Ausland
Wo bleiben die grünen Jobs?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 03.12.2009
Die USA brauchen Jobs, denn die Arbeitslosigkeit ist auf über zehn Prozent geklettert, der höchste Wert seit 26 Jahren. Die USA brauchen mehr Umweltschutz, denn der durchschnittliche Amerikaner verbraucht nach wie vor mehr Energie und bläst mehr CO2 in die Luft als jeder andere Erdenbewohner. Was ist also mit «New Green Deal», den massiven Investitionen in den Umweltschutz, die gleichzeitig Jobs schaffen und die Umweltbelastung verringern? War alles nur ein Hype?
US-Präsident Barack Obama ist der Hoffnungsträger für eine umweltpolitische Wende. Doch bei seinem kurzen Auftritt am Klimagipfel in Kopenhagen nächste Woche wird er wenig vorzuweisen haben. Es ist ihm bisher nicht gelungen, «cap und trade» - ein Gesetz zur Begrenzung der CO2-Emissionen - durch den Kongress zu peitschen. Auch grüne Jobs sind bisher Mangelware geblieben. «Die Vereinigten Staaten werden dieses Jahr höchstens ein Achtel so viel Sonnenergie-Kraftwerke installieren wie Deutschland. Und China wird die USA als grösster Erzeuger von Windenergie überholen», stellt die «New York Times» ernüchtert fest.
Ein neues «Manhatten-Projekt»
Hat also auch Barack Obama falsche Hoffnungen geweckt? Nein, so hart kann man es nicht sagen. Die Regierung hat ihre Beiträge in die Energieforschung massiv erhöht. Das «Wall Street Journal» spricht gar von einem neuen «Manhatten-Projekt», dem legendären Forschungsprogramm, das im Zweiten Weltkrieg zur Entwicklung der Atombombe geführt hat. Auf ähnliche Art und Weise soll nun ein Durchbruch bei alternativen Energien erzwungen werden.
Letztes Jahr wurde das Budget für 17 nationale Forschungsstätten um 18 Prozent auf 4,76 Milliarden Doller erhöht. 1,6 Milliarden kommen zusätzlich aus dem Konjunkturankurbelungsprogramm dazu. Tausende von neuen Arbeitsstellen für Wissenschaftler wurden bereits geschaffen, weitere tausende Jobs werden noch folgen. «Wir haben nicht nur gut bezahlte Jobs geschaffen», sagt Tiffany Edwards, Sprecherin der nationalen Forschungsorganisation. «Das wird uns auch helfen, dass Amerika das Wettrennen um die saubere Energie der Zukunft gewinnen kann.»
Steuervergünstigungen und Darlehen
Dieses Wettrennen wird immer intensiver. China beispielsweise ist mittlerweile der grösste Hersteller von Solarzellen geworden. Suntech, das führende Unternehmen in diesem Bereich, baut gar schon Tochterfirmen in den USA. In der Nähe von Phoenix errichten die Chinesen eine neue Produktionsanlage. Sie profitieren dabei vom immer billiger werdenden Dollar und können gleichzeitig protektionistische Abwehrmassnahmen verhindern.
Auch die US-Regierung will vermehrt in der realen Wirtschaft eingreifen. Grüne Jobs werden seit August mit Steuervergünstigungen und Darlehen unterstützt. Zusätzlich wird das Stromnetz für insgesamt elf Milliarden Dollar erneuert. Dieses «intelligente Netz» («smart grid») soll in der Lage sein, die alternativ produzierte Energie auch landesweit zu verteilen. All das beginnt sich allmählich auch wirtschaftlich zu rechnen. «Der Markt für saubere Energie ist gigantisch und wachsend», sagt Phyllis Cuttion, Direktorin der Umweltorganisation Pew Charitable. «Die Vereinigten Staaten haben eine breite Industriebasis, gut ausgebildete Arbeitnehmer und sind führend in der Innovation.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2009, 13:19 Uhr
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