Ausland

«US-Stealth-Technologie könnte in chinesische Hände geraten»

Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 06.12.2011

Was lässt sich aus der im Iran abgestürzten Drohne herausholen? Und wer ausser Iran wird davon profitieren? Ein Geheimdienstexperte gibt Auskunft.

Tarnkappendrohne aus dem Hause Lockheed Martin: Eine RQ-170 Sentinel hebt ab.
Bild: aerowiki.blogspot.com

Tarnkappendrohne aus dem Hause Lockheed Martin: Eine RQ-170 Sentinel hebt ab. Bild: aerowiki.blogspot.com

Erich Schmidt-Eenboom ist Leiter des Forschungsinstituts für Friedenspolitik im deutschen Weilheim. Er gilt als ausgewiesener Geheimdienst-Experte.

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Herr Schmidt-Eenboom, wie gravierend ist der Fall für die USA?
Das kommt auf den Zustand des Geräts an. Die Amerikaner sagen, es sei aus grosser Höhe abgestürzt. Die Drohne ist zweifach interessant: Erstens gibt die Aufklärungskapazität einiges her, also Kamera, Elektronik und Software. Zweitens – und das ist noch viel wichtiger – handelt es sich hier um ein Tarnkappengerät. Das ist eine Schlüsseltechnologie.

Was kann aus den Überresten gewonnen werden?
Der Iran selber kann möglicherweise intakte Komponenten auswerten und daraus Erkenntnisse gewinnen, um damit die Spionageabwehr aufzurüsten. Zum Beispiel liesse sich herausfinden, auf welchen Frequenzen diese Geräte gesteuert werden usw.

Ist das alles?
Ich halte die iranische Kapazität zur Auswertung der Überreste für beschränkt. Vielmehr muss man damit rechnen, dass Teheran Teile an die Chinesen weitergibt. Und dort sind die Möglichkeiten um einiges grösser, etwas aus diesen Überresten zu gewinnen. Die US-Stealth-Technologie könnte so in chinesische Hände geraten.

Schon bei dem in Serbien abgestürzten US-Tarnkappenflieger mutmasste man über einen Technologieverlust an die Chinesen. Was wissen Sie darüber?
Nicht mehr, als bisher darüber geschrieben wurde. Über weiteres kann nur spekuliert werden.

Die USA wissen um die Gefahr von Technologieverlust durch Absturz oder Abschuss. Warum haben diese Hightechgeräte keinen Selbstzerstörungsmechanismus?
Das müssten Sie die Verantwortlichen für dieses Programm fragen. Ich vermute aber, es hat auch mit dem Gewicht zu tun. Zwar sind diese Geräte mit Angriffsraketen ausgerüstet. Aber jede Zusatzausrüstung macht die Drohne schwerer und schränkt dadurch deren Bewegungsspielraum ein.

Gibt es für solche Entwicklungen noch schlicht zu wenig Erfahrung?
Nein. Diese Geräte sind tausendfach eingesetzt.

In welcher Höhe fliegen Aufklärungs-Drohnen?
Das kommt auf den Einsatz, die Aufgabe und die erwünschte Auflösung der Bilder an. Geht es nur darum, Truppenverschiebungen oder Anlagen aufzuklären, liegt die Flughöhe über der vom Radar erreichten Bereich. Also höher als 4 bis 5 Kilometer. Sonst geht es tiefer.

Und dann kommen die Flugobjekte in die Reichweite der Flugabwehr. Ja. Die USA haben aber erklärt, diese Maschine sei nicht abgeschossen worden, sondern wegen eines Steuerungsfehlers abgestürzt.

Sie sagen, der Iran wird Teile der US-Maschine an die Chinesen weitergeben.
Besteht zwischen den beiden Ländern geheimdienstliche Zusammenarbeit? Ja, diese ist langjährig und eng. Bekannt ist die Zusammenarbeit im Bereich der Nukleartechnologie. Und bei der Ausbildung der Hisbollah-Kämpfer spielte das Dreieck China-Korea-Iran. Nordkoreanische Hilfe wurde dabei von China vermittelt.

Was bekommt der Iran im Gegenzug von China für die Drohnenteile? Unterstützung im Sicherheitsrat im Kampf gegen Sanktionen wegen des Atomprogramms. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.12.2011, 20:25 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.