Warum nur, Herr Trump?

Der US-Präsident muss endlich die Gründe für seine Russland-Verehrung offenlegen.

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Man muss ja nicht übertreiben und das Verhalten von Donald Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn als «Landesverrat» bezeichnen, wie das ein demokratischer Abgeordneter tat.

Flynn hat gegenüber dem russischen Botschafter eine Aufhebung der Sanktionen erwähnt. Er tätigte den Anruf in den Ferien. Vielleicht wollte er sich auch nur einschmeicheln und vergriff sich in der Wortwahl. Sein Verhalten war jedenfalls töricht und lenkt vom eigentlichen Problem ab, dessen Tragweite viel grösser ist: Trumps ungeklärte Beziehung zu Russland.

Der legendäre Nachrichtensprecher Dan Rather, der über 50 Jahre lang im Schmutz der US-Politik gewühlt hat, spricht von einem Skandal und vergleicht Trumps Russland-Nähe mit Watergate. Ob das auch übertrieben ist, werden die nächsten Tage zeigen, denn ­vieles ist unklar. In erster Linie die Frage: warum?

Warum hält Trump an seiner Putin-Verehrung fest? Warum bezeichnet er Berichte, die auf Informationen seiner Geheimdienste beruhen und etwa die Einmischung Russlands in die US-Wahlen dokumentieren, als«einen Haufen Mist»? Warum pöbelt er gegen Mexiko, Australien, Boeing und Meryl Streep – aber nie gegen den Kreml?

Im Unterschied zu Trump, der seine Russland-Verstrickungen am liebsten unter den Teppich kehren würde, zeigen US-Journalisten gerade, was dieser Beruf leisten kann, und fördern Erstaunliches zutage: Nicht nur Flynn habe mit russischen Behörden gesprochen, sondern mehrere Wahlkampfmitarbeiter.

Trump streitet alles ab und versucht die Aufmerksamkeit auf die «illegalen Leaks» zu richten, die die Medien füttern. Aber Lecks entstanden nur, weil Regierungsmitarbeiter von Trump abgewiesen wurden.

Unverständlich ist auch, wie viele Republikaner, die vor Monaten noch heissblütig forderten, man solle Hillary Clinton einsperren, jetzt auf einmal still sind und fordern, diese Fragen endlich hinter sich zu lassen und weiterzugehen.

Aber man kann nicht weitergehen, ohne Vergangenes zu klären und Warum-Fragen zu beantwortet. Das lehrt die Geschichte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2017, 23:18 Uhr

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