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Versicherungsbetrug: Spitäler behandelten gesunde Obdachlose

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 12.08.2008

Kalifornische Krankenhäuser füllten ihre Betten mit Obdachlosen und kassierten dafür Geld. Der Fall gilt als einer der grössten Betrügereien in der staatlichen Krankenversicherung der USA.

Obdachlose in Los Angeles: Privatspitäler haben ihre Lage ausgenutzt, um Versicherungsgelder zu kassieren.

Obdachlose in Los Angeles: Privatspitäler haben ihre Lage ausgenutzt, um Versicherungsgelder zu kassieren.
Bild: Keystone

In den Betrugsfall involviert sind drei Privatspitäler in Los Angeles und im weiter südlich gelegenen Orange County. Die Ermittler nannten die Spitalmanager «aussergewöhnlich ruchlos».

Der federführende FBI-Direktor Salvador Hernandez erklärte, die Spitäler hätten den Obdachlosen aufgelauert und deren Lage ausgebeutet. Die Behörden vermuten, dass die drei Spitäler gegen 20 Millionen Dollar an Rückzahlungen erschwindelten. Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen und die Spitalchefs verurteilt werden, drohen ihnen Haftstrafen von bis zu 140 Jahren.

Das Ausbeuten der Obdachlosen wurde 2004 per Zufall von einem Sozialarbeiter entdeckt und gemeldet. Ihm fiel auf, dass Obdachlose und Drogenabhängige von Unbekannten angesprochen und rasch in Lieferwagen und Autos verfrachtet wurden. Einige Stunden später kehrten die Wagen zurück und stellten die Opfer wieder auf die Strasse. Zuweilen seien derart viele Obdachlose verfrachtet worden, dass sie in den Kofferraum gezwängt werden mussten, sagte der Sozialarbeiter. Die Polizei begann zu ermitteln und machte verdeckte Videoaufnahmen von Ambulanzen, wie sie Obdachlose ein- und ausluden.

Ein Schuss für Drogenabhängige

Befragungen ergaben, dass die «Patienten» gegen ein Entgelt von 20 bis 30 Dollar in die Spitäler gelockt und dort gegen Krankheiten behandelt wurden, die meist gar nicht diagnostiziert waren. Einer Patientin etwa wurde ein Nytroglycerin-Pflaster gegen eine nicht nicht-existierende Kreislauferkrankung erpasst; worauf sie schwer erkrankte. Sie erholte sich später, wurde erneut rekrutiert und brauchte das Schweigegeld, um Crack zu kaufen.

Mir dem forcierten Behandeln von Patienten konnten die Spitäler ihre Betten füllen und Rückforderungen von den staatlichen Medicaid- und Med Cal-Programmen kassieren. Betrogen wurde somit die Steuerzahler in einem Land, das bis heute keine allgemeine Grundversicherung für die Allgemeinheit hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2008, 16:50 Uhr

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