournalistin Megyn Kelly lässt die Konservativen auf Fox alt aussehen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Werbung

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Bei einer Parade anlässlich die malaysischen Unabhängigkeitstags marschieren Bürger durch Kuala Lumpur und schwenken Nationalflaggen. (29. August 2016)
(Bild: Ahmad Yusni/EPA) Mehr...