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Interview

«Viele warten darauf, dass Romney wieder einen Patzer macht»

Mitt Romneys Auslandsreise war bisher nicht von Erfolg gekrönt. Martin Naville von der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer erklärt, warum Aussenpolitik für Amerikaner so schwierig ist.

Oops, he did it again: Mitt Romney tappte in London schon in einige Fettnäpfchen.

Oops, he did it again: Mitt Romney tappte in London schon in einige Fettnäpfchen. Bild: Keystone

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Herr Naville, wie werten Sie Romneys Patzer während seines bisherigen England-Besuchs?
Sie erstaunen mich nicht. Im Gegensatz zu Barack Obama, der ein kommunikatives Ausnahmetalent ist, war Romney noch nie sehr stark in dieser Hinsicht. Es sind ihm auch in Amerika immer wieder mal Fehler unterlaufen. Diese Patzer in England sind in dieser Phase des Wahlkampfs eigentlich normal. Der verbale Fehltritt seines Assistenten über das geteilte «angelsächsische Erbe» zeugt von einer Organisation, die noch nicht reif ist. Romney ist einer, der immer wieder mal in ein Fettnäpfchen tritt, aber seine Unterstützer nehmen ihm das zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr übel. Das zeigt sich auch daran, dass er in den Umfragen eigentlich auf Augenhöhe mit Obama ist.

Warum hat Mitt Romney gerade England, Israel und Polen für seine Auslandsreise ausgewählt?
England hat er primär wegen der Olympischen Spiele und den engen politischen Beziehungen ausgewählt. In amerikanischen Imagestudien wird England immer als bestes Land der Welt und als bester Partner Amerikas dargestellt. Und bei den Olympischen Spielen will Romney allen Amerikanern nochmals in Erinnerung rufen, welch gute Rolle er vor zehn Jahren in Salt Lake City gespielt hat, als er die Spiele vor dem Bankrott rettete.

Wie sieht es mit den anderen Ländern aus?
Israel ist im Mittleren Osten aussenpolitisch ein wichtiger Partner. Zudem ist es der jüdischen Population in den USA sehr wichtig, was man von Israel hält. Ein Präsidentschaftskandidat kann mit einer Israelreise also viele Sympathien gewinnen. Und Polen ist ein sehr enger Partner der USA in Afghanistan und im Irak, aber auch bei alle aussenpolitischen Fragen, die Russland betreffen. Und es gibt, ähnlich wie bei Israel, eine grosse Population mit polnischen Wurzeln in Amerika. Hier steckt sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der Wählerseite ein grosses Potenzial, um Stimmen zu gewinnen.

Warum reist er nicht nach Deutschland?
Es war sicherlich kein Entscheid gegen Deutschland. Aber zwischen Deutschland und den USA herrschen in der Aussenpolitik grosse Differenzen. Momentan geht es aber nicht um Aussenpolitik, sondern um die Wahlen im November. In Amerika hat es wenig Wählerpotenzial von Leuten, die sich Deutschland zugehörig fühlen. Und vor allem ist er nicht Obama, der 200'000 Leute vor dem Brandenburger Tor begeistern kann. Er möchte seine Auslandsreise vermutlich nicht mit Obamas Triumph-Tour vor vier Jahren verglichen sehen.

Warum lässt er auch andere grosse Partner in Kontinentaleuropa aus?
Es ist eigentlich kein Auslassen. Primär findet der Wahlkampf in Amerika statt. Er kann es sich zurzeit nicht leisten, drei bis vier Wochen durch Europa zu touren. Ein Europa-Abstecher ist zwar ein wichtiger Teil der Wahl, aber er kann nur ein paar Tage dauern. Er muss in den USA präsent sein. Darum hat er sich für drei Highlights entschieden: den angelsächsischen, den jüdischen und den osteuropäischen Partner zu besuchen.

Ist der Besuch in Israel für ihn einfacher, weil er Ministerpräsident Benjamin Netanyahu von geschäftlichen Beziehungen aus den 70er-Jahren kennt?
Ein einfacher Besuch wird es bestimmt nicht. Israel hat viele Themen, die mit sehr viel Augenmass angegangen werden müssen. Und es warten alle darauf, dass Romney wieder einen Patzer macht. Dass er und Netanyahu sich schon kennen, vereinfacht aber sicherlich zumindest den Erstkontakt.

Wie schätzen Sie Romney als künftigen Aussenpolitiker ein?
Aussenpolitik findet in Amerika ganz wenig statt. Auch Obama hatte vor seiner Wahl keine Erfahrung in ausländischen Themen. Auch viele andere ehemalige Präsidenten waren nie im Ausland, bevor sie gewählt wurden. Mitt Romney weiss zumindest, was international in der Wirtschaft passiert, weil er eine internationale Karriere hinter sich hat. Er hat ein viel grösseres Verständnis vom Ausland als die meisten anderen amerikanischen Politiker, die oft nicht mal wissen, wo andere Länder liegen. Wenn er gewählt wird, muss er aber aussenpolitisch noch viel dazulernen. Doch er ist sehr lernfähig. Während des Wahlkampfs ist Aussenpolitik aber eigentlich kein Thema. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2012, 14:35 Uhr

Martin Naville ist CEO bei der Swiss-American Chamber of Commerce. Die Non-Profit-Organisation kümmert sich um Handelsbeziehungen zwischen den USA und der Schweiz. (Bild: Zvg)

Romney droht dem Iran mit Militärschlag

Im Atomstreit hat Mitt Romney dem Iran mit einem Militärschlag gedroht. «Wenn wir erkennen, dass alle Mittel erschöpft und fehlgeschlagen sind, dann werden wir eine militärische Option in Betracht ziehen müssen», sagte Romney heute gegenüber der israelischen Tageszeitung «Haaretz».

Ein Iran mit Atomwaffen sei die grösste Gefahr für die Welt, die USA und die Existenz Israels. Der Republikaner wird am Samstagabend in Israel zu Gesprächen mit führenden Politikern des Landes erwartet.

Romney versprach Israel weiterhin, dass es im Falle seines Wahlsieges keine Konfrontation zwischen beiden Ländern geben werde. Die USA würden jede Verurteilung Israels in internationalen Organisationen verhindern.

Das Verhältnis zwischen US-Präsident Barack Obama und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gilt als angespannt. Obama hatte unter anderem die israelische Siedlungspolitik kritisiert. (SDA)

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