«Fake-News» und Müll

Donald Trump musste an seiner ersten Pressekonferenz zu brisanten Vorwürfen Stellung nehmen. Wer setzte die Anschuldigungen in die Welt?

Die wichtigsten Szenen aus der Pressekonferenz im New Yorker Trump Tower. (Video: Tamedia/AFP)

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Dramatischer hätten die Umstände rund um Donald Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident kaum sein können: Seit Dienstagabend kursieren Meldungen, Trump sei wegen sexueller Eskapaden in Moskau womöglich vom Kreml erpressbar. Ausserdem hätten Emissäre des republikanischen Kandidaten Trump während des US-Wahlkampfs Geheimkontakte mit Moskau zum Schaden Hillary Clintons aufgenommen.

Der Nachrichtensender CNN, die «New York Times» sowie die «Washington Post» berichteten am Dienstagabend, die Chefs der US-Nachrichtendienste, darunter CIA-Direktor John Brennan, hätten Trump am vergangenen Freitag mit kompromittierenden Informationen konfrontiert, das Nachrichtenportal «BuzzFeed» veröffentlichte sogar ein Dossier mit anzüglichem und unbewiesenem Material über Trump, das von einem ehemaligen Mitarbeiter des britischen Geheimdiensts MI6 erstellt worden war.

Am Mittwoch verwahrte sich Trump an der Pressekonferenz gegen die Anschuldigungen: Der neue Präsident wies die Anschuldigungen in Bausch und Bogen zurück und beschimpfte «BuzzFeed» als «Müll» und CNN als Verbreiterin von «Fake News». Zwar schloss sich Trump erstmals klar der Auffassung von US-Diensten an, dass das Hacking demokratischer E-Mail-Konten während des Präsidentschaftswahlkampfs das Werk des Kreml gewesen sei, verneinte aber, dass sein Wahlkampf-Team Kontakt zu Moskau gehabt habe.

Trumps designierter Regierungssprecher Sean Spicer bezeichnete die Anschuldigungen als «empörend». Sie seien einmal mehr ein Beweis für die «Voreingenommenheit» mancher Medien gegen Trump.

Anscheinend aber kam der Auftrag zur Erstellung eines Dossiers über Trumps vermeintliche sexuelle Eskapaden in Moskau – sie wurden laut dem britischen Dossier von Agenten des russischen Geheimdientes FSB gefilmt – von republikanischen Gegnern Trumps: Sie heuerten während des parteiinternen republikanischen Vorwahlkampfs den ehemaligen britischen MI6-Agenten an, um Schmutziges über Trump zu finden.

Der Ex-Agent hatte in den neunziger Jahren in Moskau für MI6 gearbeitet, verfügt dort über Gewährsleute und betreibt jetzt in London eine private Aufklärungsfirma. Bezahlt wurde er angeblich von Spendern im Umkreis der «Never Trump»-Bewegung innerhalb der Republikanischen Partei. Nachdem Trump zum republikanischen Kandidaten nominiert worden war, beauftragten Demokraten, darunter ein Vertrauter Hillary Clintons, den britischen Ex-Agenten, die Schnüffelei in Moskau fortzusetzen.

«Eine Schande»

In diesem Zeitraum machte eine Quelle aus dem Umkreis des Clinton-Lagers Tagesanzeiger.ch/Newsnet in Washington auf die angeblichen Eskapaden Trumps aufmerksam, legte jedoch keine Beweise vor, weshalb eine Veröffentlichung unterblieb. Es ist unklar, woher und wie FBI und CIA das Dossier des Briten erhielten: Waren es demokratische Quellen oder parteiinterne Feinde Trumps wie die republikanischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham, die US-Dienste auf die Existenz des Dossiers hinwiesen?

Die beiden Senatoren gelten als Hardliner gegenüber Moskau, beide befürchten, Präsident Trump werde ein Rapprochement mit dem Kreml anstreben. Das Dossier sorgte besonders bei der CIA für erhebliche Unruhe: Der Dienst kannte den Briten, hielt ihn für eine glaubhafte Quelle – und präsentierte wohl deshalb Trump bei dem Briefing am vergangenen Freitag mit einer Zusammenfassung des Dossiers.

Es sei «eine Schande», dass diese vertrauliche Information aus seinem Briefing an die Öffentlichkeit gelangt sei, sagte Trump an seiner Pressekonferenz. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Gegner Trumps in den US-Diensten für das Leck verantwortlich sind: Indem sie leckten, dass Trump über die in dem Dossier enthaltenen Vorwürfe informiert wurde, werteten sie diese Vorwürfe auf – und verschafften zugleich US-Medien Deckung, um auf die Existenz der Anschuldigungen hinzuweisen.

Einmalig wäre der Vorgang nicht: Auch in der Vergangenheit mischten sich US-Geheimdienste bisweilen in die Politik ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2017, 20:14 Uhr

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