US-Agenten feierten Trinkgelage mit Prostituierten

Während der Vorbereitungen auf den Kolumbien-Besuch von US-Präsident Barack Obama sollen sich Mitglieder des Secret Service und der Armee «schweres Fehlverhalten» geleistet haben.

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Der US-Geheimdienst Secret Service hat zwölf seiner Agenten wegen mutmasslicher Kontakte zu Prostituierten am Rande des Amerika-Gipfels in Kolumbien abberufen. Auch fünf Mitglieder der US-Armee seien in ihre Kasernen zurückbeordert worden. Ihnen werde «schweres Fehlverhalten» vorgeworfen, erklärte der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, gestern. Der Vorgang werde untersucht.

Die Beamten wurden noch gestern im Hauptquartier des Geheimdienstes in Washington zu den Vorwürfen befragt. Die beschuldigten Männer wurden suspendiert. Ihnen drohen Disziplinarverfahren.

Auch Stabsmitarbeiter der Armee

Auch der Kommandeur des für Mittel- und Südamerika zuständigen Southern Command der US-Armee, General Douglas Fraser, musste einräumen, dass fünf Mitarbeiter seines Stabes in den Fall verstrickt seien. Er sei «enttäuscht über den ganzen Vorfall», wurde Fraser zitiert.

Die Vorfälle hätten sich bereits vor der Ankunft Obamas in dem südamerikanischen Land abgespielt, sagte Präsidentensprecher Carney. In Kolumbien treffen sich mehr als 30 amerikanische Staats- und Regierungschefs zum Amerika-Gipfel. Der Secret Service ist vor allem für die Sicherheit des Präsidenten verantwortlich. Carney betonte, Obama sei in keinem Moment gefährdet gewesen. Der Präsident habe weiterhin volles Vertrauen in den Secret Service.

Prostituierte nicht bezahlt

Die beschuldigten Personenschützer, die von den Armeemitgliedern unterstützt werden sollten, hätten mehrere Prostituierte in ihr Hotel gebracht und dort Trinkgelage abgehalten, berichtete der Sender CNN. Ein früherer Reporter der «Washington Post» und Geheimdienst-Experte berichtete, eine Prostituierte sei zur Polizei gegangen, weil einer der US-Agenten seine Rechnung bei ihr nicht beglichen habe. Mitarbeitern des US-Geheimdienstes ist die Kontaktaufnahme zu Prostituierten streng untersagt.

Die «Washington Post» verwies darauf, dass es zuletzt mehrfach Vorfälle mit Obamas Sicherheitsbeamten gab: So sei ein Agent nach einem Vorfall vor dem APEC-Gipfel im November auf Hawaii wegen Totschlags angeklagt worden. Ein weiterer Beamter sei bei einem Einsatz zur Vorbereitung eines Besuchs von Obama im US-Bundesstaat Iowa im August der Trunkenheit am Steuer beschuldigt worden. Kurz nach Obamas Wahl 2009 war der Secret Service in die Kritik geraten, weil sich zwei Promijäger zu einem Dinner ins Weisse Haus eingeschlichen hatten: Ohne Einladung kamen die beiden unbehelligt durch die Sicherheitskontrollen. (rub/sda)

(Erstellt: 15.04.2012, 09:12 Uhr)

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Die USA haben sich beim Amerikagipfel in Kolumbien mit ihrem Veto gegen Kuba weitgehend isoliert. Nahezu alle Länder Lateinamerikas stützten in Cartagena de Indias die Forderung nach einer Teilnahme der sozialistischen Karibikinsel am nächsten Gipfel 2015. «Wenn nicht, wird es keine Amerikagipfel mehr geben», zeigte sich Boliviens linker Präsident Evo Morales am Samstagabend nach einer Plenarsitzung der 31 Staats- und Regierungschefs sicher. Zuvor hatten bereits Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff betont, der 6. Amerikagipfel müsse der letzte ohne Kuba sein.

Obama dagegen

Der Streit über den Umgang mit dem 1962 aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ausgeschlossenen Kuba war eines der beherrschenden Themen des zweitägigen Treffens. US-Präsident Barack Obama bekräftigte die Position der USA, die eine Teilnahme Kubas an den alle drei Jahre stattfindenden Gipfeltreffen ablehnen. «Wenn universelle Menschenrechte vorenthalten werden, die Unabhängigkeit der Rechtsprechung, der Gesetzgebung oder der Pressefreiheit bedroht werden, dann werden wir die Stimme erheben», sagte Obama.

Kampf gegen Armut

Der Gipfel beschäftigte sich auch mit den Themen Armutsbekämpfung, Sicherheit, dem Ausbau von Infrastruktur und Massnahmen gegen Naturkatastrophen. Santos verwies auf bereits erzielte Erfolge. So hätten in den vergangenen zehn Jahren 40 Millionen Menschen in Lateinamerika den Sprung aus der Armut geschafft. Lateinamerika sei eine Wachstumsregion. Jetzt gehe es darum, Brücken zu bauen und alte Paradigmen hinter sich zu lassen. Das Treffen fand ohne Venezuelas Staatschef Hugo Chávez statt, der wegen seiner Krebserkrankung zu Behandlung nach Kuba flog. Auch Ecuadors Präsident Rafael Correa und Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega fehlten. (sda)

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