Ausland

Verhafteter Professor löst Rassismus-Debatte aus

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 22.07.2009

Henry Louis Gates war gerade von einer Auslandsreise zurückgekehrt, als er beim Einbruch in sein eigenes Haus verhaftet wurde. Jetzt diskutieren die USA heftig über Rassendiskriminierung – denn Gates ist schwarz.

Als Einbrecher festgenommen: Henry Louis Gates.

Als Einbrecher festgenommen: Henry Louis Gates. (Bild: Keystone)

Bild aus dem zivilen Leben: Gates ist Institutsleiter an der Universität Harvard.

Bild aus dem zivilen Leben: Gates ist Institutsleiter an der Universität Harvard. (Bild: Keystone)

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Mehrere Stunden verbrachte Professor Gates, Leiter des Instituts für Afrikanische und Afro-Amerikanische Studien an der Elite-Universität Harvard, letzten Montag auf einer Polizeiwache im Städtchen Cambridge. Er wurde in den üblichen Posen, Frontansicht und Seitenansicht, fotografiert, seine Fingerabdrücke wurden genommen und seine Aussage protokolliert.

Der 58-jährige Gates war für einige Stunden ein Einbrecher – bis sich das Ganze als Missverständnis herausstellte: Gates hatte nichts anderes getan als seine eigene Haustür eingerannt. Die Polizeibehörde der Stadt Cambridge erklärte am vergangenen Dienstag öffentlich, die Festnahme von Gates sei «bedauerlich und unglücklich», sämtliche Vorwürfe gegen ihn würden fallengelassen.

Die Nerven verloren

Der Professor war von einer Auslandsreise zurückgekehrt, als er seine Haustüre verriegelt vorfand. Er hatte keinen Schlüssel dabei und machte sich darum an seinem eigenen Schloss zu schaffen – unterstützt von seinem privaten Fahrer. Eine Nachbarin beobachtete die Szene und meldete der Polizei, «zwei schwarze Männer» würden versuchen, in Gates' Haus einzubrechen.

Als die Polizisten vor Ort eintrafen, verlangten sie von Gates einen Ausweis sowie Beweise, dass er wirklich in diesem Haus wohnt. Gates verlor laut Polizeiprotokoll daraufhin die Nerven, schrie, schlug um sich und warf den Polizisten Rassismus vor. «Passiert das hier, weil ich ein schwarzer Mann in Amerika bin?» soll er laut der «Washington Post» immer wieder gebrüllt haben. Daraufhin nahmen die Beamten ihn fest und brachten ihn auf die Wache.

«Dieser Vorfall sollte weder das Ansehen noch den Charakter von Professor Gates infrage stellen», erklärte jetzt das Polizeidepartement weiter, «noch das Verhalten der Polizeibehörden der Stadt Cambridge». Beide Seiten hätten einen schlechten Tag gehabt: «Es war kein guter Tag für Professor Gates, und es war kein guter Tag für das Polizeidepartement der Stadt Cambridge.»

«Schwarzsein hinderlich im Umgang mit der Polizei»

Gates gilt in den USA als moderater und gewiefter Intellektueller, der die Benachteiligung der Schwarzen in den USA – oder vielmehr, wie er sich oft ausdrückt, die Bedeutung jeglicher Rasse – subtil thematisiert. Gerade deshalb löste der Vorfall vor allem in den liberalen Medien heftige Diskussionen aus.

Schwarz zu sein sei offenbar nicht nur hinderlich beim Bestellen eines Taxis, sondern auch im Umgang mit der Polizei von Cambride, schreibt dazu diese Woche die «L. A. Times», die in ihrer Heimat regelmässig den mutmasslich rassistischen Umgang der Polizei mit Verdächtigen thematisiert.

Die Bürgermeisterin beschwichtigt

Natürlich wäre es richtig von Gates gewesen, sich sofort auszuweisen, statt die Polizisten zu beschimpfen, heisst es in der «Chicago Tribune». Doch manche Schwarze hätten einfach genug davon, sich ständig erklären und verteidigen zu müssen – besonders, wenn es vor ihrer eigenen Haustüre geschehe. «Sie haben einfach genug von der Demütigung.»

Die Bürgermeisterin von Cambridge schliesslich hielt eine öffentliche Rede in versöhnlichem Ton: «Dieser Vorfall zeigt, dass wir Fragen der Rasse und der Klasse weiterhin auf eine offene, ehrliche und produktive Art und Weise ansprechen müssen», wird Denise Simmons im «Boston Herald» zitiert. Es werde nie eine perfekte Gesellschaft geben, aber man solle nie aufhören, danach zu streben.

Neues Thema für die Forschung gefunden

Gates selber liess nach dem offiziellen Statement der Polizeibehörden nichts von sich hören. Heute aber gab er der «Washington Post» ein grosses Interview, in dem er sagt, er sei «ausser sich» wegen des Vorgefallenen. «So werden schwarze Amerikaner in unserem Justizsystem behandelt», sagte er der renommierten Zeitung. «Es ist eine Sache, darüber zu schreiben, aber es ist noch einmal etwas ganz Anderes, das am eigenen Leib zu erfahren.»

Das Erlebnis scheint der Professor nun auf seine eigene Art zu verarbeiten: Er hat heute angekündigt, seine Forschung in Zukunft dem Thema der Rasse im Justizsystem zu widmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.07.2009, 12:45 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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