.

Eine zweischneidige Entwicklung für die Demokraten

Hillary Clinton ist praktisch durch. Aber sie muss befürchten, dass viele der jungen Sanders-Anhänger am Wahltag im November zu Hause bleiben.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Kalkül war denkbar einfach: Bernie Sanders gewänne die demokratischen Vorwahlen und Parteiversammlungen in den alten Industriestaaten des Mittleren Westens, Hillary Clinton dagegen die Staaten der alten Konföderation im amerikanischen Süden. Danach könnte der linke Senator aus Vermont und Held junger demokratischer Wähler darauf verweisen, dass wahrscheinlich kein Südstaat mit Ausnahme Floridas im Wahlherbst an die Demokraten fallen würde.

Der Süden wähle traditionell republikanisch, so Sanders' Argument, entschieden werde die Präsidentschaftswahl hingegen im Mittleren Westen – in Staaten wie Michigan, Ohio, Missouri, Illinois und Wisconsin, wo er, Sanders überzeugend abgeschnitten und sich mithin als demokratischer Präsidentschaftskandidat empfohlen habe.

Damit ist jetzt Schluss: Wie erwartet gewann Hillary Clinton die Vorwahlen in Florida und im Südstaat North Carolina und wie gehabt mit starker Unterstützung von Afroamerikanern. Doch sie siegte auch in Ohio sowie in Illinois und anscheinend hauchdünn in Missouri – womit Sanders' Argument erheblich an Überzeugungskraft verliert. Team Clinton kann aufatmen: Die Kandidatin vergrösserte dank der neuen Siege ihren Vorsprung bei den Delegiertenstimmen, wohl kaum wird es Sanders gelingen, den grossen Rückstand wettzumachen.

Nahezu unüberwindliche Barriere

Gewiss wird der Senator aus Vermont bis zum Ende der Vorwahlsaison den einen oder anderen Staat für sich entscheiden, vielleicht Wisconsin oder Maryland oder sogar das delegiertenreiche Kalifornien gewinnen, das proportionale Wahlsystem der demokratischen Vorwahlen aber bildet eine nahezu unüberwindliche Barriere für den Herausforderer aus Vermont. Hinzu kommt, dass sich eine überwältigende Mehrheit der demokratischen Superdelegierten, also Amtsträger und Funktionäre der Partei in Washington wie in den Einzelstaaten, hinter Clinton gestellt hat.

Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird Bernie Sanders nach seinem insgesamt enttäuschenden Abschneiden von heute beim Demokratischen Präsidentschaftskonvent im Juli in Philadelphia nicht über eine ausreichende Zahl von Delegiertenstimmen verfügen, um die Ex-Aussenministerin und Erbin Barack Obamas wirklich herausfordern zu können.

Begeisterung über Hillary hält sich bei Millennials in Grenzen

Für die Demokratische Partei könnte dies eine zweischneidige Entwicklung sein: Einerseits bietet sie mit Hillary Clinton eine erfahrene Kandidatin auf, dazu eine Frau und damit die erste ernsthafte Bewerberin um das amerikanische Präsidentenamt, Begeisterung über Hillary aber will bislang vor allem bei den Millennials keine aufkommen. Deshalb muss die Partei Franklin Roosevelts befürchten, dass viele der jungen Anhänger von Sanders am Wahltag im November zu Hause bleiben werden.

Andererseits könnte die Aussicht auf einen republikanischen Präsidenten namens Trump oder Cruz genügen, um die Zaudernden und Enttäuschten aus dem Lager des gestrigen Verlierers zu motivieren. Wenngleich viele Fans des Senators ärgerlich registriert haben, dass das demokratische Establishment insgeheim oder sogar offen die ehemalige Aussenministerin vorzieht und mit den Superdelegierten eine extrem undemokratische Waffe zur Hand hat.

Nach ihren überzeugenden Erfolgen am Dienstag hat Hillary Clinton jetzt allen Grund, sich auf ihre Rolle als Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei vorzubereiten. Die Favoritin sitzt fest im Sattel, Senator Sanders hingegen erlitt eine weitere Schlappe.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 16.03.2016, 06:34 Uhr)

Artikel zum Thema

Doppeltes Fotofinish in Missouri

Super Tuesday 3: Heute fällt die Vorentscheidung. Donald Trump und Hillary Clinton machen weiter Boden gut. Marco Rubio wirft das Handtuch. Verfolgen Sie die US-Vorwahlen live. Mehr...

Auf diese Tricks setzen Donald Trumps Gegner nun

Am Parteitag der Republikaner im Juli droht ein düsteres Szenario. Mehr...

Trump-Rivale gibt auf – wer erhält nun Rubios Stimmen?

Die Schlappe heute Nacht im Heimatstaat Florida war zu viel: Wie Marco Rubio seine Niederlage erklärt und was das nun für den Kampf bei den Republikanern bedeutet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Werbung

Kommentare

Weiterbildung

Trainieren oder verlieren

Mit Gedächtnistrainings die Lernfähigkeit verbessern.

Die Welt in Bildern

Schön synchron: Die lettische Flugstaffel «Baltic Bees» zeigt an einer Flugshow in der moldawischen Hauptstadt Kischinau in 39C-Albatross-Maschinen ihr Können (25. September 2016).
(Bild: Dumitru Doru) Mehr...