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Wie US-Journalisten auf Haiti eine Show abziehen

Von Thomas Müller, dpa. Aktualisiert am 14.09.2010 6 Kommentare

Tue Gutes und zeige es. US-Sender schicken nicht nur Journalisten nach Haiti, sondern auch Ärzte. Sie berichten im Stile einer Reality-Show. Und ernten viel Kritik.

1/5 Zahnpastalächeln und Show-Operation auf CNN: Dr. Sanjay Gupta.
Bild: Reuters

   

Unter diesem Motto handeln viele US-Fernsehsender in Haiti. Die grossen Sender wie CNN, NBC oder ABC haben neben Journalisten auch ihre Medizin-Fachleute ins Katastrophengebiet geschickt. Und über deren Hilfseinsätze wird breit berichtet.

So berichtet etwa CNN-Chefdoktor Sanjay Gupta über das Elend der Menschen, die miserable Versorgungslage in den Spitälern und greift dann vor laufender Kamera auch gleich selbst zum Skalpell.

Er operiert ein kleines Baby mit Kopfverletzungen oder ein zwölfjähriges Mädchen - und sein Sender zeigt den Einsatz des ausgebildeten Neurochirurgen immer wieder aufs Neue.

ABC-Doktor hilft bei Entbindung

Zwischendurch twittert Gupta, der anfangs auch als Gesundheitsminister Barack Obamas im Gespräch war: «Es tut mir so leid, dass ich heute meine Show nicht moderieren kann, konnte nicht aus dem Feld-Lazarett weg. Wenn CNN mich nicht feuert, verspreche ich, dass ich die Show morgen mache.»

Andere Sender wollen da nicht nachstehen. Die Fachkorrespondentin Jennifer Ashton von Sender CBS, ebenfalls eine ausgebildete Ärztin, assistiert bei der Operation eines Mädchens, dem ein Arm amputiert wird. Und ABC-Doktor Richard Bresser hilft einer Mutter bei der Entbindung ihres Kindes.

Gefahr der Selbstdarstellung

Stephen Ward vom Zentrum für journalistische Ethik an der Universität von Wisconsin, hat ein ungutes Gefühl dabei. Er verstehe den Willen der Reporter zu helfen.

Eine derart «emotions-basierte» Berichterstattung könne aber manipulativ werden und den Verdacht wecken, sie diene der Selbstdarstellung, kritisierte Ward in der «Washington Post».

Medienwissenschafter James Naughton pflichtet dem bei. Er würde in einer Situation wie in Haiti sicher helfen, jemand unter den Trümmern zu retten.

Er würde aber wohl nicht darüber berichten, weil einfach das Risiko bestehe, dass sich dann die Geschichte nur noch um den Reporter selbst drehe, schrieb Naughton in einem Beitrag der US-Zeitung «Philadelphia Inquirer» über den «Emo-Journalismus».

Aus den Trümmern geholfen

Ungeachtet dieser Bedenken arbeiten auch die anderen Korrespondenten der grossen US-Sender in einer Doppelrolle als Berichterstatter und Helfer.

So hilft CNN-Starkorrespondent Anderson Cooper, der als einer der ersten nach dem Beben auf Haiti eintraf, vor laufender Kamera eine junge Frau aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses zu befreien.

Seine Rettungsaktion wurde im Sender immer wieder aufs Neue ausgestrahlt. Auch Sender in Europa zeigten die Bilder. In einem anderen Beitrag ist Cooper zu sehen, wie er einen blutenden Jungen in Sicherheit trägt, der bei einer Plünderung von einem Ziegelstein am Kopf getroffen worden war und schwer verletzt am Boden lag.

Adoption ermöglicht

Der US-Sender ABC berichtet stolz, wie es seiner Korrespondentin Robin Roberts gelingt, eine vierjährige Waise mit ihren Adoptiveltern in Iowa zusammenzuführen.

Das Paar aus Iowa hatte das kleine Mädchen schon adoptiert, nur hatte nach einem dreijährigen Prozedere noch das Visum gefehlt, als das Erdbeben kam und das Waisenhaus zerstörte.

Die ABC-Korrespondentin schaffte es nach eigenen Angaben unter grössten Schwierigkeiten sich zu dem zerstörten Waisenhaus durchzuschlagen und das Mädchen Esther zu finden. Über Telefon informierte sie die Adoptivmutter im fernen Iowa, die vor laufender ABC-Kamera ihre Tränen kaum unterdrücken kann.

Wie in einer Reality-Show zeigte ABC die kommenden Tage, wie die glücklichen Eltern mit Hilfe des Senders nach Haiti fliegen und dort in dem Waisenhaus ihre Tochter in die Arme schliessen. Schliesslich fliegen sie mit Esther im Arm in die USA zurück - und ABC freut sich, dass es auch mal was Gutes aus Haiti zu berichten gibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.09.2010, 17:38 Uhr

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6 Kommentare

Thomas Wirth

25.01.2010, 13:34 Uhr
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An Thomas Mueller: Worum geht es nun in ihrer Bericterstattung? Als Zuschauer will ich realitaetsnahe Berichterstattung, und wegen Selbstdarstellung: Die Berichterstatter mit medizinischer Ausbildung bei den US Medieunternehmen haben heute eine wichtige medizinische Aufklaerungsfunktion fuer die breite Bevoelkerung. Antworten


ruth leemann

25.01.2010, 14:00 Uhr
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Die Amerikaner wollen einmal mehr ihre Macht zur Schau stellen - dabei sollte man beachten, dass viele andere Länder wichtige Hilfe in Haiti leisten. CNN - ist eine Unterhaltungs-Bank die man auch besser regulieren sollte. Antworten



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