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«Tut Busse! Das Ende der Welt ist nah!»
Von Michelle Faul, Ap. Aktualisiert am 18.01.2010 16 Kommentare
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Geistliche interpretieren das Erdbeben als Zeichen, dass sich nach Gottes Wille etwas ändern muss. Was genau, hängt von der Religion ab: Manche Christen meinen, Haiti müsse stärker werden im Glauben. Manche Voodoo-Anhänger dagegen betrachten die Naturkatastrophe als Gottesurteil gegen die Korruption der Elite.
Überall in der zerstörten Hauptstadt versammelten sich am Sonntag verstörte, verzweifelte Menschen zum Gebet. Vor der in Trümmern liegenden Kathedrale predigte Pfarrer Eric Toussaint der Gemeinde, das Beben sei «ein Zeichen Gottes, das uns sagt, wir müssen seine Macht erkennen». Die Haitianer müssten «sich wiederentdecken, um einen neuen Weg zu Gott zu finden». So mancher Anhänger des Voodoo-Kults betrachtet die Zerstörung wichtiger Machtsymbole dagegen als Strafe für die korrupten Politiker, die zuliessen, dass sich die zumeist hellhäutige Führungsschicht bereichert und die schwarze Mehrheit Armut leidet.
Symbole in Trümmern
«Wenn plötzlich, in 15, 20 Sekunden, sämtliche Verkörperungen der Korruption zerstört werden, dann gibt dir das zu denken», meint der haitisch-amerikanische Musiker Richard Morse. Ihm gehört das Hotel Oloffson, das Graham Greene zu seinem Roman «Die Stunde der Komödianten» inspirierte; seine Mutter war Sängerin und eine hochverehrte Voodoo-Priesterin. «Das Justizministerium: platt. Der Nationalpalast: platt. Das Uno-Hauptquartier: platt.» Die bekannte Bronzestatue «Le Maron Inconnu» (Der unbekannte geflohene Sklave) wiederum sei unversehrt geblieben, bemerkt Morse.
Dass jede grössere katholische Kirche der Hauptstadt einschliesslich der Kathedrale zerstört wurde, hält Morse ebenfalls für ein Zeichen: «Wenn es diese ganze Korruption gibt, wer in der Gesellschaft müsste dann die Stimme erheben? Sollte nicht die Kirche den Mund aufmachen?»
Der Grossteil der Haitianer ist katholisch; Protestanten sind in der Minderheit. Doch die auch die meisten Christen praktizieren Voodoo, das wie der Katholizismus Staatsreligion ist.
«Es gibt keinen Gott!»
In dem Chaos nach der Katastrophe sah man am Sonntag einige Menschen mit apokalyptischen Warnungen durch die Hauptstadt ziehen. So stand vor den Trümmern des Nationalpalasts ein Mann und rief: «Tut Busse! Das Ende der Welt ist nah!» Viele Haitianer seien sehr religiös, erklärt Morse. Seine Landsleute hätten vielleicht viel Mangel zu leiden, doch «was spirituelle Stärke angeht, ist Haiti eines der reichsten Länder der Welt».
Manchmal aber scheint das Leid zu gross, um Trost im Glauben zu finden. «Wie konnte Er uns das antun?», weinte Remi Polevard, der seine fünf Kinder unter den Trümmern eines Hauses nahe der Universität begraben weiss. «Es gibt keinen Gott!»
