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Weshalb Obamas Agenten in einem Meer von Daten absaufen

Von Martin Kilian. Aktualisiert am 07.01.2010 6 Kommentare

Präsident Obama kritisiert die Geheimdienste wegen des Anschlags von Detroit heftig. Diese leiden unter einer Flut von Informationen.

1/11 Obamas Sicherheitskabinett
«Das war ein Fehlverhalten, das zu einem Desaster hätte führen können»: Präsident Barack Obama redete am Montag im Lagezentrum des Weissen Hauses den Chefs der Nachrichtendienste und den Mitgliedern des nationalen Sicherheitsrates ins Gewissen.
Bild: Keystone

   

Die Auseinandersetzungen und Schuldzuweisungen wegen des missglückten Terroranschlags auf ein Flugzeug in Detroit beschäftigen die amerikanische Hauptstadt unvermindert. Vor allem die amerikanischen Geheimdienste sind in die Kritik geraten, indes die republikanische Opposition das vereitelte Attentat vom Weihnachtstag ausschlachtet und Präsident Obama angreift.

Nachdem er zunächst eher zurückhaltend reagiert hatte, räumte ein sichtlich verärgerter Barack Obama am Dienstag in einer öffentlichen Stellungnahme schwere Versäumnisse der Nachrichtendienste ein. Zwar seien Informationen gesammelt worden, doch habe man dabei «versagt, die Teile des Puzzles zusammenzufügen». Hinter verschlossenen Türen im Lagezentrum des Weissen Hauses war Obama vor zwanzig Spitzen der Dienste und dem nationalen Sicherheitsrat noch deutlicher geworden: «Das war ein Fehlverhalten, das zu einem Desaster hätte führen können; wir sind gerade noch einmal davongekommen», las Obama den versammelten Chefagenten die Leviten.

Das gesamte System ist verstopft

Tatsächlich häuften sich auch gestern in Washington die Belege für ein völliges Versagen der Dienste: So hatte der CIA-Repräsentant in der nigerianischen Hauptstadt zwar die Warnung des Vaters des mutmasslichen Attentäters Umar Faruk Abdulmutallab vor seinem Sohn prompt an das Zentrum für Terrorabwehr bei der CIA gemeldet, die Informationen wurden jedoch nicht an das FBI weitergegeben, wo alle amerikanischen Terrordatenbanken ausgewertet werden.

Das ebenfalls von der CIA informierte Aussenministerium speiste Abdulmutallabs Namen in eine Datensammlung ein, die 500'000 Namen umfasst worauf der Eintrag in einem Meer von Daten unterging. Amerikanische Geheimdienstexperten monieren nun diese Informationsflut, da sie das gesamte System verstopfe. So erhält etwa das Washingtoner Aussenministerium von den rund 180 Botschaften täglich neue Terrordaten, die kaum mehr bearbeitet werden können.

Schwächen bei der Auswertung von Informationen

Anderswo ist die Datenflut nicht geringer: Die Abteilung für Terrorabwehr bei der CIA überwacht inzwischen über 120 Datenbanken und verarbeitet täglich zwischen 10'000 und 12'000 Einträge. Und noch immer hapert es bei der Zusammenarbeit der insgesamt sechzehn amerikanischen Dienste. So hatte etwa der elektronische Spionagedienst NSA bereits vor Monaten Informationen aus dem Jemen abgefangen, wonach ein «Nigerianer» einen Anschlag auf amerikanischem Boden plane. Angeblich war der mutmassliche Täter sogar namentlich als «Umar Farouk» bezeichnet worden, jedoch wurde in der Tat versäumt, «die Puzzleteile zusammenzufügen».

Der versuchte Anschlag erinnere stark «an die Fehler, die zu 9/11 führten», reagierte Thomas Keane, einer der beiden Vorsitzenden der Kommission zur Aufklärung der Anschläge vom September 2001. Neben den Schwächen bei der Auswertung von Informationen leiden die Dienste nach wie vor unter Zuständigkeitsgerangel und bürokratischem Infighting. So zog sich eine Kompetenzfehde zwischen Dennis Blair, dem Direktor für nationale Aufklärung, und CIA-Chef Leon Panetta über Monate hin und konnte erst beigelegt werden, nachdem das Weisse Haus ein Machtwort gesprochen hatte.

Handwerkliche Schwächen

Nach Ansicht von Fachleuten offenbarte auch der Selbstmordanschlag in Khost in Afghanistan, der sieben CIA-Agenten das Leben kostete, handwerkliche Schwächen: Niemals hätten sich die Agenten in ihrem Dienstquartier mit dem Doppelagenten aus Jordanien treffen sollen. Es half überdies nicht, dass der für Aufklärung in Afghanistan zuständige General Michael Flynn die Spione in einem Report für das Washingtoner Center for New American Security scharf kritisierte. Sie seien nicht einmal in der Lage, elementarste Erkenntnisse über Land und Leute zu liefern, schrieb Flynn. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2010, 06:25 Uhr

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6 Kommentare

Severin Haller

07.01.2010, 09:29 Uhr
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Erwartet hier jemand Mitleid mit den überlasteten Terrorjägern? Diese Verstopfung ist das Resultat von 8 Jahren Bush II, der das ganze Volk unter Generalverdacht gestellt hat. Jeder Schüler ein möglicher Amokläufer, jeder Moslem ein potentieller Bomber. Jeden und alles abhören, röntgen, filzen und täglich an 9/11 erinnern. Wie lange noch hängt Obama Bush's Illusion von totaler Kontrolle nach? Antworten


Max Affolter

07.01.2010, 09:39 Uhr
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Jeder Epidemiologe weiss: Es geht hier um Fragen der Sensitivität und Spezifität. Man kann schon seine Fühler auf der ganzen Welt ausstrecken, aber am Schluss sind wir alle verdächtig. Ausser man nimmt endlich das Prinzip der "pretest probability" ernst. Es tönt hart, aber Hautfarbe, Nationalität, Religion sind wesentlich! Ich wurde am Flughafen noch nie nach meinem Glauben befragt - wieso nicht? Antworten



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