Wird mit Sarah Palin «der Borat gemacht»?
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 02.09.2009 1 Kommentar
Humoristische Publikationen: Ein Geschäftsbericht von CLSA.
«Kulturelle Lernung»: Sacha Baron Cohen als Borat. (Bild: Keystone)
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In einer offiziellen Medienmitteilung kündigt die Investmentfirma CLSA an, Sarah Palin werde als Rednerin an der Jahreskonferenz des Hongkonger Unternehmens vom 21. September auftreten. Die Ex-Gouverneurin von Alaska werde vor Hunderten Spezialisten und Topmanagern sprechen, lässt CLSA verlauten. Mit ihr treten unter anderen der Harvard-Professor Niall Ferguson, Spezialist für Wirtschaftsgeschichte, sowie der Schweizer Börsenexperte Marc Faber auf.
«Als erster weiblicher Gouverneur von Alaska und als jüngste Person, die je zum Gouverneur jenes Staates gewählt worden ist, hat Sarah Palin Bahnbrechendes geleistet», lässt sich VR-Präsident Jonathan Sloane in einer Pressemitteilung zitieren. «Wir sind hoch erfreut, dass sie ihre erste Reise nach Asien unternimmt, um am CLSA-Investorenforum teilzunehmen.» Palins Sprecherin Meg Stapleton hat die Einladung bestätigt, wie Foxnews, die Nachrichtenagentur AP und «Businessweek» schreiben. Das Thema der Rede in Hongkong sei noch nicht bekannt.
CLSA erlaubt sich gerne ab und zu einen Scherz
Nun debattieren amerikanische Medien darüber, ob Sarah Palin im Scherz nach Hongkong geladen wurde – genauer: um mit ihr «den Borat zu machen», wie «Business Insider» schreibt. Borat ist eine vom Komiker Sacha Baron Cohen erfundene Kunstfigur, ein kasachischer Journalist, der sich in den USA blamiert. Borats Ziel: «Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen.» (sic)
CLSA, das attestieren der Firma tatsächlich Medienberichte aus der ganzen Welt, erlaubt sich gerne ab und zu einen Scherz. Ihre Geschäftsberichte lässt das Unternehmen von Comiczeichnern illustrieren, es hat auch schon Hellseher zu Finanztrends befragt und lädt regelmässig Entertainer an seine Jahreskonferenzen ein. «Sarah Palin ist ihre diesjährige grosse Lachnummer», glaubt «Business Insider». Die Einladung aus Hongkong sei ganz einfach zu absurd, um wahr zu sein.
Das «Wall Street Journal» glaubt an die Einladung
Eine ganze Reihe von Medien, unter anderem die «Huffington Post», haben den Verdacht aufgenommen. Der konservative Fernsehsender Foxnews hingegen glaubt nicht nur an den Auftritt, sondern zitiert gleichzeitig enttäuschte Republikaner-Frauen, die Palin lieber als Rednerin an ihrem Parteitag in Florida gesehen hätten.
Das seriöse «Wall Street Journal» hält es ebenfalls für möglich, dass die Einladung ernst gemeint ist. «Palin, die nie in Ostasien war und nicht gerade für ihre Kompetenz in Finanzwissenschaft und internationalen Beziehungen bekannt ist, mag eine ungewöhnliche Wahl scheinen», schreibt der Kolumnist Jason Dean. «Doch während tatsächlich viele Finanzexperten an diesen Konferenzen gesprochen haben, so war doch auch eine ganze Reihe anderer Personen vertreten.» So sei der Aktivist Bob Geldof zu Besuch gewesen, ebenso die Musiker Elton John, Macy Gray und Tom Jones.
Für den «Business Insider» aber ist klar: «Das ist genau die ungerührte professionelle Komik, die CLSA so perfekt beherrscht.» Mit Palin werde «der Borat gemacht», so der Autor, «und sie hat nicht die Asien-Kenntnisse, um das zu merken». Bisher haben sich weder die Hongkonger Investmentfirma noch Palin zu diesen Vermutungen geäussert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.09.2009, 20:54 Uhr
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