Als am Sonntagabend in der Innenstadt Anwohner begannen, die seit Tagen auf der Strasse verwesenden Leichen zu verbrennen, kam eine Frau im orangefarbenen Kleid vorbei und zog eine Bibel hervor. Sie warf sie in die Flammen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.01.2010, 19:41 Uhr
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16 Kommentare
Interessant, dass es tatsächlich noch Gläubige gibt, die in einem Atemzug Gott die Schuld für die Katastrophe geben ("Strafe Gottes"), um im nächsten Atemzug zu noch mehr Unterwerfung unter diese Gottheit zu predigen. Wenn tatsächlich ein Gott dafür verantwortlich wäre, er dies aus Unzufriedenheit mit dem Verhalten der dortigen Menschen gemacht hätte, wäre dies - Völkermord. Antworten
Die Tragödie kann nicht in Worte gefasst werden. Aber von wo kommt Hilfe? Ist es nicht ausschliesslich von Christlichen und Demokratischen Ländern? Während die Welt versucht den Menschen in Haiti zu helfen, bleibt die Islamische Welt still. Die Pakistani verbrennen lieber Schweizer Flaggen und die Taliban senden Selbstmordattentäter. Matthäus 7 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Antworten
Genau, die religiösen Schwafler haben noch gefehlt. Man muss schliesslich jede Gelegenheit nutzen um sich sein mittelalterliches Weltbild zurecht biegen zu können. Wird der liebende Gott also weiterhin, wie seit hunderten Jahren, mit Vorliebe auf jene einprügeln die ohnehin nichts haben? Prima Taktik immer die Ärmsten mit den grossen Desastern zu bestrafen für die Dekadenz der Reichen. Antworten
Ein Lichtblick, wenn einige Haitianer von Busse vor Gott reden. Das zeigt, dass die Einsicht da ist, dass man sich bisher keinen Deut um die biblischen Richtlinien kümmerte und deshalb nicht Gott anklagen kann. Es wirkt nämlich ungemein heuchlerisch, wenn die Menschheit Gottes Gebote mit Füssen tritt (siehe Betrug, Unmoral, Abtreibung, etc.) und dann denn Heiligen Gott für die Katastrophen anklagt Antworten
Wir sollten nicht erst in die 3. Welt schauen, wenn Naturkastrophen den dort Hungernden den Rest geben. Weltuntergangstheorien sind bei uns Westlern darum so beliebt, weil sie einem die Freiheit geben, die eigene Verantwortungslosigkeit hemmungslos fortzusetzen. Eine baldige Apokalypse gibt uns quasi den Freifahrtschein. Nur, die Erde wird weitergehen und künftige Generationen bezahlen den Preis. Antworten
Dieses Erdbeben war ein Zeichen der Naturgewalten der Erde, da hat Gott, Jesus, Voodoo und dergleichen nichts mit zu tun. Bitte hört im Namen der Vernunft endlich auf mit eurer Gotteslästerung. Und bitte, Frau Hafner, sollte es ihren Gott wirklich geben, er würde sie auf Ewigkeiten in der Hölle schmoren lassen für eine solche Blasphemie! Antworten
Wer Gott wirklich kennt, weiss, dass er seit Jesu Tod und Auferstehung allen seinen Zorn gegen unsere Sünden für immer auf Jesus gelegt hat. Er hat versprochen, so wie nach der Sintflut (Arche Noah), niemehr zornig gegen uns zu sein. Wer diesen lieben Gott &Vater von Herzen sucht, von dem wird er sich finden lassen. Wer jedoch nicht sucht, wird ihn nicht finden & wissen wie & wer er wirklich ist. Antworten
Klar, der Mensch hat sich wie ein Virus gegen die Natur gestellt und zerstört die Natur. ABER einen Gott, den gibt es nicht! Müssen wir deswegen die Menschlichkeit aufgeben? Nein! Auch ohne Gott, (oder wie immer er genannt wird!) müssen wir zu allen Mitmenschen und Geschöpfen der Natur gut und Nachhaltig sein. Die Natur ist stärker als wir, somit müssen wir uns halt anpassen! Antworten
das erdebeben in haiti ist sicher sehr schlimm ich selber habe 2001 ein sehr starkes erdeben miterlebt (el salvador) im gegensatz zu haiti haben die salvadorenos ein paar tage nach dem beben wieder mit dem aufbau angefangen, der haitianer wartet. wie kann ein so schoenes land so tief gesunken sein, dass es weder essens vorraete noch eine einigermassen funktionierende regierung hat. ca ne change pa Antworten
Es ist durchaus verständlich, ja schon logisch, dass eine im Artikel nicht genannte Anzahl Haitianer das Erdbeben auf Gott schiebt. Sehr viele sind arm und wahrscheinlich nie in den Genuss einer schulischen Ausbildung gekommen. Von Evolution und Plattentektonik wissen sie vielleicht nichts. In diesem Fall haben sie kaum eine andere Wahl um sich die Katastrophe zu erklären. Antworten
Wir sind am Ende der Zeit, wir sind in der Zeit der Apokalypse. Das Erdbeben in Haiti, auch wenn es schlimm ist, es ist nur ein kleiner Anfang. Bald werden wir auch hier in Europa solche Katastrophen erleben. Gott liebt uns aber wir sind Rebellen, wir haben ihn verlassen, so der Ruf: tut Busse! das Ende der Welt ist nah!, gilt nicht nur für die Haitianer sondern für uns alle. Antworten


Die Welt in Bildern
Thomas Sievers
Gegen religiöse Phantasien und den i.d.R. daraus resultierenden sinnfreien Forderungen ("Tut Busse") hilft nur Bildung, Bildung, Bildung. Dann erschließt sich auch, dass das Verhalten einiger kohlenstoffbasierter Lebensformen in bestimmten Höhenregionen einzelner aus dem Meer ragender Inseln herzlich wenig Einfluss auf die Plattentektonik hat. Selbst wenn alle gleichzeitig mit dem Fuß auftreten. Antworten