James Comey wird nicht verschwinden

Auch wenn Donald Trump den FBI-Chef feuert: Moskau wird er so schnell nicht los.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man muss nicht gleich an die Verschwörungstheorie glauben, dass Donald Trump nur durch die Hilfe Wladimir Putins im November die Wahl gewann. Es gab viele Gründe für Trumps Erfolg. Doch es lässt sich kaum mehr abstreiten, dass der neue Präsident der Vereinigten Staaten auf irgendeine Weise mit Moskau verbandelt ist.

Trump behauptet, den FBI-Direktor entlassen zu haben, weil sich James Comey «fehlerhaft» in der E-Mail-Affäre von Hillary Clinton verhalten habe und weil es Zeit sei, «verlorenes Vertrauen» wiedergutzumachen. Das ergibt keinen Sinn. Mit Comeys Kündigung bewirkt Trump das genaue Gegenteil: Er schwächt das Vertrauen in den amerikanischen Rechtsstaat und greift seine eigenen Institutionen an.

Trump entlässt den von Obama eingestellten FBI-Direktor. So sieht das Kündigungsschreiben aus. Video: Tamedia/AFP/AP

Mit James Comey entlässt Trump aus höchst zweifelhaften Gründen jenen Mann, der seit Monaten gegen ihn und sein Team ermittelt. Das klingt nach Methoden eines Viktor Orban, der in Ungarn alles niederreissen will, was ihm gefährlich werden könnte. Es klingt nach Gepflogenheiten einer Bananenrepublik, in der die Machthaber wüten, wie sie wollen.

Institutionen und Kontrollorgane sind intakt

Das Irre dabei ist, dass Trump die Reaktionen, die seine Tat auslösen, nicht einkalkuliert. Denn die amerikanischen Institutionen und Kontrollorgane sind intakt. Von Sonderermittlern ist jetzt die Rede, neue Ausschüsse werden gebildet, um die Vorgänge abzuklären. Comey wird nicht einfach verschwinden, nur weil er nicht mehr im Amt ist.

Es scheint tatsächlich plausibel, dass Trump die Russland-Affäre so sehr fürchtete, dass ihm keine andere Wahl blieb und er die Ermittlungen deshalb torpedierte. Trump wird alles tun in den nächsten Tagen, um davon abzulenken; er wird aussen- wie innenpolitisch wüten, um Gras über die Sache wachsen zu lassen.

Doch Donald Trump kann lange von «Fake-News» sprechen. Er kann seine Gegner und die Medien einschüchtern und Comey feuern. Moskau wird er so schnell nicht los.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2017, 20:29 Uhr

Artikel zum Thema

Trump weist jegliche Schuld von sich

An einer Pressekonferenz mit dem kolumbianischen Präsidenten wurde der US-Präsident auf Comey und Flynn angesprochen. Mehr...

Angriff auf mächtiges FBI ist ein Tabubruch

Trumps Comey-Entlassung: Was bedeutet sie für Amerika und seinen Präsidenten? Mehr...

Legendärer FBI-Boss und sein Geheimwissen gegen Feinde

Der Comey-Schock wirft Wellen in Washington. Warum das J. Edgar Hoover nicht passiert wäre. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grusel, Grusel: Taranteln krabbeln den Arm einer Frau in Kambodscha hoch, nachdem sie diese eingefangen hat 21. Juni 2017).
(Bild: Samrang Pring) Mehr...