US-Geheimdienste: Russland gab E-Mails an Wikileaks weiter

Heute informieren die US-Geheimdienste Donald Trump über ihre Erkenntnisse zu angeblichen russischen Hackerangriffen. US-Medien veröffentlichen bereits Details aus dem Bericht.

Heute wird er Trump empfangen: Geheimdienstdirektor James Clapper. (5. Januar 2017)

Heute wird er Trump empfangen: Geheimdienstdirektor James Clapper. (5. Januar 2017) Bild: Evan Vucci/Keystone

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Anfang Dezember ordnete Barack Obama die Geheimdienste an, die russische Einflussnahme auf die US-Wahlen zu überprüfen und ihm vor Ende seiner Amtszeit einen Bericht vorzulegen. Am Donnerstag wurde der scheidende US-Präsident über die Erkenntnisse informiert – heute wollen unter anderem die Chefs von FBI und CIA sowie Geheimdienstdirektor James Clapper Obamas Nachfolger Donald Trump berichten, was sie herausgefunden haben. Bisher widerspricht der Republikaner der Einschätzung, dass Moskau hinter den Hacking-Attacken auf die demokratische Partei und Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta steckt.

Vor dem Treffen Trumps mit den Top-Spionen berichtet nun die Washington Post über mehrere Details aus dem Bericht und beruft sich auf hochrangige Quellen aus Regierung und Geheimdiensten. Demnach hätten die US-Agenten jene «Akteure» identifiziert, über die russische Hacker das für die Demokratin Clinton so heikle Material an Wikileaks weitergegeben hätten. Wikileaks-Chef Julian Assange bestreitet, dass die Enthüllungsplattform die geleakten E-Mails von Moskau erhalten habe.

Die US-Geheimdienste sind nicht nur überzeugt, dass es eine Einmischung Russlands in die Wahlen gab – Moskau habe Trump ins Weisse Haus bringen wollen. Als Indiz nennt der Bericht, dass hochrangige russische Politiker über den Erfolg des Republikaners gejubelt und sich zu diesem Ergebnis gratuliert hätten. An den abgehörten Gesprächen seien auch Personen beteiligt gewesen, die über die Hacking-Attacken informiert waren, berichtet die Post. Eine Geheimdienstquelle bestätigte dies auch dem TV-Sender NBC.

Hacker interessierten sich kaum für Computer der Republikaner

Ein weiterer Punkt: Die russischen Hacker hätten sehr viel Zeit darauf verwendet, in die Computersysteme der Demokraten zu gelangen. An den Informationen der Republikaner waren sie weniger interessiert. Laut Washington Post umfasst der Bericht mehr als 50 Seiten und sei noch eindeutiger als jenes Statement vom Oktober, in dem Russland erstmals der Einflussnahme beschuldigt wurde. Eine Kurzfassung soll in Kürze veröffentlicht werden. Obama hatte kurz vor Jahreswechsel 35 russische Diplomaten ausweisen lassen.

Wegen seiner positiven Aussagen über Russlands Präsident Wladimir Putin hat Donald Trump auch in der eigenen Partei Kopfschütteln ausgelöst. Viele Senatoren, darunter der Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain, sind entsetzt über Trumps kritische und mitunter sehr spöttischen Kommentare und Tweets über die US-Geheimdienste. Auf die jüngsten Medienberichte reagierte der künftige US-Präsident mit einer hämischen Botschaft: Es sei ein typisches «politisches» Spiel, dass NBC über den «streng geheimen Report» berichten könne.

Anhörung im Senat: Russland ist schuld

Der Nationale Geheimdienstdirektor der USA hat trotz Zweifeln von Trump seine Einschätzung bekräftigt, dass Russland hinter Hacker-Angriffen während des Wahlkampfes steht. James Clapper liess bei einer Anhörung vor dem Streitkräfte-Ausschuss des US-Senats sogar durchblicken, dass er Präsident Putin persönlich für den Urheber der Attacken hält. Russland bestreitet die Vorwürfe.

Clapper sowie NSA-Chef Michael Rogers standen in Washington den Senatoren Rede und Antwort. Auf die Frage, ob die «höchsten Ränge» in Moskau in die Angriffe involviert gewesen seien, sagte Clapper: «Das ist das, was wir gesagt haben.» Auf die Nachfrage, wer die «höchsten Ränge» seien, antwortete Clapper: «Der Höchstrangige ist Präsident Putin.»

Clapper erklärte mit Blick auf Trump, er könne mit Zweifeln an den Erkenntnissen der Geheimdienste leben, nicht aber mit Verunglimpfung. Mehrere Senatoren aus Trumps republikanischer Partei hoben bei der Anhörung hervor, die Agenten müssten gestützt und dürften nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden.

Neuer Geheimdienstdirektor

Laut Clapper ist die Bedrohung durch Cyber-Attacken aus Russland generell gewachsen, während es Anzeichen für ein Nachlassen der Spionageversuche aus China gebe. Er betonte jedoch auch, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass Russland die Stimmabgabe bei der Wahl in den USA beeinflusst habe. «Sie haben nicht die Stimmabgabe manipuliert oder so etwas.»

Die Enthüllungsplattform Wikileaks, die einen Teil der fraglichen Informationen öffentlich gemacht hatte, bestritt eine Beteiligung staatlicher russischer Stellen. Clapper scheidet am 20. Januar mit dem Antritt der neuen Regierung aus dem Dienst. Trump will Medienberichten zufolge Dan Coats zu Clappers Nachfolger als nationaler Geheimdienstdirektor machen.

Coats war von 2001 bis 2005 US-Botschafter in Deutschland und vertrat noch bis vor kurzem den Bundesstaat Indiana im Senat. Der 73-jährige Republikaner hätte dann die Aufgabe, die 16 Geheimdienste der USA zu koordinieren. Der Senat muss der Personalie zustimmen.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 06.01.2017, 09:44 Uhr

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