Trump braucht einen Klempner

Dem US-Präsidenten steht das Wasser in der Russland-Affäre bis zum Hals. Ein Sonderberater soll die Lecks stopfen.

Kreml-Kontakte: Donald Trumps ältester Sohn hat eine russische Anwältin getroffen. (Video: Tamedia/AFP)

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Wenn im politischen Washington derzeit von der Russland-Affäre die Rede ist, sprechen alle von Wassertropfen. Es sei, sagte der republikanische Abgeordnete Trey Gowdy, der die Metapher prägte, wie bei einem undichten Wasserhahn, «tropf, tropf, tropf»: Jede Woche gebe es neue Erkenntnisse, jede Woche einen neuen Skandal.

Die Frage nach einer mögliche Absprache zwischen dem Kreml und dem Wahlkampfteam Donald Trumps würde die Glaubwürdigkeit des US-Präsidenten untergraben und der republikanischen Partei schaden, so Gowdy in einem Fernsehinterview. Er forderte Trump und dessen Team auf, alle Russland-Verbindungen offenzulegen, damit die Affäre endlich vom Tisch komme.

«Viele Tropfen führen zu einem Strom», titelte anderntags die Washington Post und behauptete, dem Präsidenten stehe das Wasser bereits bis zum Hals. Andere schrieben, Donald Trump Juniors Treffen mit einer russischen Anwältin sei «der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe».

Bildstrecke – Die Akteure in der Affäre um Trump Jr.

Der US-Präsident selbst hat am Samstag, kurz nach seiner Rückkehr vom Staatsbesuch in Paris, reagiert; er hat einen Sonderberater in der Russland-Affäre ernannt. Es ist, um Trey Gowdys Metapher treu zu bleiben, eine Art Klempner. Der ehemalige Staatsanwalt Ty Cobb, Sozius einer angesehenen Anwaltskanzlei in Washington, soll als Vermittler zwischen Weissem Haus und Kongress fungieren. Er solle eine «Schlüsselposition innerhalb des Stabs einnehmen», teilte das Weisse Haus mit. Kurz und bildgerecht: Cobb soll den Wasserschaden bei den Trumps beheben.

«Niemand nimmt mir meine Stimme weg»

Sonderberater Cobb wird Trumps privatem Anwalt Marc E. Kasowitz zur Seite gestellt, der beim Präsidenten in Ungnade gefallen sei, heisst es in US-Medien. Kasowitz soll den Präsidenten aufgefordert haben, weniger zu twittern, das lehnt Trump vehement ab. Twitter sei seine Stimme, sagte der Präsident jüngst einem New York Times-Reporter. «Niemand nimmt mir meine Stimme weg.»

Die Ernennung Cobbs zeigt, wie sehr dem Präsidenten die Russland-Affäre zusetzt, die er einst als «Wolke über dem Weissen Haus» bezeichnete. Am Wochenende wurden neue Einzelheiten der Russland-Affäre bekannt: An dem umstrittenen Treffen zwischen Trumps ältestem Sohn und der russischen Anwältin Natalja Veselnitskaja, bei dem Trump Jr. kompromittierende Kreml-Informationen über Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden waren, hatte ein russisch-amerikanischer Lobbyist namens Rinat Achmetschin teilgenommen. Laut Washington Post ist er ein früherer sowjetischer Geheimdienstmitarbeiter. Das Treffen gilt als klares Indiz dafür, dass Mitglieder aus Trumps Wahlkampfteam bereit waren, im Wahlkampf mit dem Kreml zusammenzuarbeiten.

Der US-Präsident hingegen bezeichnete seinen Sohn als «unschuldig» und sprach von der «grössten Hexenjagd in der amerikanischen Geschichte».

Schon in der Vergangenheit hatte er die Russland-Affäre wahlweise als «heisse Luft» oder «Erfindung der Fake-News-Medien» bezeichnet. Die Webseite Daily Beast fragte nun, weshalb der US-Präsident Trump Ty Cobb zum Sonderberater ernenne, wenn er doch der Meinung sei, «es handle sich um eine Verschwörungstheorie».

Pro-Trump-Medien ignorieren das Thema

Die mögliche Kreml-Verstrickung des Trump-Teams spaltet inzwischen die US-Gesellschaft – und die Medien. Während die Trump-Kritiker täglich mit neuen Schlagzeilen aufwarten, wird das Thema bei Pro-Trump-Medien wie «Breitbart» meist ignoriert. «Das wahre Opfer in der Affäre um den Präsidentensohn ist Donald Trump Junior selbst», sagte etwa der Fox-News-Moderator Sean Hannity in seiner Sendung. Trump Jr. habe «nichts getan», aber werde «an den Pranger gestellt».

Publicity, die sich kein Präsident wünscht: Vor dem Weissen Haus fordern Demonstranten Auskunft über Trumps Russlands-Connection. (Foto: Andrew Caballero-Reynolds/AFP)

Sonderberater Ty Cobb falle nun die Aufgabe zu, Ruhe ins Weisse Haus zu bringen, schrieb die New York Times, und Vertrauen in Trump und dessen Team aufzubauen. Das scheint dringend nötig zu sein. Nach einem halben Jahr im Amt sinken Donald Trumps Umfragewerte weiter. Nach einer neuen Umfrage der Washington Post und des Senders ABC stimmen nur noch 36 Prozent der Befragten seiner Amtsführung zu, während es im April noch 42 Prozent waren.

Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer gab an, dass die US-Führungsrolle in der Welt seit Trumps Vereidigung als Staatschef «schwächer geworden» sei. Solch niedrige Werte haben die Demokraten Barack Obama und Bill Clinton der Washington Post zufolge während ihrer Amtszeiten nie bekommen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.07.2017, 20:54 Uhr

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