Plötzlich ist alles anders – warum Trump angreift

Was bezweckte Präsident Trump mit der Militäraktion in Syrien?

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Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung Trump eine Umkehr der bisherigen amerikanischen Haltung zum Konflikt in Syrien signalisiert: Allein das syrische Volk könne über die Zukunft des Assad-Regimes befinden, die Abdankung des Autokraten stehe nicht mehr im Mittelpunkt der amerikanischen Syrien-Politik. Dann kam der furchtbare Giftgasangriff des mörderischen Regimes, danach kamen die Bilder toter und sterbender Zivilisten, darunter viele Kinder.

Gestern Abend hagelte es als Vergeltung dafür Dutzende US-Marschflugkörper auf einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe. In weniger als einer Woche vollzog Donald Trump damit eine Kehrtwendung, die in der Geschichte amerikanischer Aussenpolitik ohne Beispiel ist. Mit dem Luftangriff rückte die Trump-Administration ja nicht nur von dem ab, was Trumps UNO-Botschafterin Nikki Haley am Montag und Aussenminister Tillerson bereits zuvor gesagt hatten, nämlich dass man Bashar al-Assad in Ruhe lassen werde.

Trump will Koalition schmieden

Trump hatte in der Vergangenheit mehrmals die Meinung vertreten, die USA sollten sich aus dem syrischen Bürgerkrieg heraushalten, soweit es nicht die militärische Ausschaltung des Islamischen Staats betreffe. Und sein Konzept von «America First» verlangt überdies, sich aus Konflikten herauszuhalten, die strategisch für die USA nicht von Bedeutung sind.

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Nach einer eher konfusen Pressekonferenz an der Seite des jordanischen Königs Abdullah am Mittwoch und nachfolgenden Beratungen mit seinen Militärs, griff der Präsident jetzt dennoch in den syrischen Konflikt ein. Warum? Weitere Luftschläge sollen nicht erfolgen, weshalb die Salve wohl eher eine Abmahnung des Assad-Regimes sein sollte. Auch wenn die Washingtoner Regierung nun eine Koalition schmieden möchte, um den syrischen Autokraten loszuwerden.

Signal an Moskau

Der Konflikt in Syrien ist nur diplomatisch lösbar, Trumps Angriffsbefehl aber wird Hardliner wie Senator John McCain unweigerlich zum Ruf nach mehr Intervention ermutigen: Schutzzonen für Flüchtlinge im Norden des Landes, weitere US-Angriffe auf militärische Ziele, klandestine Aktionen gegen das Assad-Regime, mehr Waffen und Hilfe für prowestliche Rebellen. Wenn Trump im Moment wirklich etwas für die geschundenen Menschen des syrischen Konfliktgebiets tun will, könnte er syrischen Flüchtlingen die Tür öffnen – was natürlich nicht geschehen wird.

Video – der US-Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt:

Trump liess Cruise Missiles aus dem Mittelmeer abfeuern.

Stattdessen will die Trump-Administration wohl eine Reihe von Signalen – an den Iran, an Assad, aber auch an Moskau – senden, die amerikanische Entschlossenheit und damit Glaubwürdigkeit demonstrieren und Trump von seinem Vorgänger unterscheiden sollen. Denn Barack Obama ist für Donald Trump die Quelle allen Übels, also auch des syrischen Übels. Immer wieder und nicht ganz zu Unrecht kritisiert der republikanische Präsident Obamas Rückzug von der «roten Linie», die das Assad-Regime bereits 2013 bei einem Giftgaseinsatz gegen Zivilisten überschritten hatte.

Doch er selbst twitterte damals, die Vereinigten Staaten sollten sich aus dem syrischen Bürgerkrieg heraushalten. Und niemand weiss natürlich, ob es nicht Trumps Abkehr von der bislang geltenden Politik einer Entfernung Assads aus dem Amt war, die den syrischen Mörder zum Einsatz von Giftgas ermutigte. Ausserdem könnte man den Verdacht hegen, dass die gestrige Militäraktion einem Präsidenten, der miserable Umfragewerte hat und dem nicht allzu viel in seinen ersten Amtsmonaten gelungen ist, einen dringend notwendigen Auftrieb verschaffen soll.

Eskaliert nun der Konflikt zwischen Washington und Moskau?

Co-Ausland-Chef Christoph Münger beantwortet die drängendsten Fragen nach dem US-Schlag gegen Syrien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2017, 06:51 Uhr

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