Bitter enttäuscht von ihrem Donald

Donald Trump versprach den Bruch mit dem Establishment. Die Ernennung des neuen Finanzministers empfinden einige Anhänger als Verrat.

Hat schlechte Erfahrungen mit Steven Mnuchin gemacht: Teena Colebrook ist enttäuscht über Donald Trumps Kehrtwende. (Foto: AP Photo/Jae C. Hong)

Hat schlechte Erfahrungen mit Steven Mnuchin gemacht: Teena Colebrook ist enttäuscht über Donald Trumps Kehrtwende. (Foto: AP Photo/Jae C. Hong)

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Als Donald Trump seinen Finanzminister ernannte, wollte Teena Colebrook ihren Ohren nicht trauen. Sie hatte dem künftigen US-Präsidenten ihre Stimme in dem Glauben gegeben, er werde die Geldelite aus Washington vertreiben. Doch Trumps künftigen Finanzminister Steven Mnuchin kannte die 59-Jährige nur allzu gut: Die früher von ihm geleitete Bank OneWest hatte nach dem Ende der grossen Rezession Colebrooks Haus in der Nähe von Los Angeles zwangsräumen lassen.

Colebrook verlor zwei Wohnungen, die sie vermietet hatte. Die Miete war ihre wichtigste Einkommensquelle. «Ich wünschte bloss, ich wäre nicht zur Wahl gegangen», sagt sie. «Ich habe überhaupt kein Vertrauen mehr in unsere Regierung. Sie versprechen Dir alle die Welt, und wenn sie gewählt sind, ziehen sie ihre Versprechen zurück.»

Mann des Geldes: Der künftige Finanzminister Steven Mnuchin polarisiert. (Foto: AP Photo/Evan Vucci)

Weniger als einen Monat nach Trumps Wahlsieg beginnt seine populistische Anziehungskraft zu bröckeln. Zu offen ist der Widerspruch zwischen seinen Wahlkampfparolen und seinem neuen Kabinett aus Milliardären und Millionären, mit denen er ein Wirtschaftswachstum bis zu vier Prozent erreichen will.

In der Finanzwirtschaft stiess Mnuchins Nominierung dagegen auf grosse Zustimmung. Als ehemaliger Manager bei der Investmentbank Goldman Sachs, der in den frühen 2000er Jahren ins Hedgefonds-Management und in die Filmproduktion wechselte, erscheint er vielen als idealer Gesandter der Wall Street in Washington.

Auf die Frage nach seiner Qualifikation für das Amt des Finanzministers betonte Mnuchin seine Zeit als Chef von OneWest. Die Bank vollzog damals nach dem Ramsch-Hypotheken-Skandal Tausende Zwangsvollstreckungen - so wie bei Colebrooks Haus. «Ich habe mich in den letzten acht Jahren darauf konzentriert, ein regionaler Banker zu sein», erklärte Mnuchin. Er wisse, worauf es ankomme, um kleinen und mittelständischen Unternehmen Darlehen geben zu können. «Und es wird unser grosser Fokus sein, zu gewährleisten, dass die Regulierungen zurückgeschraubt werden, um sicher zu gehen, dass die Banken Kredite vergeben.»

Bildstrecke: Sie haben Donald Trump gewählt

Colebrook und andere geschädigte OneWest-Kreditnehmer reagierten so entsetzt auf die Aussicht, Mnuchin an der Spitze des Finanzressorts zu sehen, dass sie die Nachrichtenagentur AP kontaktierten. Colebrook sagt, sie würde Trump gerne persönlich sagen, warum sie sich durch seine Entscheidung betrogen fühle. Schliesslich habe sie sich darauf verlassen, dass seine Regierung die Machtverhältnisse zugunsten der einfachen Leute geraderücken werde. «Er will die Wahrheit nicht hören», sagt die 59-Jährige. «Jetzt deckt er seine alten Kumpels.»

Warnung ans eigene Lager

Trumps Übergangsteam ist indes bemüht, das Vertrauen der Wähler nicht zu verspielen. Chefberaterin Kellyanne Conway warnte öffentlich, die Anhänger des künftigen Präsidenten könnten sich verraten fühlen, wenn etwa der ehemalige Trump-Kritiker Mitt Romney zum Aussenminister ernannt würde.

Die grössten Akzeptanzprobleme für Mnuchin dürften auf die Zeit der Rezession zurückgehen. Seine Investorengruppe war 2009 der einzige Bieter für die kollabierte Bank IndyMac. Die Gruppe handelte einen Deal aus, wonach der Staat für 80 Prozent der Verluste aufkommen musste und benannte die Krisenbank in OneWest um.

Bei Aktivisten wie der California Reinvestment Coalition lösten die bald folgenden Zwangsversteigerungen der OneWest Wut und Empörung aus. Fünf Jahre nach der Übernahme verkaufte Mnuchin die Bank im Juni 2014 mit riesigem Gewinn für 3,4 Milliarden Dollar.

Geldsegen für Mnuchin: OneWest Bank, hier der Hauptsitz in Los Angeles, wurde 2015 aufgekauft. (Foto: Wikipedia)

Colebrook sagt, sie habe die Geschäftspraktiken von OneWest schmerzhaft zu spüren bekommen, nachdem die Regionalbank Ende 2009 ihre Hausbank First Federal Bank of California übernommen hatte. Dort hatte Colebrook neun Jahre zuvor einen Kredit aufgenommen, um sich im kalifornischen Hawthorne in der Nähe des internationalen Flughafens von Los Angeles für 248'000 Dollar ein Dreiparteienhaus zu kaufen.

Sie vermietete zwei Einheiten und bewohnte selbst die dritte. Colebrook refinanzierte ihre Hypothek, um die Anlage zu renovieren und weitere Häuser zu kaufen, mit denen sie zusätzliche Mieteinnahmen erzielen wollte. Sie hatte Zahlungen bis zu 2000 Dollar monatlich zu leisten, die gerade einmal die Zinsen ihrer Schulden abdeckten. Und dann riss 2008 die Finanzkrise Colebrook in den Abgrund.

«Meine Mieter haben bei dem Zusammenbruch alle ihre Jobs verloren», sagt sie. «Sie konnten nicht zahlen. Es gab einen Dominoeffekt.» Colebrook bemühte sich fünf Jahre lang vergeblich um eine Anpassung ihres Kredits bei OneWest. Sie wirft der Bank vor, Unterlagen verschlampt zu haben, widersprüchliche Angaben über Kredit und Gebühren gemacht und unberechtigt Zuschläge erhoben zu haben, die ihren Kreditsaldo schliesslich explodieren liessen. Als ihr Haus im April 2015 zwangsversteigert wurde, lag der Saldo bei 517'662 Dollar.

Gegen die Zwangsvollstreckung geht Colebrook noch immer gerichtlich vor. Sie lebt heute zusammen mit ihrem Partner in der kleinen kalifornischen Stadt San Luis Obispo und arbeitet ehrenamtlich in einem Obdachlosenheim - dort hätte sie auch landen können, sagt sie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.12.2016, 11:49 Uhr

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