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Russland soll syrische Zivilisten getötet haben

Seit Russland Luftangriffe in Syrien fliegt, sei die Anzahl ziviler Opfer «verstörend» angestiegen, heisst es aus Washington. Russland weist die Vorwürfe zurück.

Am 25. Januar 2016 sollen Friendensgespräche stattfinden: Eine syrische Familie läuft durch ein Rebellenviertel in Douma, nahe Damaskus. (29. Dezember 2015)

Am 25. Januar 2016 sollen Friendensgespräche stattfinden: Eine syrische Familie läuft durch ein Rebellenviertel in Douma, nahe Damaskus. (29. Dezember 2015) Bild: Mohammed Badra/Keystone

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Die USA haben Russland die Tötung Hunderter Zivilisten bei seinen Luftangriffen in Syrien vorgeworfen. Berichte von Aktivisten legten nahe, dass «medizinische Einrichtungen, Schulen und Märkte» bei russischen Attacken getroffen worden seien, sagte Aussenamtssprecher Mark Toner in Washington. Ein solches Vorgehen untergrabe die Suche nach einer politischen Lösung.

«Schändliches Versagen»

Die überraschend scharfe Kritik an Russland kommt wenige Tage vor dem geplanten Beginn der Verhandlungen zwischen Vertretern von Assad und einer Delegation der Opposition. Unter Vermittlungshilfe Moskaus und Washingtons sollen die Gespräche im Januar 2016 stattfinden. Ziel sind eine Übergangsregierung, Wahlen und eine neue Verfassung binnen 18 Monaten in dem seit 2011 von einem Bürgerkrieg gezeichneten Land.

Schon seit geraumer Zeit stehen schwere Vorwürfe gegen Russland im Raum, das seit Ende September in Syrien militärisch interveniert. Vergangene Woche berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International von russischen Einsätzen von Streumunition und ungelenkten Bomben in Wohngegenden. Moskau wurde in deren Report zudem «schändliches Versagen» vorgehalten, zivile Todesopfer bei den Attacken einzuräumen. Russland wies die Vorwürfe jedoch prompt als «Klischees und Fälschungen» zurück. Vor dem Amnesty-Bericht hatte auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ähnliche Anschuldigungen gegen Moskau erhoben.

Mehr zivile Opfer seit Russland aktiv ist

US-Aussenamtssprecher Toner bestätigte alle Vorwürfe zwar nicht direkt, sprach jedoch von «einem deutlichen und verstörenden Anstieg von Berichten über zivile Opfer, seit Russland seine Luftangriffe» in Syrien gestartet habe. Im Oktober und der ersten Novemberhälfte seien allein rund 130'000 Syrer durch diese Einsätze vertrieben worden.

Zudem bekräftigte Toner die Einschätzung westlicher Staaten, dass Moskaus Bomben anders als vom Kreml dargestellt nicht den sogenannten Islamischen Staat und andere Terrorgruppen zum Ziel hätten, sondern ein «grosser Teil» von Assads Gegnern gehaltene Regionen getroffen hätten. Dort seien viele getötet oder verwundet worden, sagte Toner.

Kerry telefoniert mit Lawrow

Seinen Angaben zufolge rief US-Chefdiplomat John Kerry diese Woche seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow an, um ihm seine Bedenken mitzuteilen. Über die Reaktion Lawrows wollten US-Vertreter zunächst keine Angaben machen. Die USA konzentrierten sich darauf, einen «glaubwürdigen politischen Prozess anzustossen, der endlich zu einem Ende der Gewalt in Syrien und einem neuen politischen Weg nach vorne für das syrische Volk führen könnte», sagte Toner. «Attacken auf jene, die Teil dieses politischen Prozesses sein könnten sowie Attacken auf unschuldige Zivilisten untergraben Bemühungen um eine politische Lösung.» (afo/sda)

(Erstellt: 30.12.2015, 07:02 Uhr)

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