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Anti-Wissenschaftler berät Trump in Umweltfragen

Er leugnet die Klimaerwärmung und hält nichts von erneuerbaren Energien: Wie Myron Ebell die US-Umweltpolitik umformen will.

Fragwürdige Aussagen: Kritischer Beitrag über Trumps neuen Umweltberater Myron Ebell. (Video: Youtube/Climate Truth)


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Alle sprechen von Stephen Bannon, dem ultrarechten Heisssporn und neuen Chefstrategen des Weissen Hauses. Doch eine andere Wahl Trumps sorgt in den USA ebenfalls für einen Aufschrei: Myron Ebell soll die amerikanische Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency) umformen – ein Mann, der nicht an die grundlegende Wissenschaft glaubt und sie sogar bekämpft.

«Globale Erwärmung ist keine Gefahr.»Myron Ebell

Ebell wird den neugewählten Präsidenten künftig in Umweltfragen beraten, hat selber aber keine Diplome oder eine Ausbildung in Klimawissenschaft, nur einen Bachelor in Philosophie und einen Master in politischer Theorie. Nach dem Studium war der selbst ernannte «Politik-Streber» als Lobbyist für verschiedene konservative Thinktanks tätig und arbeitete unter anderem auch für die Tabakindustrie.

Heute ist er Chef für Umweltpolitik am Competitive Enterprise Institute, einer Lobbygruppe, die den «Alarmismus um die globale Erwärmung» gemäss ihrer Website «infrage stellt» und die Regulierung von Treibhausgas-Emissionen ablehnt. Laut der «Huffington Post» erhält sie Spenden von Unternehmen wie dem Öl- und Gaskonzern Exxon Mobile oder der Bergbau-Gesellschaft Murray Energy.

«Ich hätte gerne mehr finanzielle Unterstützung von solchen Firmen, damit ich den Nonsens bekämpfen könnte, den Umweltbewegungen rauslassen», sagte er 2015 in einem TV-Interview und bestritt gleichzeitig deren starken Einfluss auf seine Lobbygruppe. Mit ihrer Hilfe verbrachte Ebell seine Zeit bisher vor allem damit, Wissenschaftler zu diskreditieren, die zum Klimawandel forschen.

Ebell leugnet die Klimaerwärmung und bezeichnet alle Wissenschaftler, die das Gegenteil behaupten, in Interviews als «Lügner» und «Panikmacher». Zudem glaubt er, dass Klimaforschung in Wahrheit das Werk einer koordinierten politischen Bewegung sei. «Sie hat drei Aspekte. Erstens wird bei der Erwärmungsrate übertrieben, zweitens bei den potenziellen Auswirkungen, und drittens werden die Kosten unterschätzt, die durch die Reduktion von Emissionen entstehen», so Ebell zur Zeitung «Business Insider».

Richtlinien zum Schutz der Luft und für sauberes Wasser sind ihm ein Dorn im Auge. Er hoffe, dass der neue Präsident die AKW-Regulatorien der Umweltschutzbehörde rückgängig machen werde, sagte er vor der Wahl. Erneuerbare Energien bezeichnete er zudem als «Sackgasse». Gegenüber «National Geographic» widerrief er diese Aussage zwar später, stellte aber auch klar, dass er nichts von einer Unterstützung des Staats für neue Technologien hält. Die Emissionsreduktion unter Obama sei nicht der Förderung erneuerbarer Energien zu verdanken, sondern das Resultat einer stagnierenden Wirtschaft, die unter Regulatorien leide.

Umweltorganisationen protestierten diese und vergangene Woche gegen die Ernennung Ebells. In Boston gingen Studenten auf die Strasse, und letzten Dienstag wurde eine Petition beim Weissen Haus eingereicht, in der 88’000 Personen die Ablösung des umstrittenen Trump-Beraters fordern.

Auch Politiker äusserten sich kritisch. «Dass Myron Ebell den Wandel der Umweltschutzbehörde beaufsichtigt, sollte uns alle beunruhigen», twitterte beispielsweise Senator Brian Schatz, der sich für eine saubere US-Wirtschaft einsetzt. Die «Huffington Post» bezeichnete Ebells Wahl als «Katastrophe für die Umwelt».

Viele stören sich auch daran, dass Trump offensichtlich nicht sein Wahlversprechen umsetzen will, in Washington aufzuräumen. Stattdessen setzt er Ebell ein, einen Lobbyisten, der sich in der Hauptstadt seit Jahrzehnten im Feld der sogenannten Eliten tummelt.

«Ebell wird eine zentrale Rolle in der künftigen Umweltpolitik spielen.»«Huffington Post»

Experten erwarten, dass die von Ebell neu zusammengestellte US-Umweltschutzbehörde dereinst Bestimmungen und Richtlinien zurückfahren wird – möglicherweise sogar mit ihm als Chef. Denn die Anti-Umweltschutz-Agenda steht weit oben auf der Liste von Trumps Startprogramm. «Ich werde Regulierungen im Energiebereich streichen, die auf Kosten von Jobs und Produktivität gehen», sagte dieser in einer Ansprache an die Nation. Ebell soll ihm dabei helfen – der Mann, der glaubt, dass das «sogenannte Klimaabkommen nicht auf Wissenschaft basiert».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.11.2016, 13:39 Uhr

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