Vom Kampfjet-Piloten zum Joystick-Krieger
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«Bei einer F-16 hast du eine Stunde lang einen durchgehenden Adrenalinrausch, es geht um dein persönliches Überleben. Bei der Drohne hast du einen ‹slow burn›, ein langsames Abbrennen des Adrenalins», erklärt Bryan Callahan, Major bei der US-Armee, in einem Interview mit Spiegel Online. Man kennt sie inzwischen, die Bilder aus den USA, welche Militärangehörige im Armeekleid zeigen, die in kleinen Räumen mit Bildschirmen und Steuerungen ausgerüstet Drohnen im fernen Afghanistan steuern. Auch Callahan ist einer von denen.
Und er scheint nicht recht glücklich zu werden mit seinem Fernsteuer-Job. «Es klingt komisch, aber die Entfernung und die Sicherheit ärgern einen sogar etwas. Die anderen Jungs am Boden sind verwundbar, und das ist für mich immer noch eine ehrenwerte Sache. Ich habe das Gefühl, ich mogle mich da um etwas herum. Manchmal fürchte ich, ich lasse sie im Stich.»
«Es kann sein, dass ich mich hilflos fühle»
Die USA haben den Kampf mit den kleinen leisen Flugobjekten in letzter Zeit intensiviert. Und Drohnen werden nicht nur, wie von Callahan geschildert, zum Schutz der eigenen Truppen eingesetzt. Das hatte der schwere Anschlag auf die CIA im Osten Afghanistans vom letzten Dezember klar gemacht. Damals wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst mit Drohnen Spionage über feindlichem Gebiet betrieb. Die Nummer 2 al-Qaidas wollte der CIA so ausfindig machen. Die Mission endete tödlich für die Amerikaner.
Callahans Job aber ist derjenige eines Wächters aus der Luft. Er soll die eigenen Leute vor Angriffen des Feindes schützen. «Meine Aufgabe ist es, die Kameraden am Boden zu beschützen. Ich versuche, den Jungs zu helfen. Es gibt aber Fälle, da kann ich nicht direkt eingreifen. Es kann sein, dass ich mich hilflos fühle.»
«Eine F-16 ist ein hochkompliziertes Fluggerät»
Beim Vergleich der beiden Kampfgeräte gerät Callahan ins Schwärmen – für sein früheres Einsatzgerät. «Eine F-16 ist ein hochkompliziertes Fluggerät, und als Pilot bin ich für eine Menge Waffen und Sensoren verantwortlich. Ich hebe ab, und eine Stunde später bin ich wieder am Boden. Beim Steuern einer Drohne kann es sein, dass ich wochenlang mit einer einzigen Operation beschäftigt bin. (…) Eine Drohne ist ausserdem nicht so kompliziert und robust wie eine F-16.»
Dass er sich im tödlichen Kampf befindet, vergesse er bei der Arbeit nicht. «Es können Menschen sterben. Egal, ob der Angriff mit einer F-16 oder einer Predator-Drohne erfolgt.» Aber trotzdem haftet der Arbeit des Joystick-Kriegers etwas Surreales an. «Ich lese morgens meine E-Mails, hetze zum Einsatz. Dann bin ich fertig, gehe in den Laden, hole mir einen Hamburger, lese noch ein paar E-Mails und fahre heim.» Das ist der Afghanistan-Krieg, den Major Bryan Callahan von den USA aus führt. Und die Zahl seiner Berufskollegen wird immer grösser. (cpm)
Erstellt: 10.03.2010, 15:59 Uhr










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