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Caucus? Primary? Was ist das eigentlich?

Warum Demokraten sich freiwillig ins Eck stellen: Das System der amerikanischen Vorwahlen kurz erklärt.

Das System der US-Vorwahlen ist komplex und teilweise verwirrlich: Nicht nur für Bart Simpson, sondern auch für viele Nicht-Amerikaner. (Screenshot: Simpsons, Staffel 23, Folge 8)

Das System der US-Vorwahlen ist komplex und teilweise verwirrlich: Nicht nur für Bart Simpson, sondern auch für viele Nicht-Amerikaner. (Screenshot: Simpsons, Staffel 23, Folge 8)

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In Iowa gibt es Maisfelder, Natur und gut drei Millionen Einwohner. Doch alle vier Jahre richten sich die Fernsehkameras aller grossen US-Sender auf den kleinen Bundesstaat. Seit den 1970er Jahren ist hier der Auftakt zur langen Kür der US-Präsidentschaftskandidaten. Das System der Vorwahlen in den 50 Staaten ist komplex und teilweise auch etwas verwirrlich. Deshalb finden Sie hier eine kurze Einführung:


Primary oder Caucus?

Grundsätzlich gibt es in den USA zwei Arten von Vorwahlen: Im Primary-System können Bürger einen Tag lang in einem öffentlichen Wahllokal ihre Stimme abgeben. Dieser Modus gilt in der Mehrheit der Bundesstaaten. In manchen Staaten dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, in anderen sind die Vorwahlen offen für alle.

Der Caucus ist dagegen eine Parteiversammlung, bei der sich Mitglieder auf Ortsebene persönlich zur Diskussion treffen und danach abstimmen. Im ersten Vorwahl-Staat Iowa gilt das das Caucus-System.


Was passiert bei den Caucuses?

Die Bundesstaaten können die Art der Kandidatenkür selbst bestimmen. Dabei müssen auch die Caucuses nicht nach einheitlichem Muster ablaufen. In Iowa treffen sich die Anhänger von Demokraten und Republikanern in Schulen, Kirchen oder Bibliotheken zu abendlichen Wahlversammlungen, um über die Bewerber und ihre politischen Programme zu diskutieren. Insgesamt halten die beiden Parteien in knapp 1700 Stimmbezirken einen Caucus ab. In Städten nehmen nicht selten mehrere hundert Menschen an einer Wahlversammlung teil, auf dem Land erscheinen oft nur zwei Dutzend Parteianhänger.

Der Ablauf der Wahlversammlungen unterscheidet sich je nach Partei. Bei den Republikanern hören die Caucus-Teilnehmer zunächst kurze Reden von Vertretern der Bewerber, ehe sie in geheimer Wahl für ihren Favoriten votieren. Die Resultate aus den einzelnen Stimmbezirken werden dann zu einem Gesamtergebnis zusammengerechnet, auf dessen Grundlage die Delegierten aus Iowa für den republikanischen Nominierungsparteitag proportional verteilt werden.

Deutlich unübersichtlicher ist es bei den Demokraten, wo buchstäblich mit den Füssen abgestimmt wird. Die Caucus-Teilnehmer werden gebeten, sich in jene Ecke des Saals zu begeben, die mit dem Namen ihres Lieblingskandidaten gekennzeichnet ist. Ein Wahlgeheimnis gibt es also nicht, es wird Kopf für Kopf durchgezählt. Gruppieren sich in einer Ecke weniger als 15 Prozent der Anwesenden, sind deren Stimmen nicht gültig. Entweder können sie sich dem Lager eines anderen Bewerbers anschliessen oder die Wahlversammlung verlassen. Die Ergebnisse aus den Stimmbezirken fliessen am Ende in einen komplizierten Schlüssel ein, mit dem die Demokraten in Iowa die Vergabe ihrer Delegierten - und damit den Gewinner der Vorwahl - bestimmen.


Wer darf teilnehmen?

In manchen Staaten dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, in anderen sind die Vorwahlen offen für alle. In Iowa sind zu den Versammlungen nur Parteimitglieder zugelassen, allerdings sind Beitritte und Parteiwechsel noch am Wahlabend erlaubt. Wegen des aufwändigen Verfahrens stimmt gewöhnlich lediglich eine Minderheit der je rund 600'000 registrierten Republikaner und Demokraten in Iowa ab.


Warum ist Iowa so wichtig?

Iowa stellt bei den Demokraten nur 52 der gut 4700 Delegierten für den Nominierungsparteitag, bei den Republikanern kommen 30 von knapp 2500 Delegierten aus dem Bundesstaat. Dennoch verbringen die Präsidentschaftsbewerber wegen der medialen Aufmerksamkeit für die erste Vorwahl viel Zeit in dem dünn besiedelten Staat im Herzen Amerikas. Eine lokale Zeitung zählte seit Beginn des Wahlkampfes mindestens 1200 Auftritte von demokratischen und republikanischen Präsidentschaftsanwärtern - zehn Mal so viel wie im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien.

Kritiker bemängeln, dass Iowa seinen grossen Einfluss auf die Kandidaten-Auslese nicht verdiene, weil es mit seinen gut drei Millionen Einwohnern nur knapp ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht und die ganz überwiegend weisse Wählerschaft nicht die Vielfalt des Landes widerspiegelt. Auch die starke Prägung der Wirtschaft durch den Agrarsektor ist nicht repräsentativ.


Was kommt nach Iowa?

Nach dem Start in Iowa folgen die Vorwahlen in dichtem Takt. Am 1. März stimmen am sogenannten Super-Dienstag gut ein Dutzend Bundesstaaten gleichzeitig ab, die meisten liegen im Süden der Vereinigten Staaten. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Juni, bereits im Frühjahr könnten aber klare Favoriten feststehen.

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei bestimmen. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat zum Wahlparteitag entsenden darf, hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden. Die Republikanern kommen vom 18. bis 21. Juli in Cleveland im Bundesstaat Ohio zur Convention zusammen. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Im Herbst liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In drei Fernsehduellen am 26. September, 9. Oktober und 19. Oktober treffen ihre beiden Kandidaten aufeinander.

Am 8. November 2016 findet schliesslich die Präsidentschaftswahl statt.

(chm/AFP/SDA)

(Erstellt: 01.02.2016, 14:23 Uhr)

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