Wikileaks lässt eine neue Bombe platzen

Ob Smartphones, Computer oder Smart-TVs: Der US-Geheimdienst CIA hört offenbar überall mit.

Spionage im Wohnzimmer: Angeblich kann die CIA Smartphones, Computer und Smart-TVs knacken.

Spionage im Wohnzimmer: Angeblich kann die CIA Smartphones, Computer und Smart-TVs knacken. Bild: Dado Ruvic/Reuters

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Die Enthüllungsplattform Wikileaks sorgt in Washington neuerlich für Aufregung, nachdem sie gestern nahezu 8000 Seiten geheimer CIA-Dokumente veröffentlicht hat. Die Unterlagen – deren Authentizität noch nicht zweifelsfrei belegt ist, in ersten Reaktionen von US-Experten jedoch nicht bestritten wurde – befassen sich mit hoch entwickelten digitalen Spionagewerkzeugen. Darunter befinden sich Viren, Malware, Trojaner sowie andere Programme zur Penetration von Smartphones, Computern und Smart-TVs.

Ein CIA-Sprecher wollte die Publizierung der geheimen Unterlagen nicht kommentieren, US-Experten aber bezeichneten die Veröffentlichung als Sensation. Falls Wikileaks wie gestern angekündigt Hunderte Millionen von Code-Zeilen diverser CIA-Geheimprogramme besitze, könne deren Enthüllung ähnlich schwerwiegende Folgen haben wie jene Dokumente, die Edward Snowden 2013 über die Abhörmethoden des elektronischen Geheimdienstes NSA veröffentlichte.

Hoffnung auf Diskussion?

Die CIA-Unterlagen, von der Enthüllungsplattform «Tresorraum 7» genannt, seien «unautorisiert unter früheren CIA-Hackern und externen Mitarbeitern» im Umlauf gewesen, so Wikileaks. Einer der Ex-Hacker habe Wikileaks das CIA-Digitalarchiv in der Hoffnung auf eine öffentliche Diskussion über die Rechtmässigkeit der CIA-Methoden zur Verfügung gestellt. Die Unterlagen stammen aus dem CIA-Direktorat für Digitale Innovation und enthalten Spionagewerkzeuge, die von der sogenannten Engineering Development Group innerhalb des Geheimdienstes entwickelt wurden.

Demnach ist die CIA dank dieser digitalen Werkzeuge anscheinend imstande, Smartphones zu knacken und auf Apps zuzugreifen. Sowohl Whatsapp als auch Signal und Telegram sind offenbar nicht sicher vor dem Zugriff des Geheimdienstes.

Ausserdem scheint es den CIA-Hackern gelungen zu sein, in Smart-TVs einzudringen und deren Spracherkennungssoftware auszunutzen. Dadurch könnten Gespräche in der Nähe des Fernsehers abgehört werden. Zwar beziehen sich die von Wikileaks gestern publizierten Dokumente auf Samsung-Fernseher, doch können nach Ansicht von US-Experten wahrscheinlich alle Smart-TVs zu Spionagezwecken missbraucht werden. Laut den neuen Dokumenten werden CIA-Cyberangriffe in Europa, dem Nahen Osten sowie in Afrika von Mitarbeitern des Dienstes im Frankfurter US-Konsulat gesteuert.

Problem für Trump

Die Wikileaks-Enthüllungen könnten zu einem Problem für Donald Trump werden. Der Präsident misstraut den US-Geheimdiensten und macht sie für eine Serie von Indiskretionen verantwortlich, die seine Administration politisch belasten. Noch im Oktober sagte Trump, er liebe Wikileaks, nachdem die Enthüllungsplattform Zehntausende gehackter Mails des Demokratischen Nationalkomitees während des US-Wahlkampfs publiziert hatte.

US-Geheimdienste sind überzeugt, dass Russland hinter dem Diebstahl der demokratischen Mails steckt. Trump hatte dies zuerst bestritten, sich im Januar aber widerstrebend dem Urteil der Geheimdienste angeschlossen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2017, 06:47 Uhr

